funktionale sicherheit und cybersecurity
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Die unsichtbare
Gefahr bekämpfen
Es ist ein Albtraum für Fahrer
und Autohersteller zugleich: Ein
Fahrzeug wird während der Fahrt
gehackt und verliert die Kontrol-
le über Lenkung, Bremsen oder
Beschleunigung an jemanden, der
meilenweit vom Ort des Gesche-
hens entfernt ist. Selbst wenn der
Albtraum durch Bezahlung einer
Summe an den erpresserischen Ha-
cker gestoppt werden kann, bleibt
der Schaden bestehen. „Cyber-Atta-
cken sind häufiger als wir denken“,
weiß Dirk Geyer, Head of Segment
Safety and Security bei AVL Soft-
ware and Functions.
Dies ist eine logische Folge der hö-
heren Softwarekomplexität und der
zunehmenden Vernetzung: Früher
weitgehend unabhängige elektronische Bereiche wie Infotainment, ADAS
und Antriebsstrang sind heute innerhalb des Fahrzeugs miteinander ver-
netzt und kommunizieren mit IT-Systemen außerhalb des Autos. Diese
enorme Zunahme der Komplexität dezentraler Funktionalitäten schafft
neue Sicherheitsrisiken. Schätzungen zufolge wird es bis zum Jahr 2025
weltweit mehr als 400 Millionen vernetzte Fahrzeuge auf den Straßen ge-
ben. Die meisten von ihnen werden mit Fahrzeugtechnologien der nächs-
ten Generation wie kooperativem automatisierten Fahren (AD), biometri-
schen Systemen für die Zentralverriegelung usw. ausgestattet sein. Die mehr
als 100 Millionen Codezeilen werden eine Schar von Hackern anziehen.
Der übliche Anwendungsfall ist Diebstahl: Die Täter versuchen nicht nur,
Autos zu entriegeln, sondern aktivieren auch eingebettete Softwarefunkti-
onen zum Beispiel den Regensensor für das Schiebedach. Die Folge ist ein
finanzieller Schaden für den Verbraucher und/oder den Hersteller. Auch der
Missbrauch vertraulicher Daten und die Manipulation von ADAS-Funk-
tionen stellen eine Gefahr dar. Da die Anfälligkeit typischerweise mit der
Anzahl an Funktionen und Schnittstellen in einem Auto zunimmt, besteht
ein hohes Risiko, dass sie zum Ziel größerer Angriffe z. B. durch terroris-
tische Gruppen werden.