Brunner: Als sich vor einigen Wochen der österreichische
Bundeskanzler Nehammer mit uns zu Energie und Mobilität
der Zukunft unterhielt, hat Prof. List über 20 Jahre Investition
in Brennstoffzelle, Wasserstoff und Elektrolyse berichtet.
Dabei war bei allen Dialogbeteiligten große Bewunderung und
bei allen Anwesenden von AVL viel Stolz zu spüren – über die
Weitsicht und Konsequenz, die Technologie voranzutreiben.
Diese Entschlossenheit, Technologie bis an die Grenzen der
Physik zu führen, und der damit verbundene Pioniergeist sind
im gesamten Unternehmen zu spüren und treiben mich per-
sönlich seit 19 Jahren bei AVL an.
Die Mobilität verändert sich. Wo sehen Sie die größte Her-
ausforderung für den Engineering-Sektor? Wo kann die AVL
künftig ihre Stärken ausspielen?
Grebe: Die Gesellschaft und die Mobilitätssysteme ändern
sich weltweit. Wir befinden uns mitten in einer Transformation,
die weit über die Antriebssysteme hinausgeht. Nachhaltig-
keit hinsichtlich der verwendeten Energie und der Materialien
sowie die digitale Vernetzung geben Richtungen für die Tech-
nologien vor. Die Ausweitung der für uns relevanten Märkte
bestimmt dabei unsere Möglichkeiten. Unsere Stärken sind
das technische Verständnis der Systeme und deren Interaktion
sowie unsere innovativen Problemlösungen. Dies hilft uns, in
Gebiete wie das Gesamtfahrzeug, Fahrerunterstützungssyste-
me und die multimodalen Mobilitätssysteme vorzustoßen.
Brunner: Die größte Herausforderung ist es, die Technologie-
offenheit in der vollen Breite zu bewältigen und darüber hinaus
unsere Non-Automotive-Aktivitäten im Energiesektor als
starkes Standbein für die Zukunft weiter auszubauen. Unsere
signifikanten Investitionen in Forschung und Entwicklung
konzentrieren sich auf diese Bereiche. Daher sind wir sehr gut
auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet. Die Branche als
solche steht vor der Herausforderung, eine wesentlich größere
Menge technischer Daten zu Informationen aufzubereiten.
Damit schaffen wir Multiplikatoren und Lösungen über den
Standard hinaus.
Tuschen: Um den technologischen Wandel durch Dekarboni-
sierung, Automatisierung und Digitalisierung sowie die damit
verbundenen Ungewissheiten zu bewältigen, müssen alle
Marktteilnehmer ihre Strategien anpassen. Dabei gilt es, Tech-
nologieoffenheit zu forcieren und Unternehmergeist zu intensi-
vieren, damit wir innovative Technologien skalieren und unsere
Stärken in die Realität umsetzen können. Es ist entscheidend,
flexibel zu bleiben, Synergien zu nutzen und neue Geschäfts-
felder zu erschließen. Meine Vision: AVL als Benchmark für
Engagement, Synergieeffekte und Flexibilität!
Interview mit
Gustav Tuschen
Mario Brunner
Dr. Uwe Dieter Grebe
SONDERAUSGABE