PEOPLE AND CULTURE
AVL beschäftigt weltweit mehr als 11 000 Menschen. Als
Arbeitgeber schneidet das Unternehmen in unabhängigen
Rankings seit vielen Jahren gut ab. Personalchef Markus
Tomaschitz verrät im Interview mehr über die Hintergründe.
Mitarbeiter:innen –
Wert und
Wertschätzung
Herr Tomaschitz, Sie leiten seit fast zehn Jahren die Perso-
nalabteilung der AVL. Was hat sich in dieser Zeit verändert?
Wie die gesamte Branche stehen auch wir im Personalbe-
reich vor großen transformativen Herausforderungen. Der
Systemwechsel in der Mobilität hat sich stark beschleunigt.
Zum klassischen Verbrennungsmotor kommen neue alter-
native Antriebstechnologien, Brennstoffzellenentwicklung,
Batterietechnologie, Hybridmodelle und auch Fahrerassistenz-
systeme. Dadurch haben sich auch die Berufsbilder bei AVL
verändert. Das klassische Maschinenbau-Profil ist nach wie
vor gefragt, aber auch Chemie, Elektrotechnik, Mechatronik
und IT gewinnen durch die beschriebenen Veränderungen
an Bedeutung. Die klassischen Berufsbilder bleiben erhalten,
aber heute ist mehr interdisziplinäres Know-how gefragt. Wir
brauchen zum Beispiel IT-Spezialist:innen, die das Auto siche-
rer machen, oder Zerspaner:innen bei unserer Tochterfirma
Piezocryst Advanced Sensorics GmbH. Die Leistung der IT ist
vielleicht nicht immer sichtbar, aber für die moderne Mobili-
tät unverzichtbar. Bei AVL haben wir zum Glück schon viele
Musterbrecher, kreative Querköpfe, Persönlichkeiten mit Ecken
und Kanten. Solche Charaktere brauchen wir als Unternehmen,
denn sie machen den Unterschied. Wir suchen Menschen,
die fachübergreifende Talente mitbringen und die Zukunft der
Mobilität aktiv mitgestalten wollen.
Was sind derzeit die größten Herausforderungen für die
Personalpolitik?
Der Fachkräftemangel ist das zentrale Thema, das uns mit
Sicherheit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten beschäfti-
gen wird. Die geburtenstarken Jahrgänge scheiden derzeit aus
dem Erwerbsleben aus. Wir haben in Österreich demografisch
gesehen mittlerweile mehr Menschen, die 64 Jahre und älter
sind, als Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und
64. Jährlich gehen rund 50 000 Menschen mehr in Pension,
als neue Arbeitskräfte nachkommen, sei es aus Schulen, Uni-
versitäten oder Fachhochschulen. Besonders problematisch
ist das natürlich überall dort, wo – wie in der AVL – ganz
spezifische Qualifikationen gefragt sind. Die Digitalisierung
wird hier sicher einiges bewirken. Sie kann aber nicht alles er-
setzen – das spüren und merken wir jetzt schon. Ein weiteres
Problem für den Standort Österreich ist, dass die Kunden mit
ihren Aufträgen oft dorthin gehen, wo es die entsprechenden
Arbeitskräfte gibt. Stichwort Migration – auch hier gilt es,
Menschen mit entsprechenden Qualifikationen gezielt nach
Österreich zu holen.
Zwischen Digitalisierung und einem gesteigerten Wunsch
nach mehr „life“ statt „work“: Wie reagiert die AVL auf
die geänderten Bedürfnisse und Erwartungen der Arbeit
nehmer:innen?
Das Anspruchsdenken vieler Bewerber:innen ist heute tat-
sächlich ausgeprägter als früher. Wie man im Einzelfall darauf
reagiert, hängt stark davon ab, welche Möglichkeiten der
Markt gerade bietet und was man davon umsetzen kann. Als
globales Unternehmen in einer dynamischen Branche sind wir
hier gut aufgestellt, denn wir haben hervorragende interne Ent-
wicklungsperspektiven zu bieten. Dazu gehören natürlich auch
geregelte Arbeitszeiten und entsprechende Erholungspausen.
Insofern ist das Thema Work-Life-Balance bei uns nicht so
dramatisch, wie wir es manchmal von anderen Unternehmen
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