AVL Focus - Ausgabe 2023

THE AVL MOBILITY TREND MAGAZINE - Nr. 1 2023

T H E A V L M A G A Z I N E F O R P O W E R T R A I N D E V E L O P M E N T , T E S T I N G A N D S I M U L A T I O N

N O . 1 2 0 2 0

Tore Enger

CEO der TECO 2030 Gruppe

NIEMAND

ERREICHT

NETTO-NULL

ALLEINE

INKLUSIVE

SOFTWARE

SPECIAL

S. 36 – 60

D A S A V L T R E N D M A G A Z I N Z U R Z U K U N F T D E R M O B I L I T Ä T

N O . 1 2 0 2 3

vorwort

Herausgeber und Medieninhaber:

AVL List GmbH

Hans-List-Platz 1, 8020 Graz

Tel.: +43 316 787-0

www.avl.com

Verleger und Hersteller:

SCOOP & SPOON GmbH

Kirchberggasse 10, 1070 Wien

Tel.: +43 1 523 4088 150

www.scoopandspoon.com

T I T E L G E S C H I C H T E

4 Interview mit Tore Enger,

CEO der TECO 2030 Gruppe

E I N B L I C K E I N S U N T E R N E H M E N

8 Innovation mit Frauenpower

10 Startschuss für Female Engineer Program

12 Wir treiben Energieeffizienz und Umweltschutz voran

13 Vorreiter in der digitalen Transformation

F A H R Z E U G

14 Fahrerlebnisse aktiv gestalten

16 Vorausschauende Planung für zukünftige

Emissionsgesetzgebungen

18 AVL Testsysteme für Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV)

E - M O B I L I T Ä T

20 Elektrischer Antrieb – Das Herz der E-Mobilität

22 Das Herzstück der Batterie

24 Mit KI das Vertrauen in die Batteriekonstruktion stärken

W A S S E R S T O F F U N D B R E N N S T O F F Z E L L E

25 Mit Brennstoffzellen abheben

26 Weltweit führend bei Wasserstoff- und Brennstoffzellentests

28 Beherrschen Sie den Kaltstart von

PEM-Brennstoffzellensystemen dank Systemsimulation

30 AVL RACETECH baut Wasserstoffverbrenner-Prototypen

für den Motorsport

Inhalt

A U T O M A T I S I E R T E U N D V E R N E T Z T E M O B I L I T Ä T

32 Wir bringen das Testen autonomer Systeme auf das nächste Level

34 Ground Truth Kalibrierung für die Validierung

von ADAS/AD-Sensorsystemen

S O F T W A R E S P E C I A L

36 Innovationen für ein neues Zeitalter der Mobilität

38 Interview mit Georg List

40 „Deutliche Fortschritte“ – Interview mit McKinsey

42 Embedded Software ist die Zukunft

45 Die Zukunft autonom steuern

49 Jahrelange Erfahrung mit Konformität

50 Die unsichtbare Gefahr bekämpfen

53 Simulation: Vom Spielfeldrand zum Mittelpunkt

56 Funktionalität geht vor

57

Testeffizienz als Leitprinzip

58 Verknüpfung von virtuellen und realen Tests

P R O D U K T N E U H E I T E N

62 AVL Testlösungen für die Brennstoffzellenproduktion

63 AVL vSUITE™

Die Anpassung von Fahrzeugen an die Be-

dürfnisse des Endverbrauchers ist seit Lan-

gem ein wichtiger Treiber in der Automobil-

industrie. In einer Zeit, in der die Antriebe

elektrifiziert und Fahrzeuge automatisiert und

stärker vernetzt werden, liegt die neue Her-

ausforderung in der Bewältigung dieser Kom-

plexität. Die Risiken, die damit einhergehen,

müssen jedoch mit Bedacht analysiert und

gehandhabt werden: Cybersecurity ist zu ei-

nem wichtigen Tema für OEMs geworden.

AVL bietet eine Reihe verschiedener Lösun-

gen für dieses neue Zeitalter an, von der Si-

mulation über Testen bis hin zu Tools und

Dienstleistungen für die Entwicklung inte-

grierter Software. Sie basieren auf vier Prin-

zipien: Wir liefern Software, die mit Ih-

ren Anforderungen wächst und reduzieren

die Komplexität, um die für Sie beste und

schnellste Lösung zu finden. Wir geben auch

Antworten auf die Herausforderungen von

heute und entwickeln für Sie die Lösungen

von morgen. Gemeinsam definieren wir den

Schlüssel für das „Autoquartett“ des 21. Jahr-

hunderts. Das erfordert neue Sichtweisen, an-

gefangen beim Umgang mit unserem welt-

weiten CO2-Fußabdruck bis hin zu der Frage,

wie wir eine unendliche Anzahl von Szenari-

en simulieren und testen, um für die Mobili-

tät von morgen gerüstet zu sein.

Vielfalt manifestiert sich nicht nur in unse-

rem umfassenden Technologieportfolio oder

in der Art und Weise, wie wir unsere eigenen

Betriebe auf der ganzen Welt führen, sondern

auch in unserer Belegschaft. Einst eine von

Männern dominierte Branche, profitiert der

Technologiesektor zunehmend von den Fä-

higkeiten und Perspektiven eines wachsen-

den Frauenanteils. Frauen spielen bei uns ei-

ne entscheidende Rolle in der Gestaltung von

innovativen Mobilitätslösungen der Zukunft.

Helmut List

Prof. Helmut List,

Chairman und CEO AVL

titelgeschichte

titelgeschichte

N O . 1 2 0 2 3

focus: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Würden Sie

uns etwas mehr über TECO 2030 erzählen, worin sich das Unterneh-

men spezialisiert und wie es entstanden ist?

Enger: TECO 2030 ist ein in Norwegen ansässiges Clean-Tech-Unterneh-

men, das emissionsfreie Technologien für die Schifffahrt und die Schwer-

industrie entwickelt. Wir arbeiten an PEM-Wasserstoff-Brennstoffzellen-

stacks und PEM-Wasserstoff-Brennstoffzellenmodulen, die es Schiffen und

anderen Schwerlastanwendungen ermöglichen, emissionsfrei zu werden.

Im norwegischen Narvik wird TECO 2030 die PEM-Brennstoffzellen in-

dustrialisieren und dort die erste Gigafactory für Brennstoffzellen in Eu-

ropa aufbauen.

TECO 2030 wurde 2019 in Lysaker, Norwegen, gegründet. Das Unterneh-

men ist ein Spin-off der TECO Maritime Group, die seit 1994 Technologi-

en und Dienstleistungen für die globale Schifffahrtsindustrie anbietet. Ich

bin seit über 30 Jahren in der Schifffahrtsbranche tätig und habe lange da-

von geträumt, Teil des grünen Wandels in der maritimen Industrie zu sein.

Für mich war schon vor vielen Jahren klar, dass wir etwas tun müssen,

um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Nach einigen Jahren des

Reisens, Recherchierens und Prüfens, welche Technologie dafür in Fra-

ge käme, trafen wir schließlich Ende 2019 auf AVL und beschlossen, ein

Projekt im Bereich Abgasreinigungssysteme für Schiffe auf die Beine zu

stellen. Gemeinsam mit AVL haben wir das Projekt in einer Rekordzeit

abgeschlossen und entschieden, ein weiteres spannendes Projekt zu star-

ten - die Entwicklung der ersten maßgeschneiderten Wasserstoff-Brenn-

stoffzellen für die Schifffahrt und den Schwerlastbereich. Dass eine Bran-

che wie die Schifffahrt ihre Emissionen reduzieren muss, während das

Handelsvolumen steigt, steht außer Frage. Wenn die Branche nichts un-

ternimmt, wird sie im Jahr 2030 einer der größten Umweltverschmutzer

sein. Aus diesem Grund beschleunigt TECO 2030 mit seinen führenden

PEM-Wasserstoff-Brennstoffzellen den umweltfreundlichen Wandel in der

Schifffahrts- und Schwerlastindustrie.

I N T E R V I E W mit Tore Enger,

CEO der TECO 2030 Gruppe

„ NIEMAND ERREICHT

NETTO-NULL ALLEINE“

Im Gespräch mit Focus

erzählt Tore Enger über die

erfolgreiche Zusammen-

arbeit zwischen TECO 2030

und AVL sowie über die

Zukunft der Brennstofzelle

im globalen Schwerlast-

transport.

Bilder: © TECO 2030 ASA

titelgeschichte

titelgeschichte

N O . 1 2 0 2 3

focus: Welche Rolle spielen Wasserstoff und Brennstoffzellen im maritimen

Sektor? Welche Herausforderungen sehen Sie in diesem Zusammenhang?

Enger: Die internationale Schifffahrt ist ein wichtiger Hebel für den Welt-

handel, verursacht aber auch Treibhausgasemissionen und Verschmutzun-

gen. Die Branche sieht sich mit immer strengeren Umweltauflagen kon-

frontiert, weshalb dieser regulative Rahmen ein zentraler Faktor für die

Strategie von TECO 2030 ist. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisa-

tion (IMO) hat sich zum Ziel gesetzt, die Kohlenstoffintensität in der in-

ternationalen Schifffahrt bis 2030 um 40 % zu senken und die gesamten

jährlichen Treibhausgasemissionen des Sektors bis 2050 um mindestens

50 % im Vergleich zu 2008 zu reduzieren.

Obwohl der Aufbau eines entsprechenden Bunkernetzes einige Heraus-

forderungen mit sich bringt, bin ich zuversichtlich, dass es bis zur breiten

Einführung von Brennstoffzellen an Bord von Handelsschiffen auch Was-

serstofftankstellen geben wird. Aus diesem Grund haben sich große Un-

ternehmen verpflichtet, in den nächsten Jahrzehnten kohlenstoffneutral zu

werden – wobei viele weitere folgen werden.

focus: Können Sie uns etwas mehr über die TECO Brennstoffzelle für

maritime Anwendungen erzählen – und wie sie diese Herausforderun-

gen meistern kann?

Enger: Das erste 400 kW Brennstoffzellenmodul von TECO 2030 wird bald

fertig sein und danach umgehend auf den Prüfstand in der AVL-Zentrale

in Graz gehen. Wir sind gespannt, wie gut es sich in der Testumgebung

bewährt. Die speziell für die Schifffahrt ausgelegte Brennstoffzelle wurde in

Zusammenarbeit mit AVL als Design- und Simulationspartner entwickelt.

Mit Hilfe hochentwickelter, branchenführender Simulationssoftware ha-

ben wir reale Szenarien durchgespielt, um ein modulares und skalierbares

Design mit 400 kW als Grundbaustein zu entwickeln. Das macht sie zur

effizientesten Brennstoffzellenlösung auf dem Markt. In einem standard-

mäßigen 6-Meter-ISO-Container können wir 3,2 MW an Brennstoffzel-

len unterbringen. Das ist vor allem eine attraktive Option für Schiffseig-

ner, die trotz begrenzten Platzangebots eine emissionsfreie Lösung an Bord

nachrüsten möchten. Außerdem wollen wir die Produktion der Systeme

mit kosteneffizienten Produktionsanlagen von thyssenkrupp automatisie-

ren, um das Produktionsrisiko zu verringern. Dadurch können wir unsere

Kunden, die ihren gesamten Schwerlast-Fuhrpark aufrüsten wollen, kon-

tinuierlich mit Brennstoffzellen versorgen.

focus: Sind Sie nur in Norwegen ansässig oder wachsen Ihre Aktivitäten

im Bereich der Wasserstofftechnologie weltweit?

Enger: TECO 2030 hat seinen Hauptsitz in Lysaker, Norwegen, und eine

15.000 Quadratmeter große Produktionsstätte in Narvik, im Norden des

Landes. In Narvik werden wir in den kommenden Jahren die Brennstoff-

zellenproduktion automatisieren. Im Jahr 2024 wird unsere Brennstoffzel-

lenproduktion auf 120 MW, 2025 auf 400 MW und 2030 auf 1,6 GW an-

steigen. Unsere strategischen Vertriebsbüros befinden sich in Miami (USA)

und Singapur, während unser Vertriebsnetz die ganze Welt abdeckt, um

der global steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Von unserer Produk-

tionsstätte in Narvik aus werden wir die Welt mit führenden energieeffizi-

enten Brennstoffzellen für die Schifffahrt und für schwere Nutzfahrzeuge

versorgen. Unsere Projekte bedienen verschiedenste Segmente – von Lkw

über Schiffe und Fähren bis hin zu Baustellen – und eignen sich unter an-

derem für den Bergbau, für Rechenzentren, Züge und Notstromaggregate.

focus: Was wird der nächste große Meilenstein für TECO 2030 sein?

Enger: Der nächste große Meilenstein für TECO 2030 ist unser erstes

FCM400-Brennstoffzellenmodul auf dem AVL-Prüfstand und natürlich

die Inbetriebnahme des kommerziellen Wasserstoff-Demonstratorfahrzeugs

AVL HyTruck im Sommer 2023. Außerdem planen wir die Inbetriebnah-

me einer Gigafactory, um die automatisierte Brennstoffzellenproduktion

im ersten Quartal 2024 starten zu können.

focus: Wie platziert sich die Gigafactory in der globalen Wettbewerbs-

landschaft? Und erwarten Sie, dass sich andere Unternehmen in gleicher

Weise positionieren werden?

Enger: Die Gigafactory wird die erste hochmoderne Produktionsanlage für

PEM-Brennstoffzellen in Europa sein. Sie wird den Startschuss für die Er-

richtung von Gigafactories auf der ganzen Welt geben. TECO 2030 will

sich als führender Anbieter von Brennstoffzellenstacks und -modulen so-

wie als Partner für große Wasserstoffprojekte positionieren. Ich gehe da-

von aus, dass wir in den nächsten zehn Jahren weltweit weitere Ankündi-

gungen für Brennstoffzellenwerke sehen werden, wenn die Konzepte für

die Wasserstoffinfrastruktur ausgereift sind.

focus: Inwieweit hat die Zusammenarbeit mit AVL zur Markteinführung

der TECO-Brennstoffzelle beigetragen?

Tore Enger

CEO der TECO 2030 Gruppe

Tore Enger, gründete die TECO

Gruppe im Jahr 1994. Enger ist

durch und durch Unternehmer

und hat in den letzten 25 Jahren

eine Vielzahl von Produkten und

Dienstleistungen für die maritime

Industrie entwickelt. Er verfügt

über ein umfangreiches Netzwerk

in der Branche und spielt damit

eine zentrale Rolle für den Zugang

von TECO 2030 zu den Reedern.

Zudem war Enger ca. 10 Jahre

lang (2008 - 2017) Vorsitzender

und Hauptaktionär der Scanship

Holding ASA (jetzt Vow ASA), die

an der Osloer Börse notiert ist.

Enger: Für TECO 2030 ist die Zusammenarbeit ein wichtiger Faktor, um den

grünen Wandel zu erreichen. Niemand kann allein eine Netto-Nullbilanz er-

reichen. Wir leben in einer Zeit, in der die globale Erwärmung und der Kli-

mawandel weltweite Schlagworte sind und unsere größte Herausforderung

darstellen. Eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Betei-

ligten entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette ist der Schlüssel

zur Markteinführung unserer Brennstoffzellen. Wir arbeiten gemeinsam mit

Projektpartnern an der Verwirklichung zukunftsweisender, umweltfreundlicher

Projekte für die Zukunft. Schließlich wollen wir, dass auch künftige Generati-

onen einen lebenswerten Ort vorfinden. Durch unsere Zusammenarbeit mit

AVL haben wir die vollständige Industrialisierung der Brennstoffzelle in un-

serem Innovationszentrum in Narvik erreicht. Dank der konsequenten Pla-

nung der Teams von TECO 2030 und AVL konnte die Produktion schnell

hochgefahren werden. Unsere Zusammenarbeit ermöglicht außerdem eine

schnelle Expansion bei der Entwicklung und Industrialisierung der Wasserstoff-

Brennstoffzellen-Stacks und -Systeme. So können wir einige der hochwertigs-

ten und energieeffizientesten Brennstoffzellen im Schwerlastbereich anbieten.

focus: Wenn wir über das Jahr 2030 hinausblicken, welche globalen An-

strengungen werden erforderlich sein, um den Wettlauf zur Klimaneut-

ralität zu beschleunigen?

Enger: Der Wettlauf zur Klimaneutralität hat gerade erst begonnen, und ich

bin mir sicher, dass unsere Partnerschaft mit AVL einen wichtigen Beitrag

zur Einführung einer Wasserstoffwirtschaft und -infrastruktur leistet. An-

gesichts der rasanten Entwicklung gehe ich davon aus, dass wir ein solides

Wachstum von Wasserstoff-Hubs und Infrastrukturen für die Betankung

und den Verbrauch von Wasserstoff sehen werden. Es werden vollständige

Infrastrukturnetzwerke getestet und validiert werden. Die Zukunft ist in

greifbarer Nähe, und gemeinsam mit Partnern wie AVL glaube ich, dass

wir den Beginn der Einführung von Brennstoffzellen in den nordischen

Ländern und darüber hinaus erleben. ���������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������

Der FCC 3200™

Brennstoffzellencontainer

TECO 2030

Brennstoffzellenstack

DAS RENNEN RICHTUNG

CO2-NEUTRALITÄT HAT

GERADE ERST

BEGONNEN...

DIE ZUKUNFT IST NICHT

MEHR WEIT ENTFERNT.“

einblicke ins unternehmen

N O . 1 2 0 2 3

einblicke ins unternehmen

schule beginnen. Ganz junge Mäd-

chen haben oft großes technisches

Interesse, vor allem wenn es um Ex-

perimente geht. Aber im Gymnasi-

um oder noch früher verlieren sie

es. Wenn Unternehmen später an

höheren Schulen nach Talenten su-

chen, ist es für die meisten Mäd-

chen, die einmal technikaffin waren,

zu spät. Hätte man sie die ganzen

Jahre hindurch unterstützt, wäre

es wahrscheinlich nicht zu diesem

Bruch gekommen. Ich selbst ha-

be von meinen Eltern immer Un-

terstützung bekommen und in der

Schule Physik und Chemie-Experi-

mente geliebt!

Leitner: Bei mir war es so, dass

mir meine Informatik-Lehrer ge-

sagt haben: Du bist ein Mädel, das

brauchst du nie. Da habe ich mir

gedacht: Jetzt erst recht! Für die

meisten meiner Mitschülerinnen

war diese negative Einstellung je-

doch demotivierend. Fast keine hat

einen Tech-Beruf gewählt.

focus: Mit welchen Herausforde-

rungen waren Sie konfrontiert,

insbesondere in männerdominier-

ten Umgebungen?

Leitner: In Meetings gehen die meis-

ten davon aus, dass man die Assis-

tentin irgendeines Kollegen ist. Ge-

rade wenn man jung ist, muss man

sich etablieren.

Segura Carrasco: Spätestens mit der

ersten Vorstellungsrunde ist klar,

wofür man zuständig ist. And-

rea hat recht, in den ersten Jahren

schauen die Kollegen: Was macht

diese Frau hier?

focus: Was ist Ihrer Meinung nach

heute immer noch das größte Hin-

dernis für Frauen, erfolgreich zu

sein? Oder definieren Frauen Er-

folg auch anders als Männer?

Segura Carrasco: Ich denke,wenn je-

mand in seine Arbeit geht und glück-

lich ist, ist das Erfolg – egal, ob es

sich dabei um eine Frau oder einen

Mann handelt. Und was das Karri-

eremachen betrifft: Es ist schwierig

für Frauen, ein gewinnbringendes

Netzwerk und eine gute Mentorin

zu haben, denn es gibt nicht so viele

Frauen in höheren Positionen. Da-

her sind weibliche Netzwerke leider

meist nicht so einflussreich wie jene

von männlichen Kollegen – und ge-

nau da braucht man jemanden, der

einen unterstützt.

focus: Warum braucht es aus Ihrer

Sicht mehr Frauen in der Techno-

logiebranche?

Leitner: Es ist extrem wichtig, dass

Frauen sich bei Innovations- oder

Engineering-Temen einbringen,

weil sie andere Aspekte transportie-

ren, teilweise anders denken. Damit

entsteht viel Kreativität und das ist

eine starke Bereicherung.

focus: Gibt es einen Ratschlag, den

Sie sich zu Beginn Ihrer Karriere

gewünscht hätten?

Segura Carrasco: Am Anfang mei-

ner Karriere hätte ich vor allem

Bestärkung gebraucht: „Glaub‘ an

Dich! Trau Dich!“ Es ist wichtig,

dass dich jemand unterstützt, der

an dich glaubt.

Leitner: „Trau dich, Fragen zu stel-

len“, ist das, was mir dazu einfällt.

In meinen Anfängen hatte ich oft

mit eloquenten Kollegen zu tun,

und ich habe mir gedacht, das klingt

zwar richtig, ergibt aber keinen Sinn

für mich. Damals habe ich nicht ge-

wagt, Fragen zu stellen: Okay, wieso

ist es so? Oder: Wie kannst du das

argumentieren? Es hätte geholfen,

wenn mich jemand darin bestärkt

hätte, den Mut zu haben, meine Ge-

danken zu äußern. ���������������������������������������������������������������������������������������������

I N T E R V I E W

M A R I A S E G U R A C A R R A S C O studierte in Spanien

Mechanical Engineering mit einem Schwerpunkt in Verbrennungskraftmaschinen.

Danach absolvierte sie ein Masterstudium in erneuerbaren Energien. Sie startete

vor mehr als 22 Jahren als Development Engineer bei AVL, leitete das Team der

Kraftstoffeinspritzsysteme und ist seit 2020 Produkt Managerin und Key Account

Managerin für High Power Systems. Dort kümmert sie sich nicht nur ums Business

Development, sondern auch um Marktevaluierung und F&E-Planung in dem Bereich.

A N D R E A L E I T N E R studierte an der Technischen

Universität Graz. Nach ihrem Doktorat in Information and Communi-

cation Engineering startete sie vor neun Jahren in der Research-

Abteilung von The Virtual Vehicle Competence Center und wechselte

kurz darauf als Projektleiterin und Research Engineer zu AVL. Seit

Mai 2022 ist sie Head of Development ADAS/AD Testing Solutions,

wo es im Wesentlichen um Testsysteme für die Sicherheit rund ums

autonome Fahren geht.

Wie man das Tech-Interesse bereits bei

jungen Mädchen weckt, sich als Expertin

in Männerrunden durchsetzt und warum

es wichtig ist, dass Frauen bei Innovationen

und im Engineering-Bereich mitmischen,

beleuchten die AVL-Managerinnen, Maria

Segura Carrasco und Andrea Leitner.

focus: Welcher Moment hat Sie in Ihrer

Karriere am meisten geprägt? Worauf sind

Sie stolz?

Segura Carrasco: Als ich bei AVL mein erstes

Projekt als Projektleiterin durchführte und

beim Abschluss gesehen habe, wie zufrie-

den der Kunde war – das war ein richtiger

Wendepunkt in meiner Karriere. Später war

ich für das Team der Einspritzsysteme ver-

antwortlich; auch dort fand ich die Zusam-

menarbeit mit dem technischen Team sehr

gut. Seit 2019 bin ich Produkt Managerin

für High Power Systems - eine anspruchs-

volle, aber wunderbare Aufgabe.

Leitner: Als ich in der Forschungsabteilung

der AVL tätig war, von AVL koordiniertes,

europäisches Forschungsprojekt, bei dem

es um das Tema Absicherung und Testen

von automatisierten Fahrfunktionen ging.

Mein Chef hat mich gefragt, ob ich die Ge-

samtprojektkoordination übernehmen wür-

de. Zuerst habe ich überlegt, weil ich das

Tema zu wenig kannte. Außerdem war ich

Innovation mit

Frauenpower

sehr jung und hatte noch nie zuvor

ein Forschungsprojekt geleitet. Dann

dachte ich: Ich probiere es! Ich muss-

te 70 Partner aus höchst unterschied-

lichen Bereichen koordinieren und

wurde häufig zu Konferenzen einge-

laden, um das Projekt vorzustellen.

Am Ende war es ein toller Erfolg.

focus: Was müsste getan werden,

um mehr Mädchen für eine Tech-

Karriere zu ermutigen?

Segura Carrasco: Wir müssten früh,

im Kindergarten oder in der Volks-

Die Bedeutung und der Wert einer größeren Diversität

in der Tech-Industrie ist ein bekanntes Thema, dennoch

sind Frauen in technikorientierten Positionen immer

noch unterrepräsentiert.

Ingenieurinnen sind im

Rennsport unterrepräsentiert.

Um das zu ändern und mehr Frauen für Motorsport zu begeistern,

hat AVL RACETECH das „Female Engineer Program“ für AVL Mit-

arbeiterinnen ins Leben gerufen. Die Initiative bringt Ingenieurin-

nen von AVL auf die Pole Position für eine Karriere im Motorsport.

Das Programm vereint zwei Kernanliegen von AVL RACETECH: Nach-

wuchsförderung und Diversität. Die Förderung weiblicher Rennfahrerinnen

treibt AVL RACETECH bereits durch sein Ambassador-Programm voran:

Mit Tatiana Calderón und den „Dakar Sistaz“, Aliyyah und Yasmeen Koloc,

sind hier drei starke Frauen mit Unterstützung von AVL RACETECH im

internationalen Motorsport vertreten. Dabei ist Tatiana eine der erfahrensten

Frauen im Motorsport und war in der 2022 Saison in der Formel 2 unter-

wegs - der zweithöchsten Klasse nach der Formel 1. Darüber hinaus unter-

stützt die Motorsportabteilung von AVL schon seit Jahren den internationalen

Ingenieurwettbewerb Formula Student mit Softwarelizenzen und -support.

Mit dem „Female Engineer Program“ erhalten nun gezielt Ingenieurinnen

eine spannende Fortbildungsmöglichkeit innerhalb des AVL-Konzerns. Von

der Arbeit in verschiedenen Motorsportbereichen bis hin zu Erfahrungen auf

der Rennstrecke werden die Teilnehmerinnen innerhalb eines Jahres tiefe Ein-

blicke in die Welt des professionellen Motorsports erhalten. In praxisbezo-

genen Workshops zu den relevanten Temen Race Engineering, Simulatio-

nen, Prüfstandsarbeit und Driving Simulator sammeln die Technikerinnen

relevante Expertise für die Arbeit im Motorsport. Die Ingenieurinnen wer-

den dabei die Möglichkeit bekommen bei Rennteams zu arbeiten, mit de-

nen AVL RACETECH Kooperationen unterhält. Im Gegenzug bietet AVL

RACETECH den weiblichen Technikerinnen des jeweiligen Teams an, die

Motorsport-Kompetenzen von AVL kennenzulernen. Der Startschuss für

das Programm fällt im ersten Quartal 2023. Zunächst stehen maximal zwei

Plätze für AVL-Ingenieurinnen zur Verfügung. Je nach Erfolg soll das Pro-

gramm in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden.

Ellen Lohr, Director Motorsport AVL: „Die Zeit ist reif für ein solches Pro-

gramm. Motorsport ist zwar schon lange keine reine Männerdomäne mehr,

es braucht jedoch mehr weibliche Vorbilder. Je mehr Ingenieurinnen im

Rennsport eine sichtbare Rolle spielen, desto mehr Frauen werden sich da-

mit identifizieren, was sich sicher positiv auf den Sport und auch die AVL

auswirken wird.“ �����������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������

AVL RACETECH

Botschafterin

Tatiana Calderón

Fotos: © Dutch Photo Agency

AVL RACETECH setzt auf weib-

liche Talente im Motorsport

Startschuss für Female

Engineer Program

einblicke ins unternehmen

1 0

Marie-Alice Lahaye

Ingenieurin

Tatiana Calderón

AVL RACETECH Markenbotschafterin

AVL RACETECH

FEMALE ENGINEER PROGRAM

www.avlracetech.com

Ingenieurinnen sind im Motorsport immer noch unterrepräsentiert. Um das zu ändern

und mehr Frauen für den Motorsport zu begeistern, hat AVL RACETECH ein eigenes

Programm ins Leben gerufen.

Im Rahmen des “Female Engineer Program” erhalten die ausgewählten AVL

Mitarbeiterinnen die Möglichkeit auf eine Job-Rotation bei AVL RACETECH. Das

Programm umfasst die Mitarbeit in verschiedenen Motorsport-Bereichen und

Abteilungen, themenspezifische Workshops bis hin zu Erfahrungen direkt an der

Rennstrecke in Zusammenarbeit mit den Partner-Teams von AVL RACETECH. Unser

Ziel ist es, Ingenieurinnen auf dem Weg zum Motorsport zu unterstützen.

einblicke ins unternehmen

einblicke ins unternehmen

1 3

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N O . 1 2 0 2 3

Die Vision, unsere weltweiten

Aktivitäten CO2-neutral zu

gestalten, beginnt mit unserem

österreichischen Hauptsitz.

WIR TREIBEN ENERGIEEFFIZIENZ

UND UMWELTSCHUTZ

VORAN

Der Klimawandel und die Auswirkungen auf die Umwelt sind und blei-

ben die größten Treiber für Veränderungen in der Automobilindustrie. Bei

AVL nehmen wir dieses Tema sehr ernst und arbeiten gemeinsam mit un-

seren Partnern und Kunden an einer klimaneutralen Mobilität. Wir haben

uns schon immer für dieses Tema engagiert und ergreifen Maßnahmen,

um unsere eigenen Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren – ange-

fangen bei unserem Hauptsitz in Graz, Österreich.

GLOBALER WEG IN EINE GRÜNERE UND NACHHALTIGERE ZUKUNFT

Die Klimaneutralität von AVL ist keine Einzelmaßnahme, sondern eine Rei-

he übergreifender Aktivitäten zur stetigen Optimierung und Überwachung

unseres CO2-Fußabdrucks. Unsere MitarbeiterInnen sind die Changemaker,

Innovatoren und Pioniere in Richtung Nachhaltigkeit – nicht nur bei ihrer

Arbeit, sondern zum Beispiel auch auf ihrem Weg dorthin. Als Unterneh-

men ermutigen wir unsere MitarbeiterInnen, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu

fahren, und subventionieren die verstärkte Nutzung öffentlicher Verkehrs-

mittel. Außerdem ist mehr als die Hälfte unseres Fuhrparks entweder elek-

trisch oder hybrid. Diesen laden wir vor Ort mit erneuerbarem Strom auf

und nutzen unterwegs das zu 100 % erneuerbare Shell Recharge-Netzwerk.

In Graz nutzen wir bereits 100 % erneuerbaren Strom und speisen die

Wärme aus unserer eigenen, mehr als 3.300 m² großen solarthermischen

Anlage in unser internes Wärmenetz ein. Die Anlage besitzt eine Energie-

erzeugungsleistung von 2.424 kW und verfügt über eine Kälteleistung von

650 kW, die über eine Absorptionskältemaschine die hohen Temperatu-

ren des Sommers zur Prozesskühlung nutzt. Damit ist sie eine der größ-

ten Prozesskälteanlagen Europas. Die in Zusammenarbeit mit SOLID So-

lar Energy Systems und solar.nahwaerme.at errichtete Anlage kann jährlich

320 Tonnen CO2 einsparen und ist ein praktisches Beispiel dafür, wie jede

Branche CO2-Emissionen reduzieren kann. Darüber hinaus haben wir ei-

ne Infrastruktur zur Abwärmenut-

zung installiert, die unser internes

Heizsystem versorgt.

DIE EINHALTUNG UNSERER

UMWELTZIELE SICHERSTELLEN

Die Basis für unser nachhaltiges

Handeln ist das ISO 14001-Zertifi-

kat, welches die AVL in Graz bereits

seit 2002 führt und wir weltweit auf

alle Standorte ausdehnen wollen.

Darüber hinaus sind wir seit Jahr-

zehnten Teil der ÖKOPROFIT®-

Initiative der Stadt Graz, die den

Erhalt natürlicher Ressourcen und

die Reduzierung von Abfällen und

Emissionen zum Ziel hat.

AVL-Geschäftsführer Jens Poggenburg wurde zum

neuen Vertreter der Automobilzulieferer in den Vorstand

des prostep ivip Vereins gewählt. Der Verein bringt Mit-

glieder aus verschiedenen Branchen zusammen, um die

großen Temen der Digitalisierung anzupacken.

Gegründet 1993 mit Fokus auf die STEP-Datenformate,

im Laufe der Zeit erweitert auf die integrierte virtuelle Produktentwicklung, rich-

tet sich der Verein nun strategisch auf die digitale Transformation aus.

„Da es eine große Schnittmenge in der Strategie von prostep ivip mit den mit-

tel- und langfristigen Zielen der AVL gibt, freue ich mich, als Vorstandsmitglied

des Vereins zu dessen zukünftigem Erfolg beizutragen“, erklärt Poggenburg. „Wir

stehen alle vor der gleichen Herausforderung: Wie können wir die reibungslose

Zusammenarbeit in unternehmensübergreifenden Netzwerken sicherstellen? Di-

gitalisierte Prozesse, klar definierte Schnittstellen, entsprechende Kompetenzen

und globales Zusammenspiel sind wesentliche Erfolgsfaktoren, die ich gerne vo-

rantreiben möchte. Ich bin sehr zuversichtlich, für die Mitglieder des Vereins re-

levante Impulse setzen zu können.“

AVL ist seit 2008 aktives Mitglied des Vereins. ������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������

Vorreiter in der

digitalen Transformation

M E H R I N F O U N T E R : www.prostep.org

AVLs Jens Poggenburg

tritt einem einflussreichen

Branchengremium bei, um

die Zukunft der Digitalisie-

rung zu gestalten

Schon jetzt verfügen wir über ein

globales Energie- und CO2-Mess-

und Überwachungssystem. Zu

diesem Zweck haben wir unser ei-

genes internes Energiemonitoring-

Tool entwickelt, das den Energie-

verbrauch und die CO2-Emissionen

von AVL weltweit erfasst, um die

effektivsten Maßnahmen zur Errei-

chung unserer Umweltziele unter

Berücksichtigung der lokalen Be-

dingungen ermitteln zu können.

Gemeinsam arbeiten wir an unse-

rer Vision der Kohlenstoffneutra-

lität im gesamten Unternehmen –

und schaffen so eine nachhaltigere

Welt für zukünftige Generationen.

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Der erweiterte Vorstand des Vereins prostep ivip mit Jens Poggenburg, zweiter von rechts.

© prostep ivip Association

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Technologien, darunter Innovationen wie radselektiver

Drehmomentensteuerung für elektrische Allradsysteme

und deren Fahrdynamikregelung, sind wir in der Lage,

eine Roadmap für verschiedene Fahrerlebnisse zu erstel-

len. Diese werden zuerst funktional definiert, dann ent-

wickelt, kalibriert und gesamtheitlich bewertet, um den

Anforderungen der Fahrzeughersteller und der Endver-

braucher gleichermaßen gerecht zu werden.

Die dafür notwendigen KPIs definieren wir mit Hilfe un-

seres Wissens hinsichtlich Markttrends, Systemleistung

und Technologie. So unterstützen wir unsere Kunden bei

der Erstellung eines funktionalen Fahrzeugentwicklungs-

ansatzes, zur Realisierung von Produkten, die in ihren

Marktsegmenten mit spezifischen Leistungszielen erfolg-

reich sind. Dies ist besonders wichtig bei der Entwick-

lung neuer elektrifizierter Fahrzeuge, deren Geometrie und

Fahrverhalten stark von Systemen wie der Batterie und ih-

rem Einfluss auf den Fahrzeugschwerpunkt und die Ae-

rodynamik abhängig ist. Auch die verwendeten E-Achsen

und E-Motoren beeinflussen die Fahrdynamik und den

Fahrkomfort. All dies wiederum hat Auswirkungen auf

die Entwicklungsmethoden, den Zeitplan und die Kosten.

Dank unserer Erfahrung können wir Ihnen helfen, all diese

unterschiedlichen Faktoren zu erfassen und zu optimieren.

MIT SIMULATION ZUM ERFOLG

Eine der wichtigsten Säulen bei AVL ist unser Simulati-

ons-Know-how. Die verschiedenen Software-Tools in un-

serem Portfolio ermöglichen es, ein Fahrzeug – von einzel-

nen Komponenten und Systemen bis hin zum gesamten

Produkt – vollständig virtuell aufzubauen. Mit Tools wie

AVL-DRIVE™ und Daten aus unserem Benchmarking-

Programm bewerten und modellieren wir die Leistungs-

merkmale verschiedener Systeme im Verhältnis zueinan-

der. Auf diese Weise können wir bereits zu Beginn der

Entwicklung sicherstellen, dass ein Fahrzeug

seine Fahrbarkeitsziele erfüllt.

Weitere Produkte in unserem Soft-

ware-Toolkit sind AVL VSM™

für die Simulation und AVL

CAMEO™ für die Kalibrierung,

die einen echten Mehrwert bei

der Konzeption und Entwicklung

von Fahrzeugen mit besonderen Be-

nutzererfahrungen bieten.

Letztendlich geht es darum, ein Fahrerlebnis

zu schaffen, das in einem bestimmten Marktsegment

wettbewerbsfähig ist. Die zunehmende Komplexität der

Fahrzeuge und deren Systeme erfordert effiziente, funk-

tionale Entwicklungsmethoden, Know-how und Exper-

tise – AVL unterstützt Sie dabei, die Mobilität von mor-

gen zu gestalten. ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������

FAHR-

ERLEBNISSE

AKTIV

GESTALTEN

Die Marktposition eines Fahrzeugs und das Fahrerlebnis werden durch

konkrete Fahreigenschaften beeinflusst. So spielen z. B. Fahrwerkseigen-

schaften, Brems- und Traktionskontrolle sowie Komfortmerkmale eine we-

sentliche Rolle für das Fahrgefühl, welche selbst vom Verhalten unterschied-

licher Systeme, Funktionen und Parameter beeinflusst werden.

Generell wird das Fahrzeug immer komplexer, da die Automobilindustrie

auf Kundenwünsche nach erweiterten Funktionen reagiert, wie elektrifi-

zierte Antriebsstränge, ADAS und automatisiertes Fahren. Dies führt dazu,

dass immer mehr Systeme – sowohl physisch als auch softwaretechnisch

– das Fahrerlebnis beeinflussen und einen intelligenten Designansatz auf

System- und Gesamtfahrzeugebene erfordern.

Um diese Komplexität zu bewältigen, verwenden wir bei AVL einen system-

technischen Ansatz, genannt Systems Engineering. Bei diesem wird jedes

System in Relation zum Gesamtfahrzeug betrachtet, um das Fahrerlebnis für

den Endnutzer zu optimieren. So entsteht ein Endprodukt, das die Erwar-

tungen der Nutzer in dem jeweiligen Marktsegment erfüllt und gleichzeitig

die Markenidentität des Herstellers stärkt sowie dessen Zielen entspricht.

MIT BENCHMARKING ZIELE

SETZEN

Um die gewünschte Ausprägung

des Fahrerlebnisses zu entwickeln,

ist ein tiefes Verständnis der inter-

agierenden Systeme und des Fahr-

zeugs selbst erforderlich. Dank un-

seres AVL Global Benchmarking

Programms können wir die Leis-

tungs- und Systemeigenschaften

von Fahrzeugen auf dem gesamten

Markt analysieren – mit besonde-

rem Augenmerk auf das Premium-

Segment, das oft den Standard für

andere Marktsegmente setzt.

Durch die Untersuchung hunder-

ter verschiedener Merkmale und

Mit unserer Expertise in der funkti-

onalen Fahrzeugentwicklung und un-

serem vielfältigen Portfolio an Tools

und Dienstleistungen können wir

Ihnen helfen, das ideale Fahrerlebnis

in Ihrem Zielmarkt zu schafen

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Vorausschauende Planung

für zukünftige

Emissions-

gesetzgebungen

Durch kontinuierliche Verbesserungen der Verbren-

nungsmotoren, die durch immer strengere Abgasvorschrif-

ten vorangetrieben werden, konnte die Belastung durch

Feinstaub bereits deutlich reduziert werden. Heute stammt

der Großteil der Feinstaubemissionen bei Fahrzeugen nicht

mehr aus Abgasen, sondern aus anderen Quellen wie Rei-

fen-, Straßen- und Bremsabrieb. Vor allem der Bremsabrieb

bietet das größte Potenzial für eine Reduzierung.

Im Rahmen des Partikelmessprogramms (PMP) der Ar-

beitsgruppe der Vereinten Nationen für Verschmutzung

und Energie (United Nations Working Group on Pollu-

tion and Energy, UN-GRPE) wurde eine Methodik ent-

wickelt, die das Verfahren und die Kriterien für die Mes-

sung von Bremsstaubpartikeln beschreibt und festlegt,

welche Messgrößen verwendet werden sollten. Diese Me-

thodik, auch bekannt als Globale Technische Regelung

der Vereinten Nationen (UN-GTR), wird die Grundlage

Im Bereich der

Bremsen-Partikel-

messsysteme

ist AVL weltweit

führend

für künftige Rechtsvorschriften bil-

den. Hersteller von Fahrzeugen und

Bremskomponenten müssen diese

zusätzlich zu den bereits bestehen-

den Anforderungen an die Brem-

senentwicklung, wie Bremsleistung,

Geräuschentwicklung und Fahrsta-

bilität, erfüllen. Um dies zu gewähr-

leisten, werden geeignete Prüflösun-

gen benötigt.

AVL EXPERTISE SETZT

STANDARD

Als Branchenführer war AVL an

der Erarbeitung dieser UN-GTR

beteiligt und entwickelte eine ei-

gene Lösung - AVL Brake Emissi-

on Test Systems - die durch umfas-

sende Optimierung der gesamten

Messkette wiederholbare und ver-

gleichbare Messergebnisse liefert.

Diese umfasst aktive Belastungsma-

schinen ohne Schwungmassenspei-

cher, Luftaufbereitungssysteme und

die Einhausung der zu messenden

Bremssysteme. Dazu gehören auch

geeignete Probenahmesysteme mit

entsprechenden Probenahmeson-

den, Messgeräte zur Partikelmasse-,

Partikelanzahl- und Durchflussmes-

sung bis hin zur Prüflaufautomati-

sierung und Auswertung. All dies

entspricht den Anforderungen des

GTR. Durch die modulare Bauwei-

se und die in sich geschlossenen Teil-

systeme kann es genau auf Ihre An-

forderungen zugeschnitten werden.

FUNDIERTES KNOW-HOW FÜR

PRÄZISE ERGEBNISSE

Die Erfolgsbasis unserer Lösung ist

ein fundiertes Verständnis des phy-

sikalischen Verhaltens der während

des Bremsvorgangs entstehenden

Partikel. Zusätzlich zur Kühlung

des Bremssystems ist das Prüfge-

häuse so konzipiert, dass die beim

Bremsen entstehenden Emissionen

möglichst vollständig und ohne

größere Partikelverluste abgeleitet

werden. Die Zuleitungen der Mess-

geräte sind auf minimale Partikel-

verluste ausgelegt und unterstützen

einen effizienten Prüfstandsbetrieb.

Hauptkomponenten

des AVL Systems zur

Messung von Brems-

abriebpartikeln.

Das iGEM 2 Testautomatisierungssystem führt Sie durch den

gesamten Ablauf des Bremsentests, einschließlich Pre-Test

Dialog, Testvorbereitung und Testdurchführung. Der Testlauf

wird automatisch im unbemannten Modus durchgeführt.

Weiters wird das Test System mit

präziser AVL Durchflussmesstech-

nik sowie Luftkonditioniergeräten

und entsprechenden Filtertechni-

ken ausgestattet.

Unsere langjährige Erfahrung in

der Entwicklung und Produktion

von Partikelmessgeräten ermöglicht

es uns, nicht nur die Entwicklung

moderner elektrifizierter Fahrzeuge

zu unterstützen, sondern auch von

Fahrzeugen mit konventionellem

Verbrennungsmotor. Bremssysteme

in modernen, elektrifizierten An-

triebssträngen müssen aufgrund ih-

rer Schnittstellen und Wechselwir-

kungen mit dem Fahrzeug als Ganzes

betrachtet werden. Im Mittelpunkt

steht dabei die Rückgewinnung der

Bremsenergie durch geeignete Reku-

perationsstrategien. Um die Betriebs-

strategie des Fahrzeugs im Hinblick

auf ein optimiertes Emissionsver-

halten bewerten zu können, ist der

Einsatz von geeigneten Simulations-

werkzeugen erforderlich. Bei diesen

Tools zur Fahrzeugsimulation auf

dem Prüfstand kann AVL auf einen

langjährigen Erfahrungsschatz und

ausgereifte Funktionalitäten zurück-

greifen, mit denen die aktuellen An-

forderungen in der Entwicklung ab-

gedeckt werden können.

Darüber hinaus haben wir eine Lö-

sung entwickelt, um Ihre vorhan-

dene Prüfstandsinfrastruktur für

Bremsemissionstests umzurüsten.

Auf diese Weise können Sie die

Nutzung bestehender Prüfstände

mit minimalen Investitionen um

diesen Use Case erweitern. Für die

Bremsemissionstests kommt un-

ser bewährtes Automatisierungssys-

tem AVL iGEM 2™ zum Einsatz,

das speziell für diesen Anwendungs-

fall optimiert wurde. Damit können

gesetzlich vorgeschriebene Prüfun-

gen und – mit einfachen Modifi-

kationen – auch kundenspezifische

Entwicklungsaufgaben durchge-

führt werden. Die zugehörige Test-

auswertung und das automatische

Testreporting runden das schlanke,

kostenoptimierte Paket ab.

In Anlehnung an die Abgasgesetz-

gebung ist davon auszugehen, dass

die Bremsemissionen mittelfris-

tig nicht nur auf Basis von Kom-

ponententests auf dem Prüfstand,

sondern auch im realen Fahrbetrieb

untersucht werden. Auch hier ma-

chen wir bereits erste Entwicklungs-

schritte und werden auf unseren

Erfolgen bei der Abgasminderung

aufbauen. 

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Analyse der EMV-Ergeb-

nisse unter realen Fahr-

bedingungen mit einer

erweiterten Software

Schnittstelle zwischen

AVL PUMA 2™ und R&S®

ELEKTRA EMC TEST

Software (rechts). Nach-

bearbeitung der Daten

in AVL CONCERTO™.

AVL ROADSIM EMC™

AVL E-Axle TS™ EMC – fixed

AVL E-Motor TS™ EMC - fixed (links) und mobile (rechts)

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Fahrzeugtypen unterstützt, vom Pkw bis zum Lkw. Er erfüllt die wich-

tigsten internationalen Vorschriften (CISPR 12 und 25, ISO 11452, GBT

18387-2008 und ECE-R10).

ANALYSE DER EMV-ERGEBNISSE UNTER REALEN

FAHRBEDINGUNGEN

Das Verhalten von Komponenten, wie z.B. dem E-Antrieb, variiert in Ab-

hängigkeit des jeweiligen Betriebszustandes, was den Prüfer dazu zwingt,

auf stationäre Messungen unter realen Fahrbedingungen auszuweichen.

Zudem liefern EMV-Messungen mit festen Betriebspunkten, wie bei her-

kömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, andere Einflüsse als im

elektrifizierten Fahrzeug.

Auch die Komplexität der Prüfumgebung stellt eine Herausforderung dar.

Jede Komponente – sprich Prüfling, Lastsimulation, Konditionierungs-

systeme sowie EMV-Messhardware und -kammer – verfügen über separa-

te Automatisierungs- und/oder Steuersysteme, die für eine Messung ihrer

gegenseitigen Abhängigkeit miteinander verbunden werden müssen. Zu

diesem Zweck wurde in Zusammenarbeit mit Rohde & Schwarz, einem

Anbieter von Mess- und Prüfsystemen, eine exklusive Lösung für die au-

tomatisierte EMV-Datenanalyse entwickelt. Das System wird unter realen

Betriebsbedingungen eines Elektrofahrzeugs bzw. der Komponenten einge-

setzt. Das AVL PUMA 2™-Automatisierungssystem steuert den Testzyklus

und speichert die gemessenen Daten synchron mit der R&S®ELEKTRA-

Testsoftware, die Informationen zwischen dem Prüfstand und den EMV-

Messgeräten übermittelt.

Wie Sie die elektromagnetische Verträglichkeit in Antriebssystemen,

Fahrzeugsteuergeräten und ADAS-Systemen sicherstellen

AVL Testsysteme für

Elektromagnetische

Verträglichkeit (EMV)

EMV-E-MOTOR-PRÜFSYSTEME

Der AVL E-Motor TS™ EMC -

fixed liefert höchste Leistung bei

optimalen EMV-Eigenschaften. So

müssen unsere Kunden keine Kom-

promisse zwischen der mechani-

schen und der EMV-Leistung der

Prüfanlage eingehen.

Die AVL E-Motor TS™ EMC - mo-

bile Lösung führt Hochgeschwin-

digkeits-EMV-Tests unter Last in

bestehenden EMV-Kammern ohne

aufwendige Modifikationen durch.

Das mobile System lässt sich außer-

halb der Kammer vollständig in Be-

trieb nehmen und in die Kammer

transportieren, was zu einer erhöh-

ten Prüfstandseffizienz führt.

EMV-E-ACHSE PRÜFSYSTEME

Der AVL E-Axle TS™ EMC ist ei-

ne Erweiterung des stationären

E-Motor-EMV-Prüfsystems. Die-

se skalierbare Lösung kann auf al-

le Leistungsklassen des AVL Prüf-

standsportfolios erweitert werden

und erreicht bis zu 5.000 Nm und

3.500 U/min.

EMV-FAHRZEUG-PRÜFSYSTEME

Der AVL ROADSIM EMC™, der

sowohl in Absorberräume als auch

in geschirmte EMV-Kammern inte-

griert werden kann, ist ein Rollen-

prüfstand, der EMV-Tests für alle

AVL CONCERTO™ verarbeitet

die gemessenen Daten automa-

tisch nach und liefert einen voll-

ständigen Prüfbericht nach vorde-

finierten Prüfkriterien. Das System

unterstützt automatisierte Tests mit

der Simulation von realen Fahrbe-

dingungen und deckt dabei typi-

sche Automobilstandards ab.

Das bietet u.a. folgende Vorteile:

• Vollständige EMV-Ergebnisse un-

ter realen Fahrbedingungen

• Geringere Komplexität des EMV-

Messverfahrens für Komponenten

und Fahrzeuge

• Alle Testspezifikationen und Un-

tersuchungen können in Abhän-

gigkeit von den verschiedenen

Prüflingen und EMV-Parametern

durchgeführt werden

• Synchronisation von EMV-Mes-

sung und Prüflings-Betriebsdaten,

die die Abhängigkeit von Betriebs-

zustand und EMV-Daten sowie

das Verhalten von EMV-Parame-

tern in Abhängigkeit der Betriebs-

variablen des Prüflings zeigt

• Wiederholbare und definierbare

Prüfabläufe ermöglichen schnel-

le Vergleiche zwischen Prüfzyklen

und deren Visualisierungen

• Individuelle Überprüfungskrite-

rien können für beliebige Kanäle

definiert werden. Abweichungen

und Überschreitungen der Tole-

ranzgrenzen werden automatisch

ausgewertet

Bei unseren EMV-Prüflösungen

steht der Prüfling im Mittelpunkt

jeder EMV-Messung. Gleichzeitig

reduzieren sie die Komplexität des

Testaufbaus, um einen sicheren,

präzisen und möglichst zeitsparen-

den Test zu gewährleisten. So kön-

nen wir unsere Kunden bei ihrer e-

Mission unterstützen. �������������������������������������������������������������������������

Die Anzahl der elektrischen und elektronischen (EE) Subsysteme, die

in das Fahrzeug integriert werden, steigt kontinuierlich. Eine der größten

Hürden, die die Automobilindustrie dabei überwinden muss, ist der rei-

bungslose Einsatz eines leistungsstarken Elektroantriebs in verschiedenen

Situationen und in unmittelbarer Nähe zu empfindlichen Kommunikati-

onssystemen. EMV-Messungen sollten daher bereits in einer frühen Ent-

wicklungsphase berücksichtigt werden. Deshalb haben wir bei AVL unser

Portfolio an EMV-Testsystemen kontinuierlich erweitert, von der Kompo-

nentenebene bis hin zum Gesamtfahrzeug – natürlich stets konform mit

aktuellen EMV-Standards. Zu den drei wichtigsten Testbereichen zählen

dabei E-Motor, E-Achse und Fahrzeug.

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