AVL Focus - Ausgabe 2023

THE AVL MOBILITY TREND MAGAZINE - Nr. 1 2023

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S P E C I A L : S O F T W A R E

maschinelles lernen

„Wir mussten wirklich neue We-

ge beschreiten, um echte Remote-

Lösungen entwickeln zu können“,

berichtet Werner Fuchs, Head of

Software Product Management and

Operations bei AVL. Gleichzeitig

herrschte ein starker Anpassungs-

druck, da das Testen eine wichti-

ge Rolle im Entwicklungsprozess

spielt. Gerade mit zunehmender

Komplexität der Systeme, wie z.B.

ADAS/AD-Funktionen, steigt auch

der Testaufwand. Allerdings können

nicht alle denkbaren Kombinatio-

nen aller möglichen Parameter -

von den Wetterbedingungen bis

zum Fahrzeugabstand, vom Spur-

wechsel bis zur Geschwindigkeitsre-

gelung – auf einem Prüfstand oder

gar auf der Straße getestet werden.

Das macht die Simulation unver-

zichtbar. Schließlich sollten OEMs,

die ab Level 3 die Haftung für Un-

fälle übernehmen, in der Lage sein,

die Sicherheit ihrer ADAS/AD-

Systeme zu gewährleisten. Even-

tualitäten sollten durch simulierte

Tests ausgeschlossen werden kön-

WIE DER MODERNE ARBEITSPLATZ WIRD

AUCH DAS TESTEN ZUNEHMEND HYBRID.“

Werner Fuchs

Head of Software Product Management and Operations bei AVL

nen. Während heute 30 Prozent

der Tests in diesem Bereich simu-

liert werden, wird sich das Verhält-

nis zu realen Tests in Zukunft also

umkehren, „da bis zu 80 Prozent

virtuell durchgeführt werden kön-

nen“, glaubt Andrea Conti, Vice

President ADAS/AD bei AVL.

Als führendes Unternehmen für

Testlösungen und -technologien

betreibt AVL weltweit rund 7.000

Prüfstände. Ursprünglich für die

Welt der Verbrennungsmotoren

konzipiert, wurde das Know-how

auch für die Elektrifizierung in

den Bereichen Batterien, E-Moto-

ren, Antriebsumrichter und Brenn-

stoffzellen systematisch ausgebaut.

So werden längst nicht mehr nur

Temperatur, Druck, Kraftstoffver-

brauch oder Emissionen gemessen,

sondern zum Beispiel auch die Le-

bensdauer einer Batterie und ihre

Ladezyklen.

Um in diesen Labors effizient zu

prüfen, ist der Einsatz automati-

sierter Prozesse entscheidend. Hier

kommt die Abteilung von Werner

Fuchs ins Spiel. Sein Team ist ver-

antwortlich für die führende Prüf-

standsautomatisierungssoftware

AVL PUMA 2™, das einzige Sys-

tem, das für die Validierung von

konventionellen und elektrifizier-

ten Antriebssträngen geeignet ist.

„Moderne Testumgebungen müssen

in der Lage sein, die zunehmende

Komplexität, die sich aus den ver-

schiedenen Prüflingen ergibt, zu

bewältigen. Daher ist eine virtuel-

le Entwicklung und Testdurchfüh-

rung auf dem Prüfstand notwen-

dig. Das Testen in der realen Welt

wird nicht entbehrlich sein, aber die

Zahl der physischen Testszenarien

wird abnehmen“, so Fuchs. „Wie

der moderne Arbeitsplatz wird auch

das Testen zunehmend hybrid. Vir-

tuelle und reale Tests müssen bes-

ser miteinander verknüpft werden.

Künstliche Intelligenz kann dabei

behilflich sein.“

Krisen machen erfinderisch. Ei-

ne der wenigen positiven Begleiter-

scheinungen der Pandemie, zumal

Reisemöglichkeiten und Bewe-

gungsfreiheit generell eingeschränkt

waren. Viele Systeme mussten da-

her aus der Ferne betrieben, gewar-

tet und aktualisiert werden – auch

Fahrzeugprüfstände.