Dass Hans List der Urvater der heutigen AVL war, ist weithin
bekannt. Aber wussten sie auch, dass er schon in den 1940er-
Jahren auf dem besten Weg war, ein Wasserstoffpionier zu
werden? Oder dass er mit fast 100 Jahren als einer der ältesten
Menschen der Welt ein Patent erhielt? Aber alles der Reihe nach.
er am 30. April 1896 geborene Hans List wuchs in einer
großbürgerlichen Grazer Familie um die Jahrhundert-
wende auf. Sein Großvater, Eduard List, führte bis 1900
das renommierte „Grand Hotel à l’Éléphant“, das zu jener Zeit
zu den größten Hotels der Stadt zählte und unter anderem Mit-
glieder des Kaiserhauses beherbergte.
Hans Lists Vater, Hugo List (1857-1932), absolvierte die Grazer
Handelsakademie und arbeitete zunächst für die Escompte
Bank. Nach dem Börsenkrach von 1873 trat er aus der Bank
aus und entwickelte ein zunehmendes Interesse an Technik.
Er studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Hoch-
schule in Graz und arbeitete anschließend als Ingenieur für
das Steirische Landes-Eisenbahnamt im Bereich Eisenbahn-
bau. Von 1890 bis 1906 leitete er zusammen mit den Herren
Brunetti und Radl die Firma „Brunetti, List & Radl“, die sich mit
dem Bau von Schmalspurbahnen in Niederösterreich beschäf-
tigte.
Inspiriert von seinem Vater, entwickelte auch Hans List eine
Leidenschaft für Technik. Er studierte Maschinenbau an der
Technischen Universität in Graz und schloss sein Studium
nach sechs Semestern ab. 1920 erhielt er eine Anstellung
in der Dieselmotorenabteilung der Grazer Waggon- und
Maschinen fabrik. Zunächst war er für verschiedene Detail-
zeichnungen von Kurbelwellen zuständig, wurde aber allmäh-
lich mit der Konstruktion komplexer Teile betraut. Schließlich
entwarf er einen Steuerapparat für einen Motor, der vollständig
rauchfrei war und bei dem der Treibstoff durch komprimierte
Luft zerstäubt wurde.
1926 wurde er als Wissenschaftler an die Tongji-Universität in
China berufen. Die turbulente Schiffsreise führte von Genua
durch den Suezkanal über Colombo, Singapur, Borneo und
Hongkong nach Shanghai. Dort angekommen, errichtete er ein
Institut für bedeutende Forschungsarbeiten zur Berechnung
von Schwingungsvorgängen des Ladungswechsels von Ver-
brennungsmotoren.
Von 1932 bis 1941 bekam er einen Lehrauftrag als Profes-
sor für Verbrennungskraftmaschinen an der Technischen
Hochschule in Graz. In dieser Zeit waren Dipl.-Ing. Egon
Niedermayer als Assistent und Dr. Anton Pischinger als
wissenschaftliche Hilfskraft bei ihm angestellt. Gemeinsam
setzten sie ihre Forschungsarbeiten fort. 1941 wurde Hans
List nach Dresden beordert und schlug vor, dass Dr. Pischinger
Innovativ bis ins hohe Alter:
Prof. Hans List
Hauptlehrgebäude der
Tongji-Universität in Wusong
Gründung und
Entwicklung der
AVL
In 75 Jahren haben wir einen
außergewöhnlichen Weg zurückgelegt:
von einem robusten industriellen
Dieselmotor 1949 zu einem der weltweit
führenden Mobilitätstechnologie-
Unternehmen für Entwicklung, Simulation
und Testen.
SONDERAUSGABE
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75 YEARS AND BEYOND