Was waren die technischen Ziele und die spezifischen
technologischen Herausforderungen?
Begonnen haben wir mit vier Schwerpunktthemen: keine
Einschränkungen bei der Geländetauglichkeit, Erhaltung der
Nutzlast beim Basisfahrzeug, garantiert mindestens 550 km
Reichweite unter allen Witterungsbedingungen und Erhalt der
Robustheit des „Arbeitstieres“. Für den Demonstrator war das
Ziel, zu zeigen, dass die Technologie funktioniert, dass die
Brennstoffzelle für einen emissionslosen Grenadier bestens
geeignet ist und dass die Ziele für eine potenzielle Serien
produktion realistisch erreichbar sind.
Warum hat sich INEOS für AVL als Partner entschieden?
Mit seiner Reputation als innovativer, verlässlicher Partner, der
schon seit Jahren im Bereich Brennstoffzelle tätig ist, erschien
uns AVL als hervorragende Wahl für einen Entwicklungspartner.
In Ergänzung zu den Antriebsstrangthemen konnten wir so
die Gesamtfahrzeug-Aspekte mit einem einzigen Partner ab
decken – AVL. Hier kommt es uns sehr gelegen, dass AVL in
den letzten Jahren eine große Gesamtfahrzeugentwicklungs-
Abteilung mit viel Erfahrung aufgebaut hat.
Welche Innovationen feiern in diesem Fahrzeug Premiere?
Abgesehen davon, dass hier erstmals ein Brennstoffzellen-
Antriebsstrang in ein vollwertiges Geländefahrzeug eingebaut
wurde, kommen außerdem ein intelligentes Offroad-Torque-
Vectoring („Geckomodus“) und ein elektrischer Allradantrieb
(eAWD) zum Einsatz. Darüber hinaus entstanden in einem
Kreativworkshop viele weitere Innovationen, die uns in Zukunft
noch viel Freude bereiten werden und unsere Ingenieurherzen
schneller schlagen lassen. Worum es geht? Lassen Sie sich
überraschen, es wird jedenfalls nicht langweilig.
Was war die größte Herausforderung?
Ganz klar: die Kompromisslosigkeit! Sprich, all die Herausfor-
derungen, die mit der Entwicklung eines innovativen, neuen, in
dieser Fahrzeugklasse einzigartigen Antriebs verbunden sind,
ohne Kompromisse zu meistern.
Was war INEOS’ Ansatz bei diesem Projekt? Wie wurde es
aufgesetzt und warum genau so?
Durch die Kalibrierung der Verbrennungsmotoren-Antriebe im
Basis-Grenadier kannte AVL das Fahrzeug und auch INEOS
Automotive bereits sehr gut. Mit BMW konnten wir einen
weiteren Partner mit Erfahrung in Brennstoffzellen-Systemen
gewinnen. In Verbindung mit dem Know-how von AVL beim
Antriebsstrang und Gesamtfahrzeug waren wir in diesem
Triumvirat hervorragend für die Entwicklung und Konstruktion
der Grenadier-Brennstoffzelle aufgestellt.
Wie lief die Zusammenarbeit mit AVL aus Ihrer Sicht?
Frei nach dem deutschen Fernsehmoderator Hans Rosenthal:
„Das war … spitze!“ Leider kann ich den legendären Luftsprung
hier auf Papier nicht wiedergeben. Das Fahrzeug erfüllt die
Erwartungen und Ziele – und zeigt außerdem, dass motivierte,
innovative und hervorragend arbeitende Teams Fahrzeuge
erstellen können, die alle Ziele und Erwartungen noch über-
treffen. Jeder war zu jeder Zeit offen für Diskussionen und
neue Ideen. Ganz gleich, ob in der Konstruktionsphase, beim
Aufbau oder in der Erprobung. Man hat einander zugehört, war
interessiert, lernfähig, respektvoll und hatte außerordentliches
Interesse daran, ein herausragendes Produkt zu erschaffen.
Die Partnerschaft zwischen AVL, BMW und INEOS basiert
auf Vertrauen, Verlässlichkeit, Offenheit, Hilfsbereitschaft und
Kompetenz. Dies ist eines der besten Teams, die ich in meiner
23-jährigen Erfahrung in der Automobilindustrie erlebt habe!
Das Team ist motiviert, innovativ und „packt an“. Die Mischung
aus Ehrgeiz, Leidenschaft, Sorgfalt, Offenheit im Denken und
der nötigen „Verrücktheit“ ermöglichte es uns, ein Fahrzeug zu
entwickeln, das die bisher bekannten Grenzen überschreitet!
Wie wird sich der Markt Ihrer Ansicht nach in diesem
Jahrzehnt verändern?
Um Wasserstoff als Energieträger zu verwenden, müssen
Politiker:innen die Themen Energieproduktion, Energiespei-
cherung und Energiebereitstellung neu denken und sich dabei
verantwortlich für die Realisierung fühlen. Mit dieser neuen
Denkweise wird die Implementierung einer Wasserstoff-Infra-
struktur definitiv noch in diesem Jahrzehnt möglich sein. Wir
haben ja auch beim Aufbau der Infrastruktur für batterieelektri-
sche Fahrzeuge gesehen, wie schnell Ladesäulen bereitgestellt
werden können, wenn die richtigen Anreize gesetzt werden und
die Politik es will. Vergleichbares ist in Bezug auf eine Wasser-
stoff-Infrastruktur vorstellbar, nur mit dem Unterschied, dass
diese einfacher und kostengünstiger umsetzbar wäre – wie
man in China, Deutschland, der Schweiz, Korea und Japan klar
sehen kann.
Wie wird sich INEOS für die Zukunft positionieren?
Es braucht für jeden Anwendungsbereich auch zukünftig die
richtige Technologie. Deshalb ist es wichtig, verschiedenen
Technologien gegenüber jederzeit offen zu sein, um Kunden-
bedürfnisse zu erfüllen. Zugleich müssen wir den Weg zu Null-
Emissionen so ressourcenschonend wie möglich beschreiten,
und zwar umfassend – vom Anfang bis zum Ende des Produkt-
Lebenszyklus. Die Grenadier-Brennstoffzelle und INEOS sind
bereit. Alles, was wir jetzt noch brauchen, ist die Infrastruktur.
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