AVL Focus - 75 Jahre Sonderausgabe

THE AVL MOBILITY TREND MAGAZINE - 2023

1946 gründete Professor Dipl.-Ing. Dr. Dr. h. c. mult. Hans List

das Ingenieurbüro List „IBL“, das er 1948 in „Anstalt für

Verbrennungs motoren Prof. Hans List“ umbenannte. Sein Ziel

war die Entwicklung moderner Motoren, die auf den jeweils

neuesten Erkenntnissen der Grundlagenforschung basieren

und zugleich die wachsenden Wirtschaftlichkeitskriterien der

Industrie berücksichtigen.

Erster Auftrag des jungen Unternehmens war die Entwicklung

eines robusten industriellen Dieselmotors. Dieser wurde 1949

serienmäßig bei den Jenbacher Werken in Tirol und in der

Andritzer Maschinenfabrik in Graz hergestellt. Bereits damals

basierte der Erfolg des Unternehmens auf den Säulen Entwick-

lungs- und Konstruktionskompetenz, strenge Tests sowie

Einnahmen aus Patenten.

1940er-Jahre

Die Veröfentlichungen

von Hans List gehören

noch heute zu den

weltweit bedeutendsten

wissenschaflichen

Buchreihen über

Verbrennungsmotoren.

seinen Lehrstuhl in Graz übernehmen sollte, was auch geneh-

migt wurde. In Dresden knüpfte List enge Verbindungen zur

Industrie, insbesondere zu den Flugmotorenabteilungen von

Mercedes-Benz und BMW. Er wurde beauftragt, die Leistung

von Flugmotoren durch Untersuchungen an Kolbenmotoren zu

steigern.

Im Zuge des Deutsch-Sowjetischen Krieges während des

Zweiten Weltkrieges plante die Politik, große Teile Russlands

zur Erzeugung von Lebensmitteln wie Getreide zu verwenden.

Auf den kolonialisierten Landesteilen sollten Farmen errichtet

werden, deren Energiebedarf durch Windräder gedeckt werden

sollte. Die so gewonnene Elektrizität wollte man in Akkumula-

toren speichern und teilweise zur Erzeugung von Wasserstoff

und Sauerstoff verwenden. Hans List erhielt die Aufgabe,

sich um den Wasserstoffmotor zu kümmern und Kontakte

zu Wissenschaftlern herzustellen. Durch die Niederlage der

deutschen Armee in Russland verlor das Projekt jedoch an

Aktualität. Nach dem Kriegsende wagte Hans List im Alter von

50 Jahren den Schritt in die Unternehmertätigkeit und grün-

dete das Ingenieurbüro List (IBL) als Vorläufer der AVL. Sein

Engagement für technischen Fortschritt und Innovation prägte

fortan viele Erfolge und technologische Durchbrüche in der

Geschichte der AVL. Als ältester Patentinhaber der Welt wurde

er dabei sogar im Guinness-Buch der Rekorde verewigt: Im

stolzen Alter von 99 Jahren erhielt er ein europäisches Patent,

das seine anhaltende Innovationskraft unterstrich. Hans List

starb am 10. September 1996.

1952

Goldene Ehrenmünze des Österreichischen Ingenieur- und Archi-

tektenvereins

1955

Ackroyd-Stuart-Preis der Institution of Mechanical Engineers,

England

1958

Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich

1959

Auszeichnung mit dem Ehrenring der Stadt Graz

1963

Verleihung des Ehrendoktors der Technischen Universität Graz

1967

Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste an der Republik

Österreich

1971

Prix de Promotion International Technique d’Institute Internatio-

nal de Promotion et de Prestige, Paris

1976

Ehrenbürger der Stadt Graz

1976

Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern des Landes

Steiermark

1980

Schrödinger-Preis der Österreichischen Akademie der Wissen-

schaften

1981

Verleihung des Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst durch

den Bundespräsidenten

1981

Ehrenring des Landes Steiermark

1985

Verleihung der Ehrenprofessur der Tongji-Universität in China

1986

Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern der Republik

Österreich

1989

Kaplan-Medaille der Österreichischen Vereinigung der Patent-

inhaber und Erfinder

1989

Foreign Associate der National Academy of Engineering (USA)

1989

Ehrenmitglied des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-

vereins

1990

Fiftieth Special Anniversary Horning Memorial Award, verliehen

durch SAE (USA)

1991

Verleihung der Ehrenprofessur der Jiangsu-Universität in China

1991

Soichiro Honda Medal der American Society of Mechanical

Engineers

Prof. Hans List

Ehrungen und Auszeichnungen

Im Laufe seines

Berufslebens hat

Prof. Hans List mehr

als 300 Patente

angemeldet.

75 YEARS AND BEYOND

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