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INNOVATIONEN FÜR SICHERE
UND INSPIRIERENDE
MOBILITÄTSLÖSUNGEN
4 DIe Treiber der Innovation
6 On-Demand-Funktionen im softwaredefinierten Fahrzeug
8 Die Kraft der Daten
10 Sicherheit und Cybersecurity von Anfang an
12 Ein Fahrplan für die Entwicklung
14 Weichen stellen für den Erfolg
18 Effizienz im realen Test
Inhalt
Herausgeber und Medieninhaber:
AVL List GmbH
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Verleger und Hersteller:
SCOOP & SPOON GmbH
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Die Mobilität ist einem starken Wandel unterworfen. Technologien wie Fahrerassistenzsysteme (ADAS) und
automatisierte Konzepte (AD) rücken immer mehr ins Zentrum und stellen uns vor einen Paradigmenwechsel
in puncto Entwicklung, Herstellung und Nutzung von Fahrzeugen. Auf uns kommen neue Herausforderungen,
aber auch Möglichkeiten in fast jedem Bereich zu. Aus gesellschaftlicher Sicht geht es dabei vor allem
um die Sicherheit im Straßenverkehr. Für den Endkunden stehen Komfort und Sicherheit im Fokus. OEMs,
Zulieferer und viele Start-ups wollen Innovationen monetarisieren und neue Geschäftsmodelle erschließen.
Das erfordert neue Ansätze in der Entwicklung, im Systemtesten sowie in der Validierung und Zertifizierung.
Die Zukunft ist zwar noch ein ungeschriebenes Blatt; dennoch sind bereits viele Einflüsse bekannt, die den
weiteren Weg bestimmen. Ob es nun die Anforderungen der Märkte, die regionale und internationale Gesetz-
gebung oder die treibende Kraft der Innovation selbst sind – die Branche fasst auf diesem neuen Gebiet
allmählich Fuß und gewinnt zusehends Vertrauen.
Bei AVL entwickeln wir schon seit einiger Zeit Lösungen für diese spannenden Herausforderungen. Wichtige
Eckpfeiler unseres Portfolios sind die Virtualisierung – die Verbindung der realen Welt mit einer simu lierten
Umgebung – gemeinsam mit der modellbasierten Systementwicklung (MBSE) sowie dem Testgelände mitsamt
realer Tests für die Entwicklung und Validierung von ADAS- und AD-Systemen. Mit den daraus resultierenden
datengetriebenen Systementwicklungslösungen kombinieren wir unser umfassendes Software-Know-how mit
unserer Applikationsexpertise. All dies sind entscheidende Elemente für die Entwicklung und die Herstellung
der nächsten Generation von sicheren, zuverlässigen und inspirierenden Mobilitätslösungen.
Indem wir unsere Vision, unseren Fokus auf Forschung und Entwicklung sowie neue Technologien miteinan-
der verbinden, so wie es in unserer ADAS/AD-Strategie bis 2025 festgelegt ist, können wir unsere Kunden
in dieser neuen und herausfordernden Ära der Mobilität auf einzigartige Weise unterstützen. Wir wissen,
was auf uns zukommt, und haben uns entsprechend strategisch ausgerichtet. Unser Know-how, unser
Portfolio an Werkzeugen und Lösungen sowie unser tiefes Verständnis für die Bedürfnisse unserer Kunden
machen uns zum idealen Partner für anspruchsvolle Technologielösungen in der ADAS/AD-Systementwicklung.
MIT STRATEGIE IN DIE ZUKUNFT
A N D R E A C O N T I
Vice President
Business Field
ADAS/AD
G E O R G L I S T
Vice President
Corporate
Strategy
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DIE TREIBER
DER INNOVATION
In diesem neuen Zeit-
alter der Mobilität wird
der Wettbewerb am Markt
durch eine Vielzahl von
Faktoren vorangetrieben,
die allesamt Innovatio-
nen beschleunigen. Auch
die Innovation selbst spielt eine
Rolle, denn Konsumenten wollen
so früh wie möglich – idealerweise
als Erste – neue Technologien nut-
zen und fordern von OEMs, diese
Erwartungen auch zu erfüllen.
Einige Automobilhersteller wollen
bei der Einführung von Systemen
für automatisiertes Fahren (AD)
ganz vorne mit dabei sein. Doch wer
als Erster am Start ist, riskiert auch,
als Erster zu scheitern – das kann
dem Ruf einer Marke schaden. Wer
die Vorreiterrolle nicht überneh-
men will oder kann, muss stattdes-
sen anders, besser und/oder preis-
werter sein. Mit Updates, neuen
Funktionen und verschiedenen
Leistungsmerkmalen, die potenzi-
ell über das Mobilfunknetz verfüg-
bar gemacht werden, eröffnen sich
neue Geschäftsmodelle. Letztlich
beeinflussen jedoch die Gesetzge-
bung und die Wertschöpfung den
weiteren Weg.
DIE BASIS FÜR FORTSCHRITT
Trotz umfangreicher Tests in der
Simulation, auf dem Prüfstand, auf
dem Testgelände und auf der Straße
lässt sich nur schwer ganz sicher
sagen, wie sich ein AD-System in
allen möglichen Szenarien verhal-
ten wird. Letztendlich werden in
den meisten Ländern Normen, Ge-
setze oder Zertifizierungen darüber
entscheiden, was möglich ist und
was nicht.
Erst auf dieser Basis können OEMs
und Zulieferer tätig werden. Daraus
ergeben sich durchaus auch Anreize
für OEMs, neue Methoden für die
Entwicklung zu finden. Beispiels-
weise müssen Nutzfahrzeuge für
den automatisierten H2H-Trans-
port (Hub-to-Hub) bereits über
lange Strecken autonom fahren
können. Vielerorts ist eine ent-
sprechende Gesetz gebung jedoch
erst in Planung. Die geringere Ver-
kehrsdichte auf Auto bahnen und
die Gesetzgebung in einigen Bun-
desstaaten der USA ermöglicht be-
reits jetzt umfassende Tests von au-
tonomen Pilotflotten.
Internationale Normen und Ge-
setzgebungen wirken sich auch auf
die Entwicklung der Kommunika-
tion von Fahrzeug-zu-Fahrzeug
und Fahrzeug-zu-Infrastruktur
aus. Auch unterschiedliche Daten-
schutzgesetze und staatliche Vor-
gaben haben einen großen Einfluss
darauf, was in der EU, in Nord-
amerika, China und Südostasien
umgesetzt werden kann.
MEHRWERT SCHAFFEN
Wenn sich Marken von der Kon-
kurrenz abheben wollen, müs-
sen sie sich auf den Mehrwert und
die damit verbundene Umsatz-
generierung fokussieren. Für End-
kunden läuft dies auf On-Demand-
Funktionen, System-Upgrades und
neue Entertainments im Fahrzeug
hinaus. Andere – vor allem gewerb-
liche Betreiber im Nutzfahrzeugbe-
reich – setzen auf Technologien, die
sich positiv auf die Gesamtbetriebs-
kosten auswirken, z.B. Platooning
oder ADAS-Komfortfunktionen,
die neue Fahrer für schwer zu be-
setzende Stellen anziehen können.
Diese Fahrersubstitution ist das ul-
timative Ziel von AD im Nutzfahr-
zeugbereich, da sie Personalkosten
Innovation bringt eine
neue Automobillandschaft
hervor. Welche treibende
Kraft steckt dahinter?
N O . 1 2 0 2 2 – S P E C I A L
einspart und einen Betrieb rund um
die Uhr ermöglicht.
Der Mehrwert kann auch gesell-
schaftlicher Natur sein. Hochauto-
matisierte Personenbeförderungs-
fahrzeuge sind bereits in Pilotflotten
auf der ganzen Welt im Einsatz, und
auch andere Anwendungen wie Ha-
fenfahrzeuge, Müllwagen und land-
wirtschaftliche Maschinen werden
in großem Maßstab getestet.
Manche Neueinsteiger im Markt
setzen auf Innovation. Einige OEMs
richten ihr Hauptaugenmerk weit-
gehend auf die Sicherheit. Bei ande-
ren ist es wiederum die finanzielle
Attraktivität. Dank unserer langjäh-
rigen Branchenerfahrung, unseres
technologischen Know-hows und
unseres Verständnisses von Kun-
denbedürfnissen können wir her-
ausragende Entwicklungsleistungen,
anwendungsspezifisches Fachwis-
sen und intelligente Testsysteme ein-
bringen, um die richtige Balance für
jede Vision in diesem neuen Bereich
der Mobilität zu finden.
“
I N T E R V I E W
Stephan Tarnutzer
President AVL Mobility
Technologies Inc., USA
focus: Wie unterscheiden sich die
treibenden Kräfte des Marktes
und die Anforderungen im Bereich
ADAS/AD in den USA im Verglei-
ch zu anderen Märkten?
Tarnutzer: Im Gegensatz zu den recht-
lichen Faktoren in europäischen Re-
gionen, sind die wichtigsten Treiber in Nordamerika
Wettbewerb und Technologie. In Amerika versuchen
die Unternehmen, sich durch Technologieführerschaft,
durch Innovation und durch die Tatsache, der Erste am
Markt zu sein, zu differenzieren. Sie konzentrieren sich
eher darauf, welche Komfortfunktionen für die Endkun-
den wichtig sind, und weniger auf die Sicherheit, die in
Europa im Vordergrund steht.
focus: Welche Unternehmen treiben die Entwicklung
von ADAS/AD am stärksten voran und warum?
Tarnutzer: In erster Linie sind es Start-up-Unternehmen,
die neue AD-Technologien auf den Markt bringen und
dabei höhere Risiken eingehen. Die etablierten OEMs
folgen mit neuen ADAS-Funktionen wie dem High-
way Pilot.
focus: Welche Rolle spielen die Technologieunterneh-
men im Silicon Valley?
Tarnutzer: Die Entwicklung von Software wie etwa für
die Umgebungserkennung, künstliche Intelligenz, Cloud
Computing oder andere Dienste führt zu einem neuen
offensiven Mindset, um neue Anwendungsbereiche für
Fahrzeuge zu erschließen. Das beschleunigt auch die
Mobilitätsindustrie, da kürzere Entwicklungszyklen
und -intervalle sowie ein Denken „über den Tellerrand
hinaus“ ermöglicht werden. OEMs definieren sich selbst
neu und sprechen jetzt über softwaredefinierte Mobilität
(anstatt das Fahrzeug als mechanisches Produkt zu sehen).
Das Fahrzeug wird zunehmend durch Software definiert; nicht nur
im Entwicklungsprozess, wo Simulation und Datenmanagement unver-
zichtbar sind, sondern auch im Fahrzeug selbst. Jeder Sensor, jede Funk-
tion und fast jede physische Komponente wird durch Software überwacht
und gesteuert. Dies führt zu einem ganzen Software-Ökosystem im und
um das Fahrzeug, womit Herausforderungen für OEMs und Zulieferer
vorprogrammiert sind.
So wie beim physischen Fahrzeug die Hardwarekomponenten systemüber-
greifend konzipiert werden müssen, sind bei der Entwicklung der Soft-
ware- und E/E-Architektur eines Fahrzeugs ähnliche Aspekte zu berück-
sichtigen. Um Komplexität, Zeit und Kosten zu reduzieren, muss dies so
effizient wie möglich geschehen. Kommen Faktoren wie funktionale Si-
cherheit, SOTIF und Cybersecurity hinzu, gestaltet sich die Entwicklung
des Fahrzeugs gleich um einiges komplexer. Genau diese Komplexität be-
wältigen unsere Softwareexperten für unsere Kunden.
Der AVL-Ansatz
für Software und
Steuerung setzt
neue Maß stäbe für
eine noch efÏzien-
tere Entwicklung
MODULAR, SKALIERBAR, AGIL
UND WIEDERVERWENDBAR
Da im physischen Fahrzeug zuneh-
mend mehr Softwarefunktionen
einschließlich drahtloser Down-
loads und Upgrades installiert wer-
den, ist bei der Konzeption der ge-
samten Softwarearchitektur eine
ganzheitliche Sicht erforderlich.
Dafür verwenden wir unterschiedli-
che Bausteine, zu deren wichtigsten
eine modulare Softwarearchitektur
sowie eine integrierte Entwick-
lungs- und Testplattform zählen.
Diese unterstützen agile Entwick-
lungsprozesse, die den Standards
der Automobilindustrie entspre-
chen, und sie können miteinan-
der verlinkt werden, sodass bereits
entwickelte Softwarekomponenten
wiederverwendbar sind.
Der gesamte Softwareentwicklungs-
prozess ist durch AVL MAESTRA®
gestützt. Zusätzlich zur Komponen-
tenentwicklung bietet es stetige Inte-
gration und kontinuierlichen Betrieb
in verschiedenen Testumgebun-
gen. Nach dem Test der Software-
komponenten wird das Softwaresys-
tem in einem virtuellen Steuergerät
getestet. MAESTRA bietet dabei
eine nahtlose Verbindung zwischen
Modellierung und Simulation.
Dieser offene und flexible Ansatz
ermöglicht es uns, Lösungen auf die
Ziele unserer Kunden maßgeschnei-
ON-DEMAND-FUNKTIONEN
IM SOFTWAREDEFINIERTEN
FAHRZEUG
dert anzupassen. Gleichzeitig steigern wir die Effizienz, indem wir Funkti-
onen in einem einzigen Steuergerät statt in mehreren Geräten zusammen-
führen. Von der funktionalen Sicherheit bis hin zu E-Drive-Funktionen,
Datenanalyse und KI – unser Ansatz ist allumfassend und legt den Schwer-
punkt auf Sicherheit und Standards.
SIMULATION, FUNKTIONALE SICHERHEIT UND CYBERSECURITY
Auf diese Weise können wir ein Modell unserer Software erstellen und es in
der Simulations- oder XiL-Umgebung testen. Darüber hinaus berücksich-
tigen wir Cybersecurity, SOTIF und funktionale Sicherheit und empfehlen
bei Bedarf Redundanzen und Back-up-Systeme.
Wir achten besonders auf die Einhaltung sämtlicher Standards und ge-
währleisten die Konformität mit Automotive SPICE, den neuesten ISO-
und Automobil-Standards sowie OEM-Gruppen-Standards. Unabhängig
davon, ob wir direkt als Partner mit unseren Kunden zusammenarbeiten
oder ihnen einfach nur die Werkzeuge zur Verfügung stellen, mit denen sie
ihre Software- und Kontrollziele verwirklichen können – unsere Kunden
haben alle Voraussetzungen, um die höchsten Qualitäts-, Sicherheits- und
Securitystandards zu erfüllen.
focus: Können Sie uns etwas über
die Markttreiber im Bereich der
Softwareentwicklung erzählen?
Fuchs: Neben dem aktuellen Im-
pulsgeber – softwaredefinierte
Fahrzeuge – liegen die wichtigsten
Zukunftstrends in bedarfsorientier-
ten Funktionen.
focus: Vor welchen Herausforde-
rungen stehen Ihre Kunden?
Fuchs: Die größte Herausforderung
für alle unsere Kunden ist die Um-
stellung auf ein Softwareunterneh-
men. Das und fehlende Ressourcen
erschweren es, den Markt rechtzei-
tig zu bedienen.
focus: Was bietet AVL, um ihre Kun-
den bei der Bewältigung dieser He-
rausforderungen zu unterstützen?
Fuchs: AVL kann bei Prozessen un-
terstützen und zu Methoden bera-
tend zur Seite stehen. Wir verfügen
über Tools wie MAESTRA für die
Komponentenentwicklung sowie
stetige Integration und den kontinu-
ierlichen Betrieb, die auch für unsere
Kunden verfügbar sind. Außerdem
können wir die markenspezifisch-
en Lösungen des Kunden umsetzen.
I N T E R V I E W
Klaus Fuchs
Senior Product Manager
ADAS/AD, Software and
Controls
“
• Continuous integration to
large scale MiL environment
• Continuous software system tests
• Continuous build
• Continuous integration tests
• Continuous unit tests
• (Continuous) update integration space
MiL HiL Vehicle
Development space
Integration space
Output space
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DEPLOYMENT
INTEGRATION
COMPONENT
DEVELOPMENT
V-cycle
Execute virtual ECU
Run the application
in the simulation
environment
Monitor the behavior
Evaluate the results
Virtual integration
Automatically inte-
grate components to
a virtual software system
Deployment
Deploy the application
in the simulation
environment
Create virtual ECU
Compile software system incl.
necessary BSW functions
to an executable vECU
Modeling
Simulation
MAESTRA®
RELEASE
PLAN
Die AVL Lösung
MAESTRA bietet eine nahtlose Verbindung
zwischen Modellierung und Simulation
Ajunic®
Systeme zu verwerten. Durch lang-
jährige Entwicklung von Werkzeu-
gen, Systemen und Dienstleistungen
zur Handhabung und Verwaltung
umfangreicher Datenmengen ha-
ben wir uns zu einem verlässlichen
Partner etabliert, der die individu-
ellen Anforderungen unserer Kun-
den erfüllt.
MEHRWERT UND VERTRAUEN
SCHAFFEN
Daten sind für jeden Entwicklungs-
prozess unerlässlich. Diese werden
für wichtige Fahrsituationen wäh-
rend der Entwicklung und dem Tes-
ten von ADAS/AD-Systemen auf
der Straße und auf dem Testgelände
mit unserem AVL Dynamic Ground
Truth System™ gesammelt. An-
schließend werden diese während
der Entwicklungsphasen für die
kontinuierliche Verbesserung des
Systems verwendet. Auf diese Weise
können anhand der Daten realisti-
sche Fahrsituationen sowie auch
konkrete Szenarien erstellt werden
um die Funktionalität der ADAS/
AD-Systeme und deren Sicherheit
umfassend testen zu können.
Um das Bestmögliche aus den Daten
herauszuholen, müssen Testaktivitä-
ten so gestaltet sein, dass sie in kür-
zester Zeit und mit minimalem Auf-
wand die besten Ergebnisse liefern.
Die Herausforderung dabei liegt in
Die Kraft
der Daten
Unsere Datenmanagement-Lösungen
begleiten OEMs, Zulieferer und Start-ups
durch das aufregende neue Zeitalter
der Automobilentwicklung
DATA-DRIVEN DEVELOPMENT
Requirements
Engineering
Design
Optimization
Effective Testing
and Validation
Quality and
Maintenance
After Sales
Management
Predictive
Maintenance
S I M U L A T I O N A N D V A L I D A T I O N
CONCEPT
DEVELOPMENT
VALIDATION
PRODUCTION
AFTERSALES
WORKSHOP
IN-USE
AFTERSALES
Der datengestützte Entwicklungsansatz von AVL –
vom Konzept bis zur Nutzungsphase
Ob Simulation, Prüfstand, Test-
gelände, reale Testfahrten oder Be-
triebsphase – jeder Aspekt der Fahr-
zeugentwicklung ist mit riesigen
Datenmengen behaftet. Das Zeital-
ter der Mobilität rückt ADAS- und
AD-Technologien immer mehr in
den Vordergrund. Dies wiederum
führt zu einem höheren Grad an Au-
tomatisierung und zu zunehmend
komplexeren Systemen. Damit diese
sicher und korrekt funktionieren
können, ist es von entscheidender
Bedeutung, Daten während des ge-
samten Lebenszyklus zu generieren
und sie bestmöglich für die Weiter-
entwicklung und Absicherung der
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“
focus: Würden Sie bitte das Kun-
denprojekt beschreiben, an dem
Sie gerade arbeiten?
Teichtmeister: Wir stellen Rohdaten
und entsprechende Tags bereit, um
die Entwicklung von ADAS-Funk-
tionen zu unterstützen – das ist mit-
unter der wichtigste Aspekt. Wir lie-
fern die integrierte Messtechnik, die
globale Rohdatenerfassung sowie die
manuelle und automatische Kenn-
zeichnung der Daten. Zudem über-
nehmen wir die Datenlogistik von
der Straße bis zum Data Center, um
die Qualität und Integrität der Daten
zu gewährleisten. Der Kunde erhält
abschließend ein Datenmanagement-
Tool (AAP), mit dem er, auf Tags
oder Fahrzeug-Bus-Daten basierend,
nach relevanten Daten suchen kann.
focus: Welchen Mehrwert hat der
Kunde, wenn er mit AVL zusam-
menarbeitet?
Teichtmeister: Wir unterstützen den
Kunden beim Wechsel in die Labor-
umgebung, und zwar mit SiL-Va-
lidierung anstatt umfassender
Straßentests. Das kann viel Ent-
wicklungszeit und Kosten sparen.
I N T E R V I E W
Georg Teichtmeister
Chief Engineer for Service
Engineering AD, E/E,
Connectivity bei AVL
stehen für weitere Entwicklungsschritte zur Verfügung.
Durch den hohen Automatisierungsgrad aller Prozess-
schritte liefern wir unseren Kunden den größtmöglichen
Nutzen und verschaffen ihnen damit Vorteile in puncto
Zeit, Kosten und Qualität. AVL bietet Ihnen verlässliche
Lösungen aus einer Hand. Unsere Experten unterstützen
Sie von der Spezifikationsphase bis hin zur Durchführung
Ihres Projektes. Optionale Schulungen vor Ort ermögli-
chen Ihnen zusätzliche Flexibilität.
EINE WACHSENDE INDUSTRIE UNTERSTÜTZEN
ADAS- und AD-Lösungen sind mittlerweile integrativer
Teil von Entwicklungsprogrammen in der Automobilin-
dustrie. Die schnelle Entwicklung und die damit wech-
selnden Marktbedienungen stellen die Automobilindustrie
vor neue Herausforderungen. Fahrzeughersteller als auch
Zulieferer und Start-ups benötigen umfangreiche Tools,
Methoden und Expertenwissen, um ihre Produkte sicher
auf den Markt bringen zu können. AVL bietet flexible
Lösungen für unterschiedliche Kundengruppen und de-
ren unterschiedliche Problemstellungen an. Daher können
unsere Kunden gleichermaßen vom umfassenden Ange-
bot profitieren.
der Erfassung aller wesentlichen
Fahrsituationen und Umweltfakto-
ren, welche in realen Fahrsituationen
auftreten können. Dies erfordert in
der Regel eine immense Menge an
zu sammelnden Daten, d.h. tausende
gefahrene Kilometer und Petabyte
an Daten. Die Daten sollten dabei
so rasch und effektiv wie möglich
erfasst, gespeichert, weiterverarbei-
tet und analysiert werden können.
Bei derart großen Datenmengen
sind manuelle Arbeitsschritte nicht
mehr möglich, weshalb wir auto-
matisierte Prozesse einsetzen. Da-
mit können wir eine hohe Effektivi-
tät in der Entwicklung erzielen und
den größtmöglichen Nutzen aus Ih-
ren Daten ziehen.
Unser Geschäftsmodell „Data-as-a-
Service“ umfasst alle notwendigen
Aktivitäten – von der Spezifika-
tion bis zur Auslegung und Inbe-
triebnahme des Datenerfassungs-
systems, sowie dessen Betrieb. Von
dort aus identifizieren wir die beste
Fahrroute und führen die Datener-
fassung an dem Ort durch, der für
die Überprüfung sämtlicher ADAS/
AD-Funktionen ideal ist. Die wäh-
rend der Fahrt auf Loggersystemen
aufgezeichneten Daten werden an-
schließend zur weiteren Aufberei-
tung und Analyse an das Datencen-
ter übermittelt. Mittels der ADAS/
AD Big Data und Analytics Platt-
form von AVL werden die Daten
voll automatisiert verarbeitet und
Der Szenario-Viewer der Big Data
and Analytics Platform bietet eine
synchronisierte Ansicht von Video-,
Objekt-, Zeitserien- und Karten-
daten für eine klare visuelle Inter-
pretation der Testfahrt.
Das AVL Ground Truth System sammelt eine hochpräzise
Bezugnahme auf die Verkehrsumgebung.
Neue Fahrzeugtechnologien
bringen neue Schwachstellen und
Herausforderungen in Bezug auf Si-
cherheit und Cybersecurity mit sich,
was insbesondere auf ADAS, AD
und miteinander vernetzte Funkti-
onen zutrifft. Zum Teil ergeben sich
diese aus der Komplexität der Tech-
nologien. Umso wichtiger ist es, dass
sie einwandfrei funktionieren und
Fahrzeuginsassen sowie andere Ver-
kehrsteilnehmer im Falle einer Stö-
rung so lange mittels Redundanzen
und ausfallsicherer Systeme schüt-
zen, bis das Fahrzeug sicher zum
Stillstand gebracht werden kann.
Gerade beim Thema Cybersecurity müssen vernetzte Technologien Lö-
sungen für den Schutz des Fahrzeugs vor böswilligen Eingriffen liefern.
Darüber hinaus gilt es eine Reihe weiterer Bereiche abzudecken, etwa den
Schutz der Privatsphäre oder die Integrität sowie den sicheren Betrieb des
Fahrzeugs, der durch drahtlose Systemupdates oder Funktionsdownloads
nicht beeinträchtigt werden darf. Ebenso ist sicherzustellen, dass sowohl
innerhalb als auch außerhalb des Fahrzeugs keinerlei Konflikte mit wich-
tigen Fahrzeugsystemen auftreten.
Nur wenige Partner in der Branche verfügen über die Erfahrung von AVL
und ihr Leistungsangebot. Wir haben uns dank unserer Forschungs- und
Entwicklungsaktivitäten eine umfangreiche Expertise für die gesamte Fahr-
zeugentwicklung einschließlich zukünftiger Technologien aufgebaut. Daher
wissen wir genau, dass man auch jenen Aspekten Aufmerksamkeit schen-
ken muss, die man nicht voraussehen kann. Aus diesem Grund müssen
alle Systemdesignprozesse im Hinblick auf Sicherheit stabil genug sein, um
1 0
Sicherheit
und Cyber
security von
Anfang an
Bei AVL sind Sicherheit, SOTIF und
Cybersecurity keine Randthemen,
sondern integrale Bestandteile
des Entwicklungsprozesses