Sicherheit gemeinsam
vorantreiben
Was hat AVL und TNO dazu inspiriert, gemeinsam am Thema
„Sicherheitsvalidierung und Risikoquantifizierung“ zu arbeiten?
Kalisvaart: Nun, die Gemeinschaft des automatisierten Fah-
rens hat einen großen Schritt in Sachen KI sowie Computer-
und Sensorfähigkeiten gemacht. Dennoch ist es eine Heraus-
forderung, die Sicherheit von autonomen Fahrzeugen aufgrund
der Systemkomplexität und der Variabilität in der realen Welt
zu gewährleisten.
Scharke: Ich stimme zu. Ein weiteres Problem ist der Umgang
mit neuen Vorschriften und Normen. Traditionell boten diese
eine klare Anleitung. Heute stehen die OEMs vor zwei gewalti-
gen Aufgaben: Sie müssen die Fahrsicherheit nachweisen und
die Einhaltung der Zulassungsvorschriften sicherstellen.
Was waren die wichtigsten Fragen, die es zu lösen galt?
Scharke: Erstens musste die Lösung auf einer soliden Me-
thodik für den Einsatz in verschiedenen Fahrumgebungen
beruhen. Zweitens musste sie datengetrieben sein. Man kann
Sicherheitsaussagen nur mit Statistiken aus der realen Welt
untermauern.
Kalisvaart: Es stellten sich also eigentlich drei Fragen: Wie
kann man Daten in ein computerlesbares Modell der Welt um-
wandeln? Wie kann man Sicherheitsrisiken durch Simulation
quantifizieren? Und wie kann man dies in ein durchgängiges
Softwaretool integrieren?
Können Sie einige der Innovationen erläutern, auf die Sie
stolz sind?
Kalisvaart: Sicher. Wir haben einen skalierbaren und modu-
laren Ansatz gefunden, um die Umwelt mithilfe von Szenario-
Wahrscheinlichkeiten zu modellieren. Skalierbarkeit ist wichtig
für die Kundenanpassungen. Die Wahrscheinlichkeits- und
Variabilitätsstatistiken sind entscheidend für die Abschätzung
des Sicherheitsrisikos.
Scharke: Es ist uns auch gelungen, die Methodik und die
Algorithmen von TNO mit der AVL-Pipeline für Datenerfassung,
Simulation und Berichterstellung zu kombinieren. Dies ermög-
licht einen nahtlosen Datenfluss von den Fahrdaten bis hin
zum Sicherheitsrisikobericht.
Können Sie näher erläutern, welche Vorteile dies für die
Automobilindustrie haben wird?
Scharke: Es beschleunigt den Freigabeprozess. In unserer
Branche, in der es nur wenige erfahrene Expert:innen für die
Sicherheit des automatisierten Fahrens gibt, ist dies von ent-
scheidender Bedeutung. Darüber hinaus ordnet unsere Lösung
Sicherheitsrisiken bestimmten Szenariokategorien zu und gibt
so Hinweise für die Priorisierung und das Erreichen des all-
gemeinen Sicherheitsziels.
Kalisvaart: Und sie hilft den Behörden, den Typgenehmigungs-
prozess durch die standardmäßige Einhaltung von Normen
und Vorschriften zu beschleunigen. Unser Ansatz nutzt die
grundlegenden Konzepte der bestehenden UNECE/ISO-Nor-
men und überträgt diese auf die neue Verordnung.
Was können wir in der nächsten Zeit erwarten?
Scharke: Wir haben eine erste funktionale Implementierung,
die sich auf ALKS-Manöver konzentriert. Jetzt werden wir die
Benutzerfreundlichkeit verbessern. Unsere offene Toolchain
bietet bereits die Grundlage für eine breitere Kompatibilität mit
Simulationspaketen, ein nahtloses Datenmanagement und
kundenspezifische Anpassungen.
Kalisvaart: Kunden benötigen Nachweise für Sicherheitsaus-
sagen, aber auch Nachvollziehbarkeit, um Vertrauen in das
Ergebnis zu schaffen. Unsere jüngste Ergänzung umfasst
eine Unsicherheitsmetrik für das Sicherheitsrisiko sowie einen
Vertrauensindikator, um die Zuverlässigkeit der Ergebnisse der
Sicherheitsvalidierung zu messen und um zu belegen, dass
genügend Daten gesammelt worden sind.
AVL und TNO arbeiten gemeinsam für eine sicherere Zukunft
und teilen ihre Erkenntnisse über Sicherheitsvalidierung und
Risikoquantifizierung für automatisierte Fahrzeuge.
Interview mit
Sytze Kalisvaart, Produkt- und Projektmanager bei TNO
Heiko Scharke, Globaler Produktmanager bei AVL
Erfahren Sie mehr über die
Zusammenarbeit von AVL und TNO
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