N O . 1 2 0 2 3
5 9
S P E C I A L : S O F T W A R E
maschinelles lernen
„Wir mussten wirklich neue We-
ge beschreiten, um echte Remote-
Lösungen entwickeln zu können“,
berichtet Werner Fuchs, Head of
Software Product Management and
Operations bei AVL. Gleichzeitig
herrschte ein starker Anpassungs-
druck, da das Testen eine wichti-
ge Rolle im Entwicklungsprozess
spielt. Gerade mit zunehmender
Komplexität der Systeme, wie z.B.
ADAS/AD-Funktionen, steigt auch
der Testaufwand. Allerdings können
nicht alle denkbaren Kombinatio-
nen aller möglichen Parameter -
von den Wetterbedingungen bis
zum Fahrzeugabstand, vom Spur-
wechsel bis zur Geschwindigkeitsre-
gelung – auf einem Prüfstand oder
gar auf der Straße getestet werden.
Das macht die Simulation unver-
zichtbar. Schließlich sollten OEMs,
die ab Level 3 die Haftung für Un-
fälle übernehmen, in der Lage sein,
die Sicherheit ihrer ADAS/AD-
Systeme zu gewährleisten. Even-
tualitäten sollten durch simulierte
Tests ausgeschlossen werden kön-
WIE DER MODERNE ARBEITSPLATZ WIRD
AUCH DAS TESTEN ZUNEHMEND HYBRID.“
Werner Fuchs
Head of Software Product Management and Operations bei AVL
„
nen. Während heute 30 Prozent
der Tests in diesem Bereich simu-
liert werden, wird sich das Verhält-
nis zu realen Tests in Zukunft also
umkehren, „da bis zu 80 Prozent
virtuell durchgeführt werden kön-
nen“, glaubt Andrea Conti, Vice
President ADAS/AD bei AVL.
Als führendes Unternehmen für
Testlösungen und -technologien
betreibt AVL weltweit rund 7.000
Prüfstände. Ursprünglich für die
Welt der Verbrennungsmotoren
konzipiert, wurde das Know-how
auch für die Elektrifizierung in
den Bereichen Batterien, E-Moto-
ren, Antriebsumrichter und Brenn-
stoffzellen systematisch ausgebaut.
So werden längst nicht mehr nur
Temperatur, Druck, Kraftstoffver-
brauch oder Emissionen gemessen,
sondern zum Beispiel auch die Le-
bensdauer einer Batterie und ihre
Ladezyklen.
Um in diesen Labors effizient zu
prüfen, ist der Einsatz automati-
sierter Prozesse entscheidend. Hier
kommt die Abteilung von Werner
Fuchs ins Spiel. Sein Team ist ver-
antwortlich für die führende Prüf-
standsautomatisierungssoftware
AVL PUMA 2™, das einzige Sys-
tem, das für die Validierung von
konventionellen und elektrifizier-
ten Antriebssträngen geeignet ist.
„Moderne Testumgebungen müssen
in der Lage sein, die zunehmende
Komplexität, die sich aus den ver-
schiedenen Prüflingen ergibt, zu
bewältigen. Daher ist eine virtuel-
le Entwicklung und Testdurchfüh-
rung auf dem Prüfstand notwen-
dig. Das Testen in der realen Welt
wird nicht entbehrlich sein, aber die
Zahl der physischen Testszenarien
wird abnehmen“, so Fuchs. „Wie
der moderne Arbeitsplatz wird auch
das Testen zunehmend hybrid. Vir-
tuelle und reale Tests müssen bes-
ser miteinander verknüpft werden.
Künstliche Intelligenz kann dabei
behilflich sein.“
Krisen machen erfinderisch. Ei-
ne der wenigen positiven Begleiter-
scheinungen der Pandemie, zumal
Reisemöglichkeiten und Bewe-
gungsfreiheit generell eingeschränkt
waren. Viele Systeme mussten da-
her aus der Ferne betrieben, gewar-
tet und aktualisiert werden – auch
Fahrzeugprüfstände.