AVL Focus - Ausgabe 2024

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Integration des Batteriesystems in den Niederflurbereich

Stadtbusse benötigen eine ausreichende Batteriekapazität für

die tägliche Reichweite sowie für die Heizung und Kühlung

des Fahrgastraums. Da die Türen häufig geöffnet werden,

verbrauchen sowohl die Klimaanlage im Sommer als auch die

Heizung im Winter viel Energie. Wenn das Batteriesystem in

den Niederflurbereich integriert wird, ohne die Energiekapazi-

tät zu beeinträchtigen, kann das Fahrgestell mit geringem Ge-

wicht ausgelegt und die Fahrgastkapazität des Busses erhöht

werden. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal dieses Kon-

zepts. Allerdings gibt es geometrische Grenzen: Bestimmte

Abmessungen wie die Bodenfreiheit und die Höhe der Stufen

oder des Bodens im Sitzbereich sind festgelegt und können

nicht verändert werden.

Marktführende Position, maximale Sicherheit

Unter Berücksichtigung aller Anforderungen wie Batterieküh-

lung, Hochspannungsleitungen, Design des Batteriepacks,

Verpackung und elektromagnetische Verträglichkeit war

AVL in der Lage, sogar etwas mehr Batteriekapazität in den

Niederflurbus zu integrieren, als derzeit auf dem Markt üblich

ist. Das Batteriepack wurde so konzipiert, dass es sowohl in

Niederflur-Stadtbussen (Einzel- und Gelenkbussen) als auch in

anderen Bustypen wie Low-Entry- oder Reisebussen einge-

setzt werden kann.

Für diese Lösung nutzen wir unsere Batteriekompetenzen

und Entwicklungsfähigkeiten, die durch unsere modellba-

sierte Systems-Engineering-Methodik geleitet werden. Damit

adressieren wir auch eine der wichtigsten Anforderungen für

alle batterieelektrischen Fahrzeuge: die thermische Sicherheit.

Das Design der Batteriezellen, die Entlüftung der Gase im Falle

eines thermischen Durchgehens (TR), das Design des Packs

in Bezug auf Modularität, Energiedichte und Sicherheit – das

alles erfordert einen Ansatz, der mehrere Kompetenzbereiche

umfasst. Das Batteriemanagementsystem (BMS) kontrolliert

den Gesundheitszustand (SoH) und die Sicherheit des gesam-

ten Batteriesystems. Fällt eine Zelle aus, wird das Batteriepack

in einen abgesicherten Zustand versetzt, die Brandabgase

werden durch ein sicheres Abgasrohr abgeleitet und die

thermische Ausbreitung wird auf eine einzelne Zelle des Packs

beschränkt.

Virtuell verifiziert und skalierbar für andere Anwendungen

Die komplette Installation und Steuerung ist ein Alleinstel-

lungsmerkmal von AVL. Unser Batteriemanagement ist auch

für andere Elektrofahrzeuge ideal und kann leicht auf weitere

Anwendungen angepasst werden. Hierfür bieten wir eine

vollständige Verifizierungsmethodik mit Schwerpunkt auf der

virtuellen Entwicklung. Unsere Simulationsmethodik berück-

sichtigt dabei unterschiedliche physikalische Nebeneffekte.

Dies ermöglicht Konstruktionslösungen für einen sicheren

Betrieb und zur Verhinderung der Schadensausbreitung.

Die Batterielebensdauer wird über das Alterungsverhalten der

Zellen hinaus berücksichtigt, da sie die mechanische und leis-

tungsbezogene Degradierung einschließt. Ladezustand (State

of Charge, SoC), Gesundheitszustand (State of Health, SoH),

Ausfallzustand (State of Failure, SoF) sowie der Sicherheits-

zustand (Sate of Safety, SoS) werden auf Basis von Modell-

ansätzen berechnet. Abschließend kann die Überwachung der

Fahrzeugflotte in der Cloud für die Optimierung der Lebens-

dauer und das Flottenmanagement genutzt werden.

Mehr Fahrgast-

kapazität für

Elektrobusse

AVL präsentiert einen neuen Ansatz für die Integration des

Batteriesystems in Stadtbusse. Die innovative Lösung zeigt

eine neue Batterieintegration ins Fahrzeug auf, die eine Reihe

von Vorteilen bietet, ohne die Batteriekapazität zu verringern.

CO2-Reduktion wird zur zentralen Herausforderung

Nutzfahrzeuge tragen signifikant zu CO2-Emissionen bei.

Daher haben das EU-Parlament und die Minister der Mitglieds-

staaten im Mai 2024 beschlossen, dass die CO2-Emissionen

von schweren Nutzfahrzeugen bis 2030 um 45 % gegenüber

2019 reduziert werden müssen. Bei Stadtbussen sollen 90 %

der neu zugelassenen Fahrzeuge im Jahr 2030 emissionsfrei

sein. Die OEMs werden mit hohen Geldstrafen belegt, wenn

der Flottenverbrauch der von ihnen verkauften Fahrzeuge die

Anforderungen nicht erfüllt. Wenn beispielsweise ein Hersteller

mit einem Marktanteil von 20 % (ca. 50.000 Fahrzeuge) sein

Ziel um nur 1 Gramm verfehlt, droht ihm eine Geldstrafe von

über 360 Millionen Euro.

F&E-Projekt zur Bewältigung der Herausforderung

Batterieelektrische Lkw und Busse sind der Schlüssel zur

Einhaltung der CO2-Emissionsvorschriften. Aus diesem Grund

hat AVL ein internes Forschungs- und Entwicklungsprojekt

gestartet, das sich mit einer der größten Herausforderungen

befasst: der Integration des Batteriesystems in den Boden

des Chassis von Niederflur-Stadtbussen. Aktueller Stand der

Technik ist die Montage auf dem Dach. Diese vergleichswei-

se einfache Lösung bringt jedoch einige Nachteile mit sich:

Die dafür erforderliche schwerere, komplexere und robustere

Dachkonstruktion reduziert die Anzahl an Passagieren, die be-

fördert werden dürfen. Daneben erhöht sich der Schwerpunkt

des Fahrzeugs, was zu einem schlechteren Fahr- und Kippver-

halten führt. Zusätzlich sind längere Kühlleitungen und eine

weitere Schutzabdeckung nötig.

„Unsere fortschritlichen

Bateriesysteme erhöhen

Kapazität und Sicherheit.

Sie verwandeln

Komplexität in Sicherheit

und Innovation in

branchenführende

Standards.“

18 | 19

2024

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