titelgeschichte
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focus: Welche Rolle spielen Wasserstoff und Brennstoffzellen im maritimen
Sektor? Welche Herausforderungen sehen Sie in diesem Zusammenhang?
Enger: Die internationale Schifffahrt ist ein wichtiger Hebel für den Welt-
handel, verursacht aber auch Treibhausgasemissionen und Verschmutzun-
gen. Die Branche sieht sich mit immer strengeren Umweltauflagen kon-
frontiert, weshalb dieser regulative Rahmen ein zentraler Faktor für die
Strategie von TECO 2030 ist. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisa-
tion (IMO) hat sich zum Ziel gesetzt, die Kohlenstoffintensität in der in-
ternationalen Schifffahrt bis 2030 um 40 % zu senken und die gesamten
jährlichen Treibhausgasemissionen des Sektors bis 2050 um mindestens
50 % im Vergleich zu 2008 zu reduzieren.
Obwohl der Aufbau eines entsprechenden Bunkernetzes einige Heraus-
forderungen mit sich bringt, bin ich zuversichtlich, dass es bis zur breiten
Einführung von Brennstoffzellen an Bord von Handelsschiffen auch Was-
serstofftankstellen geben wird. Aus diesem Grund haben sich große Un-
ternehmen verpflichtet, in den nächsten Jahrzehnten kohlenstoffneutral zu
werden – wobei viele weitere folgen werden.
focus: Können Sie uns etwas mehr über die TECO Brennstoffzelle für
maritime Anwendungen erzählen – und wie sie diese Herausforderun-
gen meistern kann?
Enger: Das erste 400 kW Brennstoffzellenmodul von TECO 2030 wird bald
fertig sein und danach umgehend auf den Prüfstand in der AVL-Zentrale
in Graz gehen. Wir sind gespannt, wie gut es sich in der Testumgebung
bewährt. Die speziell für die Schifffahrt ausgelegte Brennstoffzelle wurde in
Zusammenarbeit mit AVL als Design- und Simulationspartner entwickelt.
Mit Hilfe hochentwickelter, branchenführender Simulationssoftware ha-
ben wir reale Szenarien durchgespielt, um ein modulares und skalierbares
Design mit 400 kW als Grundbaustein zu entwickeln. Das macht sie zur
effizientesten Brennstoffzellenlösung auf dem Markt. In einem standard-
mäßigen 6-Meter-ISO-Container können wir 3,2 MW an Brennstoffzel-
len unterbringen. Das ist vor allem eine attraktive Option für Schiffseig-
ner, die trotz begrenzten Platzangebots eine emissionsfreie Lösung an Bord
nachrüsten möchten. Außerdem wollen wir die Produktion der Systeme
mit kosteneffizienten Produktionsanlagen von thyssenkrupp automatisie-
ren, um das Produktionsrisiko zu verringern. Dadurch können wir unsere
Kunden, die ihren gesamten Schwerlast-Fuhrpark aufrüsten wollen, kon-
tinuierlich mit Brennstoffzellen versorgen.
focus: Sind Sie nur in Norwegen ansässig oder wachsen Ihre Aktivitäten
im Bereich der Wasserstofftechnologie weltweit?
Enger: TECO 2030 hat seinen Hauptsitz in Lysaker, Norwegen, und eine
15.000 Quadratmeter große Produktionsstätte in Narvik, im Norden des
Landes. In Narvik werden wir in den kommenden Jahren die Brennstoff-
zellenproduktion automatisieren. Im Jahr 2024 wird unsere Brennstoffzel-
lenproduktion auf 120 MW, 2025 auf 400 MW und 2030 auf 1,6 GW an-
steigen. Unsere strategischen Vertriebsbüros befinden sich in Miami (USA)
und Singapur, während unser Vertriebsnetz die ganze Welt abdeckt, um
der global steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Von unserer Produk-
tionsstätte in Narvik aus werden wir die Welt mit führenden energieeffizi-
enten Brennstoffzellen für die Schifffahrt und für schwere Nutzfahrzeuge
versorgen. Unsere Projekte bedienen verschiedenste Segmente – von Lkw
über Schiffe und Fähren bis hin zu Baustellen – und eignen sich unter an-
derem für den Bergbau, für Rechenzentren, Züge und Notstromaggregate.
focus: Was wird der nächste große Meilenstein für TECO 2030 sein?
Enger: Der nächste große Meilenstein für TECO 2030 ist unser erstes
FCM400-Brennstoffzellenmodul auf dem AVL-Prüfstand und natürlich
die Inbetriebnahme des kommerziellen Wasserstoff-Demonstratorfahrzeugs
AVL HyTruck im Sommer 2023. Außerdem planen wir die Inbetriebnah-
me einer Gigafactory, um die automatisierte Brennstoffzellenproduktion
im ersten Quartal 2024 starten zu können.
focus: Wie platziert sich die Gigafactory in der globalen Wettbewerbs-
landschaft? Und erwarten Sie, dass sich andere Unternehmen in gleicher
Weise positionieren werden?
Enger: Die Gigafactory wird die erste hochmoderne Produktionsanlage für
PEM-Brennstoffzellen in Europa sein. Sie wird den Startschuss für die Er-
richtung von Gigafactories auf der ganzen Welt geben. TECO 2030 will
sich als führender Anbieter von Brennstoffzellenstacks und -modulen so-
wie als Partner für große Wasserstoffprojekte positionieren. Ich gehe da-
von aus, dass wir in den nächsten zehn Jahren weltweit weitere Ankündi-
gungen für Brennstoffzellenwerke sehen werden, wenn die Konzepte für
die Wasserstoffinfrastruktur ausgereift sind.
focus: Inwieweit hat die Zusammenarbeit mit AVL zur Markteinführung
der TECO-Brennstoffzelle beigetragen?
Tore Enger
CEO der TECO 2030 Gruppe
Tore Enger, gründete die TECO
Gruppe im Jahr 1994. Enger ist
durch und durch Unternehmer
und hat in den letzten 25 Jahren
eine Vielzahl von Produkten und
Dienstleistungen für die maritime
Industrie entwickelt. Er verfügt
über ein umfangreiches Netzwerk
in der Branche und spielt damit
eine zentrale Rolle für den Zugang
von TECO 2030 zu den Reedern.
Zudem war Enger ca. 10 Jahre
lang (2008 - 2017) Vorsitzender
und Hauptaktionär der Scanship
Holding ASA (jetzt Vow ASA), die
an der Osloer Börse notiert ist.
Enger: Für TECO 2030 ist die Zusammenarbeit ein wichtiger Faktor, um den
grünen Wandel zu erreichen. Niemand kann allein eine Netto-Nullbilanz er-
reichen. Wir leben in einer Zeit, in der die globale Erwärmung und der Kli-
mawandel weltweite Schlagworte sind und unsere größte Herausforderung
darstellen. Eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Betei-
ligten entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette ist der Schlüssel
zur Markteinführung unserer Brennstoffzellen. Wir arbeiten gemeinsam mit
Projektpartnern an der Verwirklichung zukunftsweisender, umweltfreundlicher
Projekte für die Zukunft. Schließlich wollen wir, dass auch künftige Generati-
onen einen lebenswerten Ort vorfinden. Durch unsere Zusammenarbeit mit
AVL haben wir die vollständige Industrialisierung der Brennstoffzelle in un-
serem Innovationszentrum in Narvik erreicht. Dank der konsequenten Pla-
nung der Teams von TECO 2030 und AVL konnte die Produktion schnell
hochgefahren werden. Unsere Zusammenarbeit ermöglicht außerdem eine
schnelle Expansion bei der Entwicklung und Industrialisierung der Wasserstoff-
Brennstoffzellen-Stacks und -Systeme. So können wir einige der hochwertigs-
ten und energieeffizientesten Brennstoffzellen im Schwerlastbereich anbieten.
focus: Wenn wir über das Jahr 2030 hinausblicken, welche globalen An-
strengungen werden erforderlich sein, um den Wettlauf zur Klimaneut-
ralität zu beschleunigen?
Enger: Der Wettlauf zur Klimaneutralität hat gerade erst begonnen, und ich
bin mir sicher, dass unsere Partnerschaft mit AVL einen wichtigen Beitrag
zur Einführung einer Wasserstoffwirtschaft und -infrastruktur leistet. An-
gesichts der rasanten Entwicklung gehe ich davon aus, dass wir ein solides
Wachstum von Wasserstoff-Hubs und Infrastrukturen für die Betankung
und den Verbrauch von Wasserstoff sehen werden. Es werden vollständige
Infrastrukturnetzwerke getestet und validiert werden. Die Zukunft ist in
greifbarer Nähe, und gemeinsam mit Partnern wie AVL glaube ich, dass
wir den Beginn der Einführung von Brennstoffzellen in den nordischen
Ländern und darüber hinaus erleben. ���������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������
Der FCC 3200™
Brennstoffzellencontainer
TECO 2030
Brennstoffzellenstack
DAS RENNEN RICHTUNG
CO2-NEUTRALITÄT HAT
GERADE ERST
BEGONNEN...
DIE ZUKUNFT IST NICHT
MEHR WEIT ENTFERNT.“
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