AVL Focus - 75 Jahre Sonderausgabe

THE AVL MOBILITY TREND MAGAZINE - 2023

Sicherheit gemeinsam

vorantreiben

Was hat AVL und TNO dazu inspiriert, gemeinsam am Thema

„Sicherheitsvalidierung und Risikoquantifizierung“ zu arbeiten?

Kalisvaart: Nun, die Gemeinschaft des automatisierten Fah-

rens hat einen großen Schritt in Sachen KI sowie Computer-

und Sensorfähigkeiten gemacht. Dennoch ist es eine Heraus-

forderung, die Sicherheit von autonomen Fahrzeugen aufgrund

der Systemkomplexität und der Variabilität in der realen Welt

zu gewährleisten.

Scharke: Ich stimme zu. Ein weiteres Problem ist der Umgang

mit neuen Vorschriften und Normen. Traditionell boten diese

eine klare Anleitung. Heute stehen die OEMs vor zwei gewalti-

gen Aufgaben: Sie müssen die Fahrsicherheit nachweisen und

die Einhaltung der Zulassungsvorschriften sicherstellen.

Was waren die wichtigsten Fragen, die es zu lösen galt?

Scharke: Erstens musste die Lösung auf einer soliden Me-

thodik für den Einsatz in verschiedenen Fahrumgebungen

beruhen. Zweitens musste sie datengetrieben sein. Man kann

Sicherheitsaussagen nur mit Statistiken aus der realen Welt

untermauern.

Kalisvaart: Es stellten sich also eigentlich drei Fragen: Wie

kann man Daten in ein computerlesbares Modell der Welt um-

wandeln? Wie kann man Sicherheitsrisiken durch Simulation

quantifizieren? Und wie kann man dies in ein durchgängiges

Softwaretool integrieren?

Können Sie einige der Innovationen erläutern, auf die Sie

stolz sind?

Kalisvaart: Sicher. Wir haben einen skalierbaren und modu-

laren Ansatz gefunden, um die Umwelt mithilfe von Szenario-

Wahrscheinlichkeiten zu modellieren. Skalierbarkeit ist wichtig

für die Kundenanpassungen. Die Wahrscheinlichkeits- und

Variabilitätsstatistiken sind entscheidend für die Abschätzung

des Sicherheitsrisikos.

Scharke: Es ist uns auch gelungen, die Methodik und die

Algorithmen von TNO mit der AVL-Pipeline für Datenerfassung,

Simulation und Berichterstellung zu kombinieren. Dies ermög-

licht einen nahtlosen Datenfluss von den Fahrdaten bis hin

zum Sicherheitsrisikobericht.

Können Sie näher erläutern, welche Vorteile dies für die

Automobilindustrie haben wird?

Scharke: Es beschleunigt den Freigabeprozess. In unserer

Branche, in der es nur wenige erfahrene Expert:innen für die

Sicherheit des automatisierten Fahrens gibt, ist dies von ent-

scheidender Bedeutung. Darüber hinaus ordnet unsere Lösung

Sicherheitsrisiken bestimmten Szenariokategorien zu und gibt

so Hinweise für die Priorisierung und das Erreichen des all-

gemeinen Sicherheitsziels.

Kalisvaart: Und sie hilft den Behörden, den Typgenehmigungs-

prozess durch die standardmäßige Einhaltung von Normen

und Vorschriften zu beschleunigen. Unser Ansatz nutzt die

grundlegenden Konzepte der bestehenden UNECE/ISO-Nor-

men und überträgt diese auf die neue Verordnung.

Was können wir in der nächsten Zeit erwarten?

Scharke: Wir haben eine erste funktionale Implementierung,

die sich auf ALKS-Manöver konzentriert. Jetzt werden wir die

Benutzerfreundlichkeit verbessern. Unsere offene Toolchain

bietet bereits die Grundlage für eine breitere Kompatibilität mit

Simulationspaketen, ein nahtloses Datenmanagement und

kundenspezifische Anpassungen.

Kalisvaart: Kunden benötigen Nachweise für Sicherheitsaus-

sagen, aber auch Nachvollziehbarkeit, um Vertrauen in das

Ergebnis zu schaffen. Unsere jüngste Ergänzung umfasst

eine Unsicherheitsmetrik für das Sicherheitsrisiko sowie einen

Vertrauensindikator, um die Zuverlässigkeit der Ergebnisse der

Sicherheitsvalidierung zu messen und um zu belegen, dass

genügend Daten gesammelt worden sind.

AVL und TNO arbeiten gemeinsam für eine sicherere Zukunft

und teilen ihre Erkenntnisse über Sicherheitsvalidierung und

Risikoquantifizierung für automatisierte Fahrzeuge.

Interview mit

Sytze Kalisvaart, Produkt- und Projektmanager bei TNO

Heiko Scharke, Globaler Produktmanager bei AVL

Erfahren Sie mehr über die

­Zusammenarbeit von AVL und TNO

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