AVL Focus - 75 Jahre Sonderausgabe

THE AVL MOBILITY TREND MAGAZINE - 2023

Was waren die technischen Ziele und die spezifischen

­technologischen Herausforderungen?

Begonnen haben wir mit vier Schwerpunktthemen: keine

Einschränkungen bei der Geländetauglichkeit, Erhaltung der

Nutzlast beim Basisfahrzeug, garantiert mindestens 550 km

Reichweite unter allen Witterungsbedingungen und Erhalt der

Robustheit des „Arbeitstieres“. Für den Demonstrator war das

Ziel, zu zeigen, dass die Technologie funktioniert, dass die

Brennstoffzelle für einen emissionslosen Grenadier bestens

geeignet ist und dass die Ziele für eine potenzielle Serien­

produktion realistisch erreichbar sind.

Warum hat sich INEOS für AVL als Partner entschieden?

Mit seiner Reputation als innovativer, verlässlicher Partner, der

schon seit Jahren im Bereich Brennstoffzelle tätig ist, erschien

uns AVL als hervorragende Wahl für einen Entwicklungs­partner.

In Ergänzung zu den Antriebsstrangthemen konnten wir so

die Gesamtfahrzeug-Aspekte mit einem einzigen Partner ab­

decken – AVL. Hier kommt es uns sehr gelegen, dass AVL in

den letzten Jahren eine große Gesamtfahrzeugentwicklungs-

Abteilung mit viel Erfahrung aufgebaut hat.

Welche Innovationen feiern in diesem Fahrzeug Premiere?

Abgesehen davon, dass hier erstmals ein Brennstoffzellen-­

Antriebsstrang in ein vollwertiges Geländefahrzeug eingebaut

wurde, kommen außerdem ein intelligentes Offroad-Torque-

Vectoring („Geckomodus“) und ein elektrischer Allradantrieb

(eAWD) zum Einsatz. Darüber hinaus entstanden in einem

Kreativworkshop viele weitere Innovationen, die uns in Zukunft

noch viel Freude bereiten werden und unsere Ingenieurherzen

schneller schlagen lassen. Worum es geht? Lassen Sie sich

überraschen, es wird jedenfalls nicht langweilig.

Was war die größte Herausforderung?

Ganz klar: die Kompromisslosigkeit! Sprich, all die Herausfor-

derungen, die mit der Entwicklung eines innovativen, neuen, in

dieser Fahrzeugklasse einzigartigen Antriebs verbunden sind,

ohne Kompromisse zu meistern.

Was war INEOS’ Ansatz bei diesem Projekt? Wie wurde es

aufgesetzt und warum genau so?

Durch die Kalibrierung der Verbrennungsmotoren-Antriebe im

Basis-Grenadier kannte AVL das Fahrzeug und auch INEOS

Automotive bereits sehr gut. Mit BMW konnten wir einen

weiteren Partner mit Erfahrung in Brennstoffzellen-Systemen

gewinnen. In Verbindung mit dem Know-how von AVL beim

Antriebsstrang und Gesamtfahrzeug waren wir in diesem

Triumvirat hervorragend für die Entwicklung und Konstruktion

der Grenadier-Brennstoffzelle aufgestellt.

Wie lief die Zusammenarbeit mit AVL aus Ihrer Sicht?

Frei nach dem deutschen Fernsehmoderator Hans Rosenthal:

„Das war … spitze!“ Leider kann ich den legendären Luftsprung

hier auf Papier nicht wiedergeben. Das Fahrzeug erfüllt die

Erwartungen und Ziele – und zeigt außerdem, dass motivierte,

innovative und hervorragend arbeitende Teams Fahrzeuge

erstellen können, die alle Ziele und Erwartungen noch über-

treffen. Jeder war zu jeder Zeit offen für Diskussionen und

neue Ideen. Ganz gleich, ob in der Konstruktionsphase, beim

Aufbau oder in der Erprobung. Man hat einander zugehört, war

interessiert, lernfähig, respektvoll und hatte außerordentliches

Interesse daran, ein herausragendes Produkt zu erschaffen.

Die Partnerschaft zwischen AVL, BMW und INEOS basiert

auf Vertrauen, Verlässlichkeit, Offenheit, Hilfsbereitschaft und

Kompetenz. Dies ist eines der besten Teams, die ich in meiner

23-jährigen Erfahrung in der Automobilindustrie erlebt habe!

Das Team ist motiviert, innovativ und „packt an“. Die Mischung

aus Ehrgeiz, Leidenschaft, Sorgfalt, Offenheit im Denken und

der nötigen „Verrücktheit“ ermöglichte es uns, ein Fahrzeug zu

entwickeln, das die bisher bekannten Grenzen überschreitet!

Wie wird sich der Markt Ihrer Ansicht nach in diesem

­Jahrzehnt verändern?

Um Wasserstoff als Energieträger zu verwenden, müssen

Politiker:innen die Themen Energieproduktion, Energiespei-

cherung und Energiebereitstellung neu denken und sich dabei

verantwortlich für die Realisierung fühlen. Mit dieser neuen

Denkweise wird die Implementierung einer Wasserstoff-Infra-

struktur definitiv noch in diesem Jahrzehnt möglich sein. Wir

haben ja auch beim Aufbau der Infrastruktur für batterieelektri-

sche Fahrzeuge gesehen, wie schnell Ladesäulen bereitgestellt

werden können, wenn die richtigen Anreize gesetzt werden und

die Politik es will. Vergleichbares ist in Bezug auf eine Wasser-

stoff-Infrastruktur vorstellbar, nur mit dem Unterschied, dass

diese einfacher und kostengünstiger umsetzbar wäre – wie

man in China, Deutschland, der Schweiz, Korea und Japan klar

sehen kann.

Wie wird sich INEOS für die Zukunft positionieren?

Es braucht für jeden Anwendungsbereich auch zukünftig die

richtige Technologie. Deshalb ist es wichtig, verschiedenen

Technologien gegenüber jederzeit offen zu sein, um Kunden-

bedürfnisse zu erfüllen. Zugleich müssen wir den Weg zu Null-

Emissionen so ressourcenschonend wie möglich beschreiten,

und zwar umfassend – vom Anfang bis zum Ende des Produkt-

Lebenszyklus. Die Grenadier-Brennstoffzelle und INEOS sind

bereit. Alles, was wir jetzt noch brauchen, ist die Infrastruktur.

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