Das Band zwischen AVL und
China ist älter als AVL selbst
AVL China
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Wie sind Sie zu AVL gekommen und was war Ihre ursprüng-
liche Motivation?
Mein Hintergrund ist eher untypisch für AVL, da ich nicht von
der technischen Seite komme, sondern von der Politik- und
Wirtschaftswissenschaft. Ich habe an der Columbia Graduate
School studiert und mich schon dort viel mit China beschäf-
tigt – mit der Sprache und dem Land. Danach habe ich vier
Jahre in einem Think Tank in Taiwan gearbeitet und Wirt-
schaftsforschung betrieben. Zurück in den USA hatte ich viel
mit chinesisch-amerikanischen Geschäftsbeziehungen zu tun
und gründete 1989 mein eigenes Start-up in diesem Bereich.
Mitte der 1990er Jahre kam AVL auf mich zu: Die Firma wollte
ihr China-Geschäft weiter ausbauen und brauchte einen Exper-
ten. Ich kam nach Graz, traf Prof. List und beschloss, es zu ver-
suchen. In all den Jahren hat er mich immer voll unterstützt.
Ich respektiere ihn sehr – als Visionär und als Führungsper-
sönlichkeit.
Wie hat sich AVL China über die Jahre hinweg entwickelt?
Als ich im Januar 1995 bei AVL in China anfing, waren wir
gerade einmal zwölf Leute. Wir mussten erst die Struktu-
ren schaffen, um wachsen zu können. Ich habe mich daher
intensiv um den Aufbau der Belegschaft gekümmert. Die
ersten zehn Jahre waren sehr schwierig, aber dann waren die
Bedingungen richtig und der Markt in China war bereit. Heute
sind wir eine wertvolle Säule innerhalb der AVL mit über 750
Beschäftigten und einem beachtlichen Anteil am Gesamt-
umsatz. In China sind wir zum Beispiel die Nummer eins für
Emissionstests. Wir haben hier über die Jahre mehr als 2 000
Prüfstände installiert. Das ist enorm. Unser Ziel war es immer,
Marktführer in unserem Bereich zu sein. Ich halte nichts da-
von, Zweiter zu sein!
Welche Meilensteine gab es für AVL in China?
Wo soll ich da beginnen? Wichtige Stationen waren sicherlich
die verschiedenen Standorteröffnungen: 1995 unser erstes
Büro in Shanghai, dann unser erstes Technical Center in
Shanghai, das 2003 in Betrieb ging. Ab diesem Zeitpunkt konn-
ten wir erstmals vor Ort für unsere chinesischen Kunden tätig
werden. 2016 haben wir ein zweites Technical Center in Tianjin
eröffnet. 2018 folgte in Chengdu ein sehr bedeutendes, hoch-
spezialisiertes Softwarezentrum, das wir zusammen mit Graz
und Regensburg realisiert haben. Wir haben weiter expandiert,
mit einer neuen Werkstatt in Lingang (Shanghai) für die Pro-
duktion im Bereich Instrumentation and Test Systems. Und wir
haben einen Inverter-Prüfstand für Engineering-Projekte mit
Bezug zu den von BEVs benötigten Steuergeräten installiert.
Das Fundament für die Zukunft ist gelegt und es passt perfekt
zu unserer Strategie, Marktführer bei Mobilitätslösungen im
Bereich NEV (New Energy Vehicle) zu werden. Wir haben diese
Reise vor zwölf Jahren begonnen und teilen diese Vision mit
unserer gesamten Belegschaft in China.
Welche Rolle spielt Teamwork für den Erfolg von AVL in China?
Der Führungsstil von Prof. Helmut List ist in dieser Hinsicht ein
Vorbild für uns alle. AVL ist eine große Familie und dazu passt
die chinesische Kultur sehr gut. Loyalität ist hier sehr wichtig.
Bei AVL haben Mitarbeiter:innen die Möglichkeit, zu wachsen
und zu einer besseren Welt beizutragen. Wenn jemand in
unser Unternehmen eintritt, hoffen wir, dass er möglichst seine
gesamte Karriere bei uns absolviert. Natürlich unterstützen wir
unsere Mitarbeiter:innen, wenn sie sich verändern wollen. AVL
ist groß und vielfältig genug, dass dies in den meisten Fällen
auch innerhalb des Unternehmens möglich ist.
Zwischen AVL und China besteht eine besondere Verbunden-
heit. Woher kommt das?
Tatsächlich sind die Beziehungen zu China sogar noch älter als
die AVL selbst. Von 1926 bis 1932 war AVL-Gründer Hans List
Professor an der Tongji-Universität. Sein Andenken wird hier
in China noch heute hochgehalten. An der Tongji-Universität
gibt es ein Museum mit vielen wunderbaren Fotos und sogar
Michael Laske, Geschäftsführer von AVL China, spricht über
seine Anfänge bei AVL, wichtige Meilensteine, den sich rasant
verändernden chinesischen Markt und was all dies für die
Zukunft von AVL und die Branche bedeutet.
Interview mit
Michael Laske
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