AVL Focus - Ausgabe 2023

THE AVL MOBILITY TREND MAGAZINE - Nr. 1 2023

wasserstoff und brennstoffzelle

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N O . 1 2 0 2 3

I N T E R V I E W

mit Jorgo

Chatzimarkakis,

CEO Hydrogen

Europe

focus: Welche Rolle wird Was-

serstoff bei den europäischen Net-

to-Null-Emissionszielen für 2050

spielen und wo sehen Sie das größ-

te Potenzial?

Chatzimarkakis: Wasserstoff aus er-

neuerbaren und kohlenstoffarmen

Quellen ist auf gutem Weg, eine

wichtige Rolle bei der Erreichung

der europäischen Netto-Null-Emis-

sionsziele für 2050 zu spielen. Der

REPowerEU-Plan beabsichtigt,

bis 2030 10 Mio. t grünen Was-

serstoff selbst zu produzieren so-

wie 10 Mio. t grünen Wasserstoff

zu importieren. Dadurch wird die

Energieversorgung Europas gesi-

chert und diversifiziert, indem fossi-

le Brennstoffe und seltene Rohstoffe

ersetzt werden. Haupteinsatzgebie-

te sind der Energiesektor, die De-

karbonisierung von Industriezwei-

gen wie Stahl und Zement sowie

der Schwerlastverkehr auf Straße,

Schiene, zu Wasser und in der Luft.

Und es gibt noch weitere Möglich-

keiten, wie Wasserstoff zu einer

Netto-Nullbilanz beitragen kann.

focus: Wie sehen Sie die aktuellen

und zukünftigen Entwicklungen

auf dem Wasserstoffmarkt und wel-

che Rolle spielt Hydrogen Europe?

Chatzimarkakis: Unsere Aufgabe be-

steht darin, politische Maßnahmen

und Initiativen zu fördern, die die

Entwicklung europäischer und glo-

baler Wasserstofftechnologien und

sauberer Wasserstoffmärkte stär-

ken sowie die Förderung von For-

schung, Entwicklung und Innova-

tion in der Wasserstofftechnologie

zu koordinieren.

Europa könnte der Geburtsort der

globalen Wasserstoffwirtschaft sein,

an dem Wasserstoff über Grenzen

und Meere hinweg über Pipelines

und Schiffe gehandelt wird. Die EU

ist weltweit führend in der Wasser-

stofftechnologie, und europäische

Unternehmen treiben die Innovati-

on voran. Wenn Europa jedoch an

der Spitze des globalen Wasserstoff-

sektors bleiben will, muss es han-

deln, um die Gesetzgebung zu finali-

sieren und den Investoren Sicherheit

zu geben. Proaktives und rechtzeiti-

ges Handeln wird uns einen Wettbe-

werbsvorteil gegenüber Ländern wie

China oder den USA verschaffen,

die im Rahmen ihres Inflation Re-

duction Act Anreizsysteme für Was-

serstoff eingeführt haben.

focus: Welchen Einfluss wird das

neue AVL Testzentrum auf die

Industrialisierung der Wasser-

stoff- und Brennstoffzellentech-

nologie haben?

Chatzimarkakis: Das neue Zentrum

ist eines der größten und moderns-

ten Testzentren für Brennstoffzellen

und Elektrolysesysteme weltweit.

Es kann zahlreiche Komponen-

ten entlang der Wasserstoff-Wert-

schöpfungskette testen und damit

der gesamten Branche dringend be-

nötigte Testkapazitäten zur Verfü-

gung stellen.  

• 600 m2 große Anlage mit einer Kapazität von

bis zu 20 Prüfständen

• Gesamtkapazität bis zu 2 MW

• Modernste Prüfstände für PEM-Systeme mit

einer Leistung von bis zu 400 kW

• System-, Subsystem- und Komponententests

für Festoxid-Brennstoffzellen (SOFC), Festoxid-

Elektrolysezellen (SOEC) und PEM-Elektrolyse

Center Platz für Tests von leichten, mittleren und schweren

Fahrzeuganwendungen sowie von Systemen zur stationären

Stromerzeugung. Die Anlage ist bereits jetzt für künftige

Anforderungen ausgelegt. Darüber hinaus verfügt die An-

lage über einen Kontroll- und Servicebereich mit automati-

sierten, ferngesteuerten Prüfständen. Diese laufen auf dem

AVL PUMA 2™-Automatisierungssystem und gewährleis-

ten genaue Tests, Sicherheit, Zuverlässigkeit und Wieder-

holbarkeit. Die Anlage deckt alle entwicklungsbezogenen

Testverfahren ab – von der Leistungscharakterisierung und

Modellvalidierung über Dauerhaltbarkeitsprüfungen bis

hin zu Regelungsoptimierungen mittels AVL CAMEO™.

ENGAGEMENT FÜR DIE ZUKUNFT

Mit diesem Zentrum setzen wir ein Zeichen für den Ein-

satz dieser neuen Technologien in vielen Sektoren, dar-

unter in der Schifffahrt, im Schienenverkehr, in der Luft-

fahrt, bei der stationären Stromerzeugung und bei der

effizienten Wasserstofferzeugung. Dank der umfangrei-

chen Wasserstoffinfrastruktur kann das Zentrum auch

für die Weiterentwicklung von Technologien zur Was-

serstoffversorgung genutzt werden. Das Projekt ist eines

der größten Bauvorhaben der jüngeren Unternehmens-

geschichte von AVL. Neben dem Zentrum in Graz un-

terhält AVL noch ein ebenfalls neu errichtetes Fuel Cell

Test Center in Kanada, ein weiteres Fuel Cell Test Cen-

ter in Ungarn ist gerade im Entstehen.  

Fakten zum AVL Hydrogen

and Fuel Cell Test Center

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