Die intensive Weiterentwicklung der Dieselmotoren-
technologie führte 1963 unter anderem zum Bau eines
18-Zylinder- Zweitakt-Dieselmotors mit 2 250 PS. Neben
der Motorenentwicklung startete AVL mit der Herstellung
von Motorentestgeräten und nahm die Serienproduktion
von Quarzdruckaufnehmern, gravimetrischen Kraftstoff-
verbrauchs-Messeinrichtungen, Rauchgasmessgeräten und
kompletten Motorindiziersystemen auf. 1966 trat Helmut List
in die AVL ein, zunächst als Leiter der Produktionsabteilung
für elektronische und feinmechanische Messgeräte. Im selben
Jahr wurden zwei weitere Motorenprüfstände gebaut, darunter
eine Anlage für akustische Untersuchungen. Diese hatte eine
für die Zeit revolutionäre Raumgestaltung mit einer reflexions-
armen Ausstattung von Wänden, Decke und Boden, die alle
externen Störungen ausschloss.
Da das Unternehmen bereits Erfahrung mit Messgeräten hatte
und eine gewisse AfÏnität zu medizinischen Geräten bestand,
begann AVL mit der Entwicklung neuartiger medizinischer
1960er-Jahre
Messgeräte. Forschungsergebnisse von Universitätsprofessor
Dr. Karl Harnoncourt auf dem Gebiet der Medizintechnik waren
hierbei von Bedeutung. Die Elektronik des ersten Modells
wurde zunächst von AVL mit dem Institut für Elektromedizin
an der Technischen Universität Graz entwickelt, doch schon
bald übernahm die AVL-Elektronikabteilung die gesamte Ent-
wicklung.
Im Jahr 1967 schloss Helmut List sein Maschinenbaustudium
an der Technischen Universität Graz als Diplomingenieur ab.
1968 übernahm der Sohn des AVL-Gründers neben seiner
Rolle als Produktionsleiter auch die Projektleitung für das
medizinische Messgerät Gas Check 935. Mit der Auslieferung
der ersten grünen Geräte an Kunden im Jahr 1969 setzte eine
intensive Entwicklungsphase ein, die kontinuierliche Produkt-
verbesserungen hervorbrachte. Zeitgleich wurde am Hauptsitz
der erste digitale Prüfstand installiert.
1962
Gründung AVL Test Systems, Inc.
1962 wurde in Plymouth, im US-Bundesstaat Michigan, die
AVL Test Systems, Inc. gegründet. Das Tochterunternehmen
ist seitdem erfolgreich gewachsen und agiert nach wie vor von
diesem Standort aus. Heute bietet es ein umfassendes Portfolio,
das von der Ausstattung kompletter Batterielabore bis hin zu
Komponenten tests und Lösungen für sämtliche E-Mobilitäts-
projekte reicht. Die ADAS-/AD-Lösungen des Unternehmens
sorgen für eine sichere, autonome mobile Zukunft.
Die Leistungen des österreichischen Arztes und Universitätsprofessors
Dr. Karl Harnoncourt beinhalten Blutgas-Analysatoren, die AVL in den
1960er-Jahren auf Grundlage seiner Forschungsergebnisse herstellte.
1951 wurde in Graz die heutige „Anstalt für Verbrennungs-
kraftmaschinen List“ (kurz AVL) formell gegründet. Unterstützt
durch Investitionsmittel aus dem Marshallplan entstand 1952
in der Kleiststraße 48 das zentrale Versuchsgelände mit eige-
nen Prüfständen und einer Werkstätte. Dadurch konnte AVL
weitere Aufträge zur Motorenentwicklung übernehmen, unter
anderem für die Jenbacher Werke, für Steyr-Daimler-Puch und
zahlreiche ausländische Unternehmen. Bis heute befinden
sich an diesem Standort die Konzernleitung sowie der Haupt-
sitz für zentrale Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten.
1950er-Jahre
1955 beschloss AVL, Motoren für Nutzfahrzeuge zu ent-
wickeln. Die Marktanalyse ermittelte einen Bedarf an
Diesel- Kleinlastwagen mit 800 bis 1 000 kg Nutzlast sowie
an leichten Geräteträgern für kleinere landwirtschaftliche
Betriebe. Bald darauf vereinbarte AVL mit der Stahlindustrie in
Rottenmann die Konstruktion und Fertigung von dieselbetrie-
benen Lieferwagen. 1958 stellte AVL die ersten direkt einsprit-
zenden Viertakt-Dieselmotoren für Lastkraftwagen vor, die mit
Drallkanälen ausgestattet waren. Diese ersetzten die Zweitakt-
motoren und Viertakt-Vorkammermotoren.
Erste Erweiterung der AVL im Jahr 1952
Nächste Erweiterung 1958
75 YEARS AND BEYOND
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