1946 gründete Professor Dipl.-Ing. Dr. Dr. h. c. mult. Hans List
das Ingenieurbüro List „IBL“, das er 1948 in „Anstalt für
Verbrennungs motoren Prof. Hans List“ umbenannte. Sein Ziel
war die Entwicklung moderner Motoren, die auf den jeweils
neuesten Erkenntnissen der Grundlagenforschung basieren
und zugleich die wachsenden Wirtschaftlichkeitskriterien der
Industrie berücksichtigen.
Erster Auftrag des jungen Unternehmens war die Entwicklung
eines robusten industriellen Dieselmotors. Dieser wurde 1949
serienmäßig bei den Jenbacher Werken in Tirol und in der
Andritzer Maschinenfabrik in Graz hergestellt. Bereits damals
basierte der Erfolg des Unternehmens auf den Säulen Entwick-
lungs- und Konstruktionskompetenz, strenge Tests sowie
Einnahmen aus Patenten.
1940er-Jahre
Die Veröfentlichungen
von Hans List gehören
noch heute zu den
weltweit bedeutendsten
wissenschaflichen
Buchreihen über
Verbrennungsmotoren.
seinen Lehrstuhl in Graz übernehmen sollte, was auch geneh-
migt wurde. In Dresden knüpfte List enge Verbindungen zur
Industrie, insbesondere zu den Flugmotorenabteilungen von
Mercedes-Benz und BMW. Er wurde beauftragt, die Leistung
von Flugmotoren durch Untersuchungen an Kolbenmotoren zu
steigern.
Im Zuge des Deutsch-Sowjetischen Krieges während des
Zweiten Weltkrieges plante die Politik, große Teile Russlands
zur Erzeugung von Lebensmitteln wie Getreide zu verwenden.
Auf den kolonialisierten Landesteilen sollten Farmen errichtet
werden, deren Energiebedarf durch Windräder gedeckt werden
sollte. Die so gewonnene Elektrizität wollte man in Akkumula-
toren speichern und teilweise zur Erzeugung von Wasserstoff
und Sauerstoff verwenden. Hans List erhielt die Aufgabe,
sich um den Wasserstoffmotor zu kümmern und Kontakte
zu Wissenschaftlern herzustellen. Durch die Niederlage der
deutschen Armee in Russland verlor das Projekt jedoch an
Aktualität. Nach dem Kriegsende wagte Hans List im Alter von
50 Jahren den Schritt in die Unternehmertätigkeit und grün-
dete das Ingenieurbüro List (IBL) als Vorläufer der AVL. Sein
Engagement für technischen Fortschritt und Innovation prägte
fortan viele Erfolge und technologische Durchbrüche in der
Geschichte der AVL. Als ältester Patentinhaber der Welt wurde
er dabei sogar im Guinness-Buch der Rekorde verewigt: Im
stolzen Alter von 99 Jahren erhielt er ein europäisches Patent,
das seine anhaltende Innovationskraft unterstrich. Hans List
starb am 10. September 1996.
1952
Goldene Ehrenmünze des Österreichischen Ingenieur- und Archi-
tektenvereins
1955
Ackroyd-Stuart-Preis der Institution of Mechanical Engineers,
England
1958
Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich
1959
Auszeichnung mit dem Ehrenring der Stadt Graz
1963
Verleihung des Ehrendoktors der Technischen Universität Graz
1967
Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste an der Republik
Österreich
1971
Prix de Promotion International Technique d’Institute Internatio-
nal de Promotion et de Prestige, Paris
1976
Ehrenbürger der Stadt Graz
1976
Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern des Landes
Steiermark
1980
Schrödinger-Preis der Österreichischen Akademie der Wissen-
schaften
1981
Verleihung des Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst durch
den Bundespräsidenten
1981
Ehrenring des Landes Steiermark
1985
Verleihung der Ehrenprofessur der Tongji-Universität in China
1986
Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern der Republik
Österreich
1989
Kaplan-Medaille der Österreichischen Vereinigung der Patent-
inhaber und Erfinder
1989
Foreign Associate der National Academy of Engineering (USA)
1989
Ehrenmitglied des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-
vereins
1990
Fiftieth Special Anniversary Horning Memorial Award, verliehen
durch SAE (USA)
1991
Verleihung der Ehrenprofessur der Jiangsu-Universität in China
1991
Soichiro Honda Medal der American Society of Mechanical
Engineers
Prof. Hans List
Ehrungen und Auszeichnungen
Im Laufe seines
Berufslebens hat
Prof. Hans List mehr
als 300 Patente
angemeldet.
75 YEARS AND BEYOND
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SONDERAUSGABE