AVL Focus - Ausgabe 2023

THE AVL MOBILITY TREND MAGAZINE - Nr. 1 2023

automatisierte und vernetzte mobilität

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DAS VERFAHREN ZUR KALIBRIERUNG DER

GROUND TRUTH-SENSOREN

Zur Kalibrierung eines GT-Referenzsystems, das aus Ka-

meras, LiDARs und GNSS (Global Navigation Satellite

System) besteht, sind drei Schritte erforderlich:

1.) Intrinsische Kamerakalibrierung: Korrektur der Ver-

zerrungen im Kamerabild, die sich aus der spezifischen

„Objektiv-Blenden“-Kombination der Kamera ergeben.

2.) Extrinsische Kalibrierung aller Sensoren des Bezugs-

systems: Dieser Kalibrierungsschritt definiert die Aus-

richtung und die Position jedes Sensors im GT-Refe-

renzsystem anhand eines Referenzkoordinatensystems

(in unserem Fall das zentrale LiDAR).

3.) Extrinsische Kalibrierung des Referenzsystems in Be-

zug auf das Fahrzeugkoordinatensystem: Da das AVL

GT-System schnell zwischen beliebigen Fahrzeugen

ausgetauscht werden kann (dank Plug-and-Play-Funk-

tionalität), ist eine Kalibrierungsroutine erforderlich,

die das Referenzkoordinatensystem des GT-Systems

an das des Fahrzeugs anpasst.

DIE AVL-SENSORKALIBRIERANLAGE

Um die oben genannten Anforderungen und Verfahrens-

schritte zu erfüllen, wurde bereits in einem frühen Ent-

wicklungsstadium die Entscheidung für einen vollauto-

matisierten Kalibrationsprüfstand (Werkskalibrierung)

mit definierten Zielobjekten getroffen. Im Vergleich zu

Online- und Selbstkalibrierungsroutinen ist die damit

erzielbare Genauigkeit aufgrund der bekannten Zielob-

jekte und deren definierten Positionen höher und revisi-

onsfreundlicher. Zusätzlich überwacht ein Monitoring-

Algorithmus die Gültigkeit der Sensorkalibrierung im

Flottenbetrieb. Für die intrinsische Kamerakalibrierung

und die extrinsische Sensorkalibrierung (Schritt 1 und 2)

wird das GT-System (Rooftop-Box) auf einem Drehtisch

montiert und durch eine vordefinierte Kulisse aus Ziel-

objekten (Schachbrettmuster) gedreht.

Die intrinsische Kamerakalibrierung wird in Anlehnung an einschlägige

Literatur mittels eines Schachbrettmusters mit 7 Reihen und 10 Linien

durchgeführt. Als Qualitätskriterium für die intrinsische Kalibrierungs-

routine wird ein Reprojektionsfehler von < 0,4 Pixel bei einem Zielob-

jektabdeckungsgrad zwischen 70 % - 80 % definiert. Da bei der Sensor-

herstellung Toleranzen berücksichtigt werden müssen, ist eine „indirekte“

extrinsische Kalibrierung der Sensoren über Zielobjekte notwendig. Ei-

ne „direkte“ Messung der Sensorposition und -orientierung mit einem

Koordinatenmessgerät (KMG) ist somit nicht möglich. Für einen paar-

weisen Abgleich der Sensorkoordinatensysteme (= extrinsische Kalibrie-

rung) mit dem zentralen LiDAR-Koordinatensystem (= Referenzkoordina-

tensystem) werden die Normalenvektoren für jedes erkannte Schachbrett

berechnet. Ein numerischer Optimierungsalgorithmus richtet diese Nor-

malenvektoren für jedes Sensorpaar aus und berechnet die entsprechende

Rotations- und Translationsmatrix. Auf diese Weise wird die extrinsische

Sensorkali­brierung der vier Kameras sowie der beiden seitlichen LiDAR

zum zentralen Lidar durchgeführt.

ADAS/AD-VALIDIERUNG UND HOMOLOGATION PER

PLUG-AND-PLAY

Das Ground Truth-Referenzsystem von AVL liefert eine hochpräzise

360°-Ansicht der Umgebung des Fahrzeugs. Das Sensorsystem verfügt

über eine präzise Sensorkalibrierung. Dies bedeutet einen großen Vorteil

im Vergleich zu fahrgestellmontierten Referenzsensoren und eröffnet unse-

ren Kunden zudem eine Plug-and-Play-Funktionalität. Dank der weltwei-

ten Vor-Ort-Präsenz und dem Expertennetzwerk von AVL erhalten unsere

Kunden die beste Unterstützung bei ihren globalen Datenerfassungs- und

Sensorvalidierungsprojekten.  

Extrinsische Kalibrierungsroutine: Der numerische Optimierungs-

algorithmus richtet die beiden Normalenvektoren aus (z.B. rot

vom zentralen Lidar, blau von der Frontkamera)