4014, verbunden mit dem UNIVAC-Rechner der TU Graz, oder
die Installation eines VAX-11/780-Rechners stehen stellver-
tretend für diese Ära. Statt aufwändig Lochkarten zu stanzen,
gab es nun Terminals mit kleinen alphanumerischen Bildschir-
men zur Bedienung der neuen Computer-Generation. „Das war
der Einstieg in die Demokratisierung der Anwendung von an-
spruchsvoller Simulationssoftware“, beschreibt Dr. Rainer. Mit
neuen Generationen von Supercomputern wie beispielsweise
CONVEX oder CRAY wuchsen die Möglichkeiten. Die Simulati-
onsmodelle wurden ausgereifter. Wichtige Impulsgeber waren
die strömungsmechanischen Berechnungen (mit AVL FIRE™)
und die motordynamischen Berechnungen (mit AVL EXCITE™),
die durch die neue Rechnergeneration erst wirtschaftlich sinn-
voll wurden. Vor allem die zunächst für den internen Gebrauch
entwickelte Software zur Simulation von Verbrennungsvorgän-
gen stieß auf große Resonanz.
Der Beginn der beschleunigten Entwicklung
Der Start des neuen Geschäftsbereichs war herausfordernd,
denn „bis auf FIRE hatten wir 1996 noch keine wirklich markt-
reife Software“, räumt Dr. Rainer ein. Das änderte sich schnell:
Die Mechanik-, Strömungs-, Thermodynamik- und Einspritz-
system-Software wurden zusammengeführt; mit Beginn des
neuen Jahrtausends kam auch das CRUISE-Entwicklungs-
projekt für Fahrleistungs- und Verbrauchsberechnung zur
Marktreife. AVL EXCITE™ etablierte sich als Marktführer für
Motor-Dynamik-Simulation. Der Einstieg in die echtzeitfähige
Systemsimulation ab ca. 2008 erweiterte die Anwendung in
den Prüfstandsbereich hinein.
Parallel zur Entwicklung der Produkte wurden die notwendigen
Vertriebs- und Servicestrukturen aufgebaut: Ab 1996 ent-
standen innerhalb von wenigen Jahren Büros von Advanced
Simulation Technologies in Slowenien, Kroatien, Japan, Korea,
den USA, China, Deutschland, Indien und Russland. Vor allem
das Wachstum des Asiengeschäftes ist laut Gotthard Rainer
ein entscheidender Faktor für den Erfolg: „Japan war von An-
fang an sehr simulationsorientiert und wurde daher schnell
zu einem unserer stärksten Absatzmärkte. Die erste Lizenz
der Strömungssoftware haben wir dort bereits 1987 an einen
großen japanischen Automobilhersteller verkauft.“ Dieser
Automobilhersteller ist auch heute noch ein wichtiger Kunde
und wendet AVL-Simulations-Software breit an, was auf zwei
wichtigen Erfolgsfaktoren beruht: langjährige Kundenbezie-
hungen und erfahrene Mitarbeiter:innen – wie Roland Wanker
ausführt, der im Jahr 2000 in dem Geschäftsbereich anfing
und ihn seit 2019 leitet.
Umfassendes Simulationsangebot
Das Simulations-Portfolio hat sich in den letzten 20 Jahren mit
dem Wandel der Mobilität stark erweitert. Gesamtfahrzeug
simulation, E-Mobilität, ADAS/AD, Simulation as a Service –
heute bietet der Geschäftsbereich eine umfassende Palette
für ein immer breiteres Portfolio an Anwendungsfällen. Dabei
stellt Roland Wanker eine Fortsetzung der angesprochenen
„Demokratisierung“ fest: „Früher gab es auf Kundenseite
Expert:innen, die sich tief in die Struktur einer Software ein-
gearbeitet haben. Heute hingegen müssen Softwareprodukte
immer benutzerfreundlicher und intuitiver bedienbar sein. Ein
Quantensprung in Richtung Integration und Anwenderfreund-
lichkeit wurde durch die vollständige Integration aller Produkte
in eine gemeinsame Benutzeroberfläche erzielt.“
Gewappnet für kommende Herausforderungen
Für die Zukunft prognostiziert Roland Wanker einen noch
grundlegenderen Wandel als mit dem Aufkommen des Inter-
nets. Die Entwicklung in der Automobilindustrie steht unter
enormem Zeit- und Kostendruck. Angesichts dieser Treiber
gewinnen Simulationen immer mehr an Bedeutung. Der Virtu-
elle Zwilling wird zum zentralen Element in allen Entwicklungs-
phasen. Dabei wird auch künstliche Intelligenz (KI) eine immer
wichtigere Rolle spielen. Aufwändige Simulationen (z.B. in der
Mehrkörperdynamik) könnten schon bald KI-gestützt aufge-
setzt und ausgewertet werden – mit entsprechenden Empfeh-
lungen für die Verbesserung des Designs. Eine der zentralen
Herausforderungen der Zukunft wird es sein, auch im Kontext
von KI eine Führungsrolle einzunehmen, um mit dem Angebot
im Markt attraktiv zu bleiben.
Roland Wanker: „Wir müssen auch intern die Demokratisie-
rung der Simulation weiter vorantreiben. Dafür müssen wir
Genauigkeit in den Ergebnissen der Simulation mit Einfachheit,
Effizienz und Robustheit in deren Anwendung beim Kunden
zusammenbringen. Das ist unser Markenkern, unsere DNA.“
Dr. Roland
Wanker
Dr. Gotthard
Rainer
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