Simulation und Testergebnisse in einer cyberphysikalischen
Entwicklungsumgebung.
Im Laufe der Jahre gestaltete Helmut List die AVL so –
gemessen an den Erfindungen – zum innovativsten Unterneh-
men Österreichs. Der Konzern führt schon seit vielen Jahren
die Rankingliste beim österreichischen Patentamt an.
Auch für eine exzellente Zusammenarbeit der Universitäten
mit der Wirtschaft setzt sich Helmut List ein, regte unter
anderem die Gründung der Christian Doppler Labore sowie
der Kompetenzzentren in Österreich an und setzt sie mit
um. Zehn Jahre lang engagierte er sich als Vorsitzender des
Universitätsrats der Technischen Universität Graz. Auch an
der Gründung der steirischen Fachhochschulen im Jahr 1995
und später der steirischen Hochschulkonferenz war er aktiv
mitbeteiligt.
Von besonderer Bedeutung im Schaffen von Helmut List ist
sein großes europäisches Engagement, geleitet von seiner
Überzeugung als Europäer, den Forschungs-, Innovations- und
Wirtschaftsraum aktiv mitzugestalten. Er brachte seine Sicht
von Innovation bereits seit dem EU-Beitritt Österreichs in
einer Reihe von Gremien zum Thema Forschung und Techno-
logieentwicklung ein. Beispielsweise engagierte er sich als
Vorsitzender von IRDAC, dem Hauptberatungsgremium der
Europäischen Kommission für industrielle Forschungs- und
Technologieentwicklung, als Vice-Chairman von ERTRAC
(European Road Transport Research Advisory Council) oder
Chairman von SSTAG (Sustainable Surface Transport Advisory
Group). In diesen und anderen Gremien geht es um die Ver-
knüpfung technologischer Fragen mit jenen der Anwendung
für die Gesellschaft und Bedeutung der Nachhaltigkeit.
Ein Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Kunst gelang
Helmut List mit der Eröffnung der Helmut List Halle im Jahr
2003 in Graz. Die akustische Brillanz der Halle wurde gemein-
sam von AVL Wissenschaftlern mit der Anwendbarkeit auf
Gesellschaft und Nachhaltigkeit.
2007 folgte die Gründung der AVL Cultural Foundation durch
Helmut List und seine Frau Kathryn, die sie seither mit großem
Einsatz und hohem Engagement leitet. Gemäß dem Leitgedan-
ken, dass technische Innovation und künstlerisches Schaffen
wichtige Gemeinsamkeiten haben, wird nun schon seit vielen
Jahren Kunst mit Technik verknüpft und unterschiedlichste
Kunst- und Kulturprojekte insbesondere in den Bereichen der
Avantgarde und Art & Science gefördert.
In Gedenken an seinen Vater unterstützt Helmut List außer-
dem über den Hans List Fonds Studierende technischer Stu-
dienrichtungen, die auf dem Gebiet der Fahrzeugantriebs- und
Fahrzeugtechnik sowie verwandter Bereiche wissenschaftlich
arbeiten.
1987
Ehrenbürgerschaft der Karl-Franzens-Universität Graz
1992
Verleihung des Titels „Professor“ durch das österreichische Wissen-
schaftsministerium auf Empfehlung der Technischen Universität
Wien
1993
Ehrendoktorat für Ingenieurwissenschaften, Technische Universität
Dresden, Deutschland
1994
Ehrensenator, Karl-Franzens-Universität Graz
1997
Ehrenprofessur, Universität von Tongji, China
1997
Josef-Krainer-Preis, Landeshauptmann der Steiermark
1999
Ehrenprofessur, Universität von Jilin, China
2000
Rosthorn-Medaille, österreichische Bundesregierung
2002
Ehrenring, Stadt Graz
2003
Exner-Medaille, Österreichische Vereinigung für kleine und mittlere
Unternehmen (KMU)
2005
Großes Ehrenzeichen der Steiermark, Steiermärkische Landesregie-
rung
2007
Colin-Trust-Preis
2010
Großes Goldenes Ehrenzeichen, Steiermärkische Landesregierung
2012
Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, Erste
Klasse
2013
Erzherzog-Johann-Ring, Technische Universität Graz
2014
FISITA-Medaille
2015
Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern, Steiermärkische
Landesregierung
2017
Erzherzog-Johann-Forschungspreis, Wirtschaftskammer der Steier-
mark
2017
Hermes Business Award, Bundesministerium für Wissenschaft, For-
schung und Wirtschaft, Wirtschaftskammer Österreich, führende
Unternehmen Österreichs
2022
Kommerzialrat (Berufsbezeichnung, verliehen durch den österreichi-
schen Bundespräsidenten für Verdienste um die Republik)
2023
Ehrenbürger der Stadt Graz
Prof. Helmut List
Ehrungen und Auszeichnungen
Leben und Werk von Prof. Helmut List in wenigen Worten zu
würdigen, ist schier unmöglich. Seit fast sechs Jahrzehnten
prägt er die AVL, und mit seinen vielen Leistungen verkörpert er
den Geist unseres Unternehmens.
Über das Leben und
die Erfolge von
Prof. Helmut List
Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Helmut List
das Gymnasium in der Lichtenfelsgasse in Graz. Bereits in
jungen Jahren zeigte er ein herausragendes Talent für Technik
und begann an Radiogeräten zu basteln, was ihn letztendlich
dazu führte, Maschinenbau und Elektrotechnik an der Techni-
schen Universität Graz zu studieren. Bereits während seiner
Ausbildung sammelte er Praxiserfahrung in Motorenwerken in
England, den USA, Frankreich und Deutschland.
1966 trat er in die AVL ein, wo er zunächst die Produktions-
abteilung für elektronische und feinmechanische Messgeräte
leitete. Zusätzlich übernahm er die Projektleitung für die
Entwicklung eines neuen medizinischen Blutgas-Analysators
nach einem Konzept von und in Zusammenarbeit mit Prof.
Dr. Karl Harnoncourt. Die Blutgasanalyse bildete den Kern der
späteren AVL Medizintechnik, die Helmut List als Geschäfts-
führer leitete und auch technisch begleitete – vom Beginn an
bis zum Verkauf an Roche Diagnostics im Jahr 2000.
Im Jahr 1970 wurde eine neue, jüngere Geschäftsführung bei
AVL eingesetzt, wobei Helmut List den Vorsitz für den Bereich
Messtechnik, Produktion und Vertrieb übernahm und somit die
Grundlage für ein konstant rasches Wachstum bildete. Zusätz-
lich begann er in dieser Zeit mit dem weltweiten Aufbau von
AVL Tochtergesellschaften.
Im Dezember 1975 heiratete Helmut List seine erste Ehefrau
Dagmar Grill, und sie bekamen ihre Tochter Katharina im Jahr
1979. Während einer seiner Reisen lernte er seine aus Amerika
stammende zweite Ehefrau Kathryn kennen. Sie heirateten
1987 in Dearborn, USA. Im Jahr 1989 wurde ihr Sohn Hans
Gordon geboren, benannt nach den beiden Großvätern, und
1991 folgte die Geburt ihrer Tochter Olivia sowie 1996 ihrer
Tochter Clara Elizabeth.
1979 übernahm Helmut List den Vorsitz der Geschäfts-
führung für das Gesamtunternehmen. Die richtungsweisenden
Erkenntnisse und Forschungen auf dem Gebiet der Diesel-
motorentechnologie wurden unter seiner Leitung ausgebaut.
Unter seiner Führung expandierte AVL zu einem globalen
Unternehmen mit einem weltweiten Netzwerk von Tech
Centern. In den vergangenen 20 Jahren engagierte er sich mit
hoher Priorität dafür, den Fokus vom Motor auf den gesamten
Antrieb auszuweiten und setzte viele Initiativen zu Akquisitio-
nen und Forschungsprogrammen, um die Elektrifizierung des
Antriebs voranzutreiben. Heute ist AVL mit 11 200 Mitarbeiten-
den an mehr als 90 Standorten und mit 45 Kompetenz- und
Entwicklungszentren eines der weltweit führenden Mobilitäts-
technologie-Unternehmen für Entwicklung, Simulation und
Testen in der Automobilindustrie und in anderen Branchen.
Einer der wichtigsten Schwerpunkte von Helmut List ist die
gezielte Anwendung von Forschung. Dies zeigt sich sowohl
im hohen F&E-Anteil in allen strategischen Geschäftsfeldern
als auch in einer Vielzahl von Kooperationen mit Universitäts-
instituten im In- und Ausland.
Durch seine Initiativen wurden zahlreiche F&E-Bereiche revo-
lutioniert: etwa die Digitalisierung in der AVL, die Helmut List
bereits in den 70ern mit der Einführung digitaler Prüfstands-
steuerungen initiierte; oder die Entwicklung vollkommen neuer,
unbekannter Materialien wie dem Gallium-Phosphat-Kristall
mit höchster Temperaturbeständigkeit für Druckmessungen.
Revolutionär war auch seine Idee, subjektive Bewertungen der
Fahrbarkeit eines Autos durch den Fahrer mit messbaren Grö-
ßen am Fahrzeug zu korrelieren und aus der Vielzahl solcher
Korrelationen einen objektiven, reproduzierbaren Maßstab zu
gewinnen. Damit initiierte er die AVL Drivability Technologie.
Bereits 1980 setzte er entscheidende Initiativen auf dem
Gebiet der mathematischen Modellierung von Strömungsvor-
gängen, welche zum späteren Aufbau der Sparte „Advanced
Simulation Technologies“ führte. Mit der „Integrated and Open
Development Platform“ vereinte er interaktiv mathematische
75 YEARS AND BEYOND
10 | 11
SONDERAUSGABE