Warum braucht das Software-definierte Fahrzeug mehr Tempo
in der Softwareentwicklung? Und wie lässt sich das erreichen?
Dr. Daniel Lueddecke, Senior Software-Defined Vehicle Ecosystem
Manager bei Microsoft, hat Antworten.
Wie wirkt sich das Software-definierte Fahrzeug auf den
Entwicklungs- und Validierungsprozess aus?
Im Kern geht es darum, das Zentrum der Kundenerfahrung
von der Hardware auf die Software zu verlagern. Damit
wächst auch der Wunsch der Kund:innen nach regelmäßigen
Software-Updates. Es braucht also Entwicklungs- und Vali-
dierungsprozesse, die Software deutlich schneller als bisher
entstehen lassen – ohne Abstriche bei der Qualität.
Welche Herausforderungen gibt es zu bewältigen?
Der Validierungsprozess wird meist am Ende angestellt, statt
als integraler Bestandteil des Entwicklungsprozesses gedacht
zu werden. Außerdem setzen die etablierten Validierungspro-
zesse oft auf reale Hardware. Das alles führt zu hohen Ent-
wicklungskosten und zu SOP-Verschiebungen. Es muss uns
nun allen gemeinsam gelingen, den Validierungsteil deutlich
nach vorn zu verlagern.
Wie wichtig ist Open Source?
Die Herausforderungen lassen sich nur im Zusammenspiel
vieler Beteiligter lösen. Gemeinsam mit anderen Unternehmen
bündeln wir unsere Beiträge zu Software-definierten Fahrzeu-
gen in der „Eclipse Software-Defined Vehicle Working Group“.
Das bietet uns die Chance, nicht nur auf Spezifikationsebene
Lösungen zu erarbeiten, sondern diese direkt auch gemeinsam
zu implementieren – wir nennen das „Code First“. Basierend
auf diesen Open-Source-Komponenten können dann kommer-
zielle Lösungen entwickelt und vermarktet werden.
Warum gehen AVL und Microsoft hier einen gemeinsamen
Weg?
Hardwaretests sind sehr zeitintensiv und teuer. Sie sind zwar
nicht gänzlich wegzudenken, müssen aber deutlich reduziert
werden, indem man einen Großteil von ihnen in eine virtuelle
Umgebung verlagert. Diese virtualisierten Testumgebungen
lassen sich deutlich besser skalieren. Und man kann sogar auf
virtualisierter Hardware testen, die noch gar nicht real existiert.
Das Know-how von AVL in puncto Test und Validierung ist eine
hervorragende Ausgangsbasis, um die Herausforderungen
in diesen Bereichen anzugehen. In Kombination mit unserer
Expertise, hochskalierbare und sichere Systeme zu entwerfen,
schaffen wir einen sofortigen Nutzen für unsere gemeinsamen
Kund:innen.
Aktuell arbeiten wir zusammen mit AVL an der Entwicklung
neuer, skalierbarer DevOps-Lösungen, um Software-Tests
möglichst früh und vollautomatisch in virtualisierten Umge-
bungen durchzuführen und zu orchestrieren. Software-Versio-
nen, Testfälle und Digitale Zwillinge der Hardware werden zu
individuellen Konfigurationen zusammengeführt und automa-
tisiert in der Cloud validiert.
Ein Blick in die Zukunft …
Software-definierte Fahrzeuge sind bereits heute Realität.
Bisher lagen aber meist Jahre zwischen dem Einsatz neuer
Software-Versionen in Fahrzeugen. Damit gingen langwierige
Validierungszyklen einher. Dieses Schema gilt es zu durchbre-
chen. Wir brauchen Prozesse und Tools, die Entwicklungs- und
Validierungsprozesse deutlich nach vorn verlagern. Kürzere
Release-Zyklen werden uns kürzere Validierungszyklen erlau-
ben und den Gesamtprozess straffen.
Interview mit
Dr. Daniel Lueddecke
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