einigen alten Dynos, die er während seiner Zeit in China für
seine Forschungen verwendete. Seine Lehrbücher sind ins Chi-
nesische übersetzt worden. Und alle, die hier Automobiltechnik
studieren, wissen um die Leistungen von Prof. Hans List sowie
um die Beiträge, die AVL unter der Leitung von Prof. Helmut
List für den chinesischen Automobilsektor erbracht hat.
Als langjähriger Kenner der chinesischen Automobilindustrie –
was sind für Sie die bemerkenswertesten Entwicklungen?
Als ich nach China kam, gab es nur wenige Autos auf den
Straßen. Alle fuhren Fahrrad. Ab dem Jahr 2000 änderte sich
das grundlegend. Die Regierung hatte beschlossen, eine wett-
bewerbsfähige Automobilindustrie aufzubauen. Viele aus-
ländische Unternehmen kamen ins Land und investierten. Der
Markt boomte und für AVL gab es reichlich zu tun. 2010 folgte
der nächste Paradigmenwechsel: Den politischen Entschei-
dungsträgern in China war klar, dass sie den Vorsprung der
Europäer, Japaner und Amerikaner bei den traditionellen Ver-
brennungsmotoren nicht so schnell aufholen konnten. Daher
haben sie ihre Investitionsprioritäten und ihre Industriepolitik
auf Elektrifizierung, ADAS/AD und Brennstoffzellenanwen-
dungen ausgerichtet. Alle dahingehenden Aktivitäten werden
vom chinesischen Staat auf nationaler und lokaler Ebene stark
gefördert. Wir bei AVL haben das antizipiert und uns mit unse-
rem globalen Netzwerk an Technologieentwicklungszentren
entsprechend aufgestellt – mit Prüfständen für E-Achsen,
Batterieentwicklung, Brennstoffzellenforschung und so weiter.
Worin sehen Sie den größten Unterschied zwischen China
und anderen Märkten, und was leiten Sie daraus für AVL ab?
Der chinesische Markt ist von Wettbewerb geprägt. Wenn man
mit einem Produkt oder einer Lösung erfolgreich ist, gibt es
sofort zehn andere Anbieter, die es besser machen wollen. Der
Wettbewerb ist grenzenlos und die Chinesen arbeiten unglaub-
lich hart, um erfolgreich zu sein. Heute kommen sehr viele
technologische Innovationen aus China und das Land hat in
vielen Bereichen längst die Marktführerschaft übernommen –
zum Beispiel bei BEVs und Software-definierten Fahrzeugen.
Für AVL bedeutet das, die richtigen Ansatzpunkte zu finden,
wo wir einen Unterschied machen können. Schnelle und kos-
tengünstige Lösungen – von allen Ebenen unserer strategi-
schen Geschäftsbereiche. Unsere chinesischen Kunden sind
immer auf der Suche nach Innovationen.
Welche Rolle spielen die Werte der AVL für den Erfolg?
Unsere Werte sind eine gute Basis, um auf jedem Markt zu be-
stehen. Pioniergeist, Innovationskraft, Leidenschaft, Unabhän-
gigkeit und vor allem Zuverlässigkeit: Wenn wir einem Kunden
sagen, dass wir ein wichtiges Problem lösen können, dann
lösen wir es auch. Wo wir meiner Meinung nach noch besser
werden können, ist die Geschwindigkeit, mit der wir Aufgaben
erledigen. Die Entwicklungszyklen der Industrie werden immer
kürzer – vor allem hier in China. Da müssen wir Schritt halten.
Was reizt Sie an der Zukunft von AVL und der Automobil-
industrie insgesamt am meisten?
Die Beschleunigung des technologischen Wandels hat mich
schon immer fasziniert. Quantencomputer und Künstliche
Intelligenz werden diesen Trend weiter vorantreiben. Unser
Denken muss sich diesem Tempo anpassen. Ich bin gespannt,
wo wir in zehn Jahren beim autonomen Fahren stehen. Ich
bin sehr zuversichtlich, dass es nicht mehr lange dauert, bis
wir unsere Autos nicht mehr selbst steuern. Aus AVL-Sicht ist
es wichtig, die richtigen Leute im Haus zu haben, um sich den
neuen Herausforderungen zu stellen und die Transformation
zu managen. Für uns bei AVL China, die wir schon mit hunder-
ten von Kunden zu tun hatten, ist es immer wieder spannend,
neue Organisationen zu unterstützen und mit jungen Unter-
nehmer:innen und Ingenieur:innen zusammenzuarbeiten. Sie
haben neue Denkweisen und Visionen für die Zukunft. Und
natürlich spielen wir weiterhin eine wichtige Rolle, wenn es da-
rum geht, die Probleme des Klimawandels zu lösen. Was wir
tun, ist wichtig. Wir können jeden Morgen mit der Gewissheit
aufwachen, dass wir Lösungen finden und nicht neue Proble-
me für die Menschheit schaffen.
Welchen Rat haben Sie für junge Menschen, die gerade bei
AVL anfangen?
Seid flexibel und offen für neue Herausforderungen. Arbeitet
hart, es lohnt sich. AVL ist ein großartiger Arbeitgeber, weil
hier jede:r Einzelne eine erfolgreiche Karriere aufbauen und
etwas bewegen kann. Bei AVL haben talentierte Menschen
die echte und seltene Chance, eigene Träume und Ambitionen
zu verwirklichen. Das ist einer der Hauptgründe, warum junge
Menschen zu AVL kommen und über Jahrzehnte bleiben.
„Die Beziehungen zu
China sind sogar noch
älter als die AVL selbst.
Von 1926 bis 1932 war
AVL-Gründer Hans
List Professor an der
Tongji-Universität. Sein
Andenken wird hier
in China noch heute
hochgehalten.“
SONDERAUSGABE