AVL Focus - Ausgabe 2023

THE AVL MOBILITY TREND MAGAZINE - Nr. 1 2023

titelgeschichte

focus: Welche Rolle spielen Wasserstoff und Brennstoffzellen im maritimen

Sektor? Welche Herausforderungen sehen Sie in diesem Zusammenhang?

Enger: Die internationale Schifffahrt ist ein wichtiger Hebel für den Welt-

handel, verursacht aber auch Treibhausgasemissionen und Verschmutzun-

gen. Die Branche sieht sich mit immer strengeren Umweltauflagen kon-

frontiert, weshalb dieser regulative Rahmen ein zentraler Faktor für die

Strategie von TECO 2030 ist. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisa-

tion (IMO) hat sich zum Ziel gesetzt, die Kohlenstoffintensität in der in-

ternationalen Schifffahrt bis 2030 um 40 % zu senken und die gesamten

jährlichen Treibhausgasemissionen des Sektors bis 2050 um mindestens

50 % im Vergleich zu 2008 zu reduzieren.

Obwohl der Aufbau eines entsprechenden Bunkernetzes einige Heraus-

forderungen mit sich bringt, bin ich zuversichtlich, dass es bis zur breiten

Einführung von Brennstoffzellen an Bord von Handelsschiffen auch Was-

serstofftankstellen geben wird. Aus diesem Grund haben sich große Un-

ternehmen verpflichtet, in den nächsten Jahrzehnten kohlenstoffneutral zu

werden – wobei viele weitere folgen werden.

focus: Können Sie uns etwas mehr über die TECO Brennstoffzelle für

maritime Anwendungen erzählen – und wie sie diese Herausforderun-

gen meistern kann?

Enger: Das erste 400 kW Brennstoffzellenmodul von TECO 2030 wird bald

fertig sein und danach umgehend auf den Prüfstand in der AVL-Zentrale

in Graz gehen. Wir sind gespannt, wie gut es sich in der Testumgebung

bewährt. Die speziell für die Schifffahrt ausgelegte Brennstoffzelle wurde in

Zusammenarbeit mit AVL als Design- und Simulationspartner entwickelt.

Mit Hilfe hochentwickelter, branchenführender Simulationssoftware ha-

ben wir reale Szenarien durchgespielt, um ein modulares und skalierbares

Design mit 400 kW als Grundbaustein zu entwickeln. Das macht sie zur

effizientesten Brennstoffzellenlösung auf dem Markt. In einem standard-

mäßigen 6-Meter-ISO-Container können wir 3,2 MW an Brennstoffzel-

len unterbringen. Das ist vor allem eine attraktive Option für Schiffseig-

ner, die trotz begrenzten Platzangebots eine emissionsfreie Lösung an Bord

nachrüsten möchten. Außerdem wollen wir die Produktion der Systeme

mit kosteneffizienten Produktionsanlagen von thyssenkrupp automatisie-

ren, um das Produktionsrisiko zu verringern. Dadurch können wir unsere

Kunden, die ihren gesamten Schwerlast-Fuhrpark aufrüsten wollen, kon-

tinuierlich mit Brennstoffzellen versorgen.

focus: Sind Sie nur in Norwegen ansässig oder wachsen Ihre Aktivitäten

im Bereich der Wasserstofftechnologie weltweit?

Enger: TECO 2030 hat seinen Hauptsitz in Lysaker, Norwegen, und eine

15.000 Quadratmeter große Produktionsstätte in Narvik, im Norden des

Landes. In Narvik werden wir in den kommenden Jahren die Brennstoff-

zellenproduktion automatisieren. Im Jahr 2024 wird unsere Brennstoffzel-

lenproduktion auf 120 MW, 2025 auf 400 MW und 2030 auf 1,6 GW an-

steigen. Unsere strategischen Vertriebsbüros befinden sich in Miami (USA)

und Singapur, während unser Vertriebsnetz die ganze Welt abdeckt, um

der global steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Von unserer Produk-

tionsstätte in Narvik aus werden wir die Welt mit führenden energieeffizi-

enten Brennstoffzellen für die Schifffahrt und für schwere Nutzfahrzeuge

versorgen. Unsere Projekte bedienen verschiedenste Segmente – von Lkw

über Schiffe und Fähren bis hin zu Baustellen – und eignen sich unter an-

derem für den Bergbau, für Rechenzentren, Züge und Notstromaggregate.

Tore Enger

CEO der TECO 2030 Gruppe

Tore Enger, gründete die TECO

Gruppe im Jahr 1994. Enger ist

durch und durch Unternehmer

und hat in den letzten 25 Jahren

eine Vielzahl von Produkten und

Dienstleistungen für die maritime

Industrie entwickelt. Er verfügt

über ein umfangreiches Netzwerk

in der Branche und spielt damit

eine zentrale Rolle für den Zugang

von TECO 2030 zu den Reedern.

Zudem war Enger ca. 10 Jahre

lang (2008 - 2017) Vorsitzender

und Hauptaktionär der Scanship

Holding ASA (jetzt Vow ASA), die

an der Osloer Börse notiert ist.

DAS RENNEN RICHTUNG

CO2-NEUTRALITÄT HAT

GERADE ERST

BEGONNEN...

DIE ZUKUNFT IST NICHT

MEHR WEIT ENTFERNT.“