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simulation
Mit ihrer Simulations- und Test-
software unterstützt die AVL ihre
Kunden während des gesamten Ent-
wicklungsprozesses. So liefern Simu-
lationslösungen insbesondere detail-
lierte Modelle und Einblicke in das
Verhalten und die Wechselwirkun-
gen von Komponenten, Systemen
und Gesamtfahrzeugen. Darüber
hinaus ermöglicht die Virtualisie-
rung Systemvalidierungstests in frü-
hen Entwicklungsphasen, was den
Kundenbedarf an Fahrzeugprototy-
pen erheblich reduziert und gleich-
zeitig Testbedingungen mit hoher
Wiederholgenauigkeit gewährleistet.
Eine der wichtigsten Datenquellen
für die Modellerstellung sind Fahr-
zeuge in Bewegung. Die große Men-
ge an Daten, die von immer kom-
plexeren Systemen erzeugt und
übertragen wird, kann bei korrek-
ter Auswertung von immenser Be-
deutung sein. Ingenieure verfolgen
daher einen systemischen Ansatz
bei der Entwicklung und betrachten
nicht mehr nur die einzelnen Kom-
ponenten. Dies erfordert sowohl das
nötige Wissen als auch die Werkzeu-
ge, um disziplinübergreifend zu ar-
beiten. Im besten Fall werden die
reale und die virtuelle Welt mitei-
nander verbunden, ein Ansatz, der
von der globalen Geschäftseinheit
Integrated and Open Development
Platform (IODP) von AVL unter-
stützt wird. So müssen zum Beispiel
nicht alle Komponenten eines An-
triebsstrangs mit dem Motor ver-
bunden sein, um getestet zu werden.
„Man kann einen echten Motor auf
den Prüfstand stellen und dann ver-
schiedene Batterie-, E-Motoren- und
Fahrzeugmodelle simulieren, um
deren Verhalten zu testen“, erklärt
Wolfgang Puntigam, Global Busi-
ness Unit Manager, IODP.
Das Herzstück der IODP ist die
sogenannte „Connected Software“.
Die Simulation unterstützt die Ver-
knüpfung einzelner Komponenten
eines Fahrzeugs mit realen Umge-
bungsbedingungen. „Offen“ be-
deutet, dass nicht alles zwangsläu-
fig von AVL entwickelt wird. „Wir
analysieren den Status quo, definie-
ren Entwicklungsaufgaben und vir-
tualisieren sie gemeinsam mit unse-
ren Kunden“, erklärt Puntigam. In
dieser hybriden Welt ist sein Credo
glasklar: Da sich die Industrie auf
ein softwaredefiniertes Ökosystem
zubewegt, „werden wir weiterhin unsere bestehenden globalen Softwarekräf-
te mit unserem Anwendungs-Know-how im Automobilbereich kombinie-
ren, um unsere Kunden bei diesem Wandel bestmöglich zu unterstützen.“
EIN ZWILLING, DER DAS ORIGINAL ÜBERTRIFFT
Der Einsatz von Simulationen zur Reduzierung des hohen Testaufwands
und der Kosten ist ein allgemeiner Trend in der Branche. Mit der zuneh-
menden E-Mobilität kommen neue Autohersteller auf den Markt, die ihre
Modelle in weniger als 18 Monaten zur Marktreife bringen wollen. In der
Vergangenheit wäre diese Anforderung eine Illusion gewesen. Der Schlüs-
sel zur Beschleunigung der komplexen Fahrzeugentwicklung ist daher die
Virtualisierung. Aufgrund der hohen Qualität des virtuellen Zwillings er-
kennen immer mehr Ingenieure das Potenzial, in der Entwicklung zeit- und
kostenintensive Tests physischer Prototypen zu ersetzen. Dabei wird eine
einzelne Zelle, ein Bauteil, das gesamte System und/oder ein Fahrzeug di-
gital reproduziert, so dass es mit allen anderen Objekten im System, mit
der Software und den Steuerfunktionen und vor allem mit seiner Umge-
bung interagieren kann. Hier bietet AVL eine zentralisierte Methodik mit
einem vollständig integrierten und automatisierten Workflow. Und genau
da kommen Roland Wanker und seine 500 Mitarbeiter der Advanced Si-
mulation Technologies von AVL ins Spiel. „Früher waren wir die Nerds,
deren Aufgabe es war, den Entwicklungsprozess zu unterstützen“, erzählt
Wanker mit gewissem Stolz. „Jetzt sind wir an vorderster Front dabei.“