AVL Focus - 75 Jahre Sonderausgabe

THE AVL MOBILITY TREND MAGAZINE - 2023

PEOPLE AND CULTURE

AVL beschäftigt weltweit mehr als 11 000 Menschen. Als

Arbeitgeber schneidet das Unternehmen in unabhängigen

Rankings seit vielen Jahren gut ab. Personalchef Markus

Tomaschitz verrät im Interview mehr über die Hintergründe.

Mitarbeiter:innen –

Wert und

Wertschätzung

Herr Tomaschitz, Sie leiten seit fast zehn Jahren die Perso-

nalabteilung der AVL. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Wie die gesamte Branche stehen auch wir im Personalbe-

reich vor großen transformativen Herausforderungen. Der

Systemwechsel in der Mobilität hat sich stark beschleunigt.

Zum klassischen Verbrennungsmotor kommen neue alter-

native Antriebstechnologien, Brennstoffzellenentwicklung,

Batterietechnologie, Hybridmodelle und auch Fahrerassistenz-

systeme. Dadurch haben sich auch die Berufsbilder bei AVL

verändert. Das klassische Maschinenbau-Profil ist nach wie

vor gefragt, aber auch Chemie, Elektrotechnik, Mechatronik

und IT gewinnen durch die beschriebenen Veränderungen

an Bedeutung. Die klassischen Berufsbilder bleiben erhalten,

aber heute ist mehr interdisziplinäres Know-how gefragt. Wir

brauchen zum Beispiel IT-Spezialist:innen, die das Auto siche-

rer machen, oder Zerspaner:innen bei unserer Tochterfirma

Piezocryst ­Advanced Sensorics GmbH. Die Leistung der IT ist

vielleicht nicht immer sichtbar, aber für die moderne Mobili-

tät unverzichtbar. Bei AVL haben wir zum Glück schon viele

Musterbrecher, kreative Querköpfe, Persönlichkeiten mit Ecken

und Kanten. Solche Charaktere brauchen wir als Unternehmen,

denn sie machen den Unterschied. Wir suchen Menschen,

die fachübergreifende Talente mitbringen und die Zukunft der

Mobilität aktiv mitgestalten wollen.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen für die

Personalpolitik?

Der Fachkräftemangel ist das zentrale Thema, das uns mit

Sicherheit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten beschäfti-

gen wird. Die geburtenstarken Jahrgänge scheiden derzeit aus

dem Erwerbsleben aus. Wir haben in Österreich demografisch

gesehen mittlerweile mehr Menschen, die 64 Jahre und älter

sind, als Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und

64. Jährlich gehen rund 50 000 Menschen mehr in Pension,

als neue Arbeitskräfte nachkommen, sei es aus Schulen, Uni-

versitäten oder Fachhochschulen. Besonders problematisch

ist das natürlich überall dort, wo – wie in der AVL – ganz

spezifische Qualifikationen gefragt sind. Die Digitalisierung

wird hier sicher einiges bewirken. Sie kann aber nicht alles er-

setzen – das spüren und merken wir jetzt schon. Ein weiteres

Problem für den Standort Österreich ist, dass die Kunden mit

ihren Aufträgen oft dorthin gehen, wo es die entsprechenden

Arbeitskräfte gibt. Stichwort Migration – auch hier gilt es,

Menschen mit entsprechenden Qualifikationen gezielt nach

Österreich zu holen.

Zwischen Digitalisierung und einem gesteigerten Wunsch

nach mehr „life“ statt „work“: Wie reagiert die AVL auf

die geänderten Bedürfnisse und Erwartungen der Arbeit­

nehmer:innen?

Das Anspruchsdenken vieler Bewerber:innen ist heute tat-

sächlich ausgeprägter als früher. Wie man im Einzelfall darauf

reagiert, hängt stark davon ab, welche Möglichkeiten der

Markt gerade bietet und was man davon umsetzen kann. Als

globales Unternehmen in einer dynamischen Branche sind wir

hier gut aufgestellt, denn wir haben hervorragende interne Ent-

wicklungsperspektiven zu bieten. Dazu gehören natürlich auch

geregelte Arbeitszeiten und entsprechende Erholungspausen.

Insofern ist das Thema Work-Life-Balance bei uns nicht so

dramatisch, wie wir es manchmal von anderen Unternehmen

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