miteinzubeziehen und möglichst flexibel zu bleiben, um rasch
auf neue Bedingungen reagieren zu können.
Mit welchen Herausforderungen waren und sind Sie konfron-
tiert und wie haben Sie diese gemeistert?
Der Weg Richtung Klimaneutralität gehört zu den größten
Herausforderungen unserer Zeit. Auch im Mobilitätssektor
muss die Reduktion von CO2-Emissionen unser oberstes Ziel
sein. Bei AVL treiben wir den Ausstieg aus fossilen Energieträ-
gern und den Umstieg auf erneuerbare Energien voran. Denn
wir stecken all unsere Schaffenskraft in die Forschung und
Entwicklung nachhaltiger Technologien und erwirtschaften in-
klusive ADAS (Fahrerassistenzsysteme) bereits 60 % unseres
Umsatzes in diesem Sektor. Damit zeigen wir auch, dass
Klimaschutz und Wirtschaftswachstum Hand in Hand gehen
können.
Wenn Sie auf die 75-jährige Geschichte von AVL zurück-
blicken, welche sind die wichtigsten Meilensteine, die Ihnen
persönlich besonders am Herzen liegen und warum?
Wir haben relativ früh Simulation, Testen und Validierung
miteinander verbunden. Daraus sind im Laufe der Jahrzehnte
große Innovationen entstanden, die zu vielen Patenten geführt
haben, von denen heute noch über 2 000 aktiv genutzt wer-
den. In den 1980er- und 1990er-Jahren haben wir gezielt auf
Wachstum gesetzt – vor allem in Deutschland, aber auch in
den USA und in China. Wir haben die Forschung ins Zentrum
unserer Strategie gerückt und selbst in schwierigen Zeiten in
F&E investiert. Unser Expertenwissen haben wir auch in die
Medizintechnik übertragen. Um möglichst nahe bei unseren
Kunden zu sein, haben wir früh unsere globale Präsenz
erweitert und verfügen heute über 90 Standorte in 26 Ländern.
Und wir haben als einer der Ersten voll auf neue Technologien
gesetzt. Auf all diese Meilensteine bin ich stolz.
Wie hat sich AVL im Laufe der Jahre entwickelt?
Die große Stärke von AVL besteht schon immer darin, sehr
gut auf die Zukunft vorbereitet zu sein. Es ist wichtig, stets
einen Schritt voraus zu sein. So haben wir uns beispielsweise
schon vor 20 Jahren mit der Entwicklung des E-Antriebes
beschäftigt. In der Batterieentwicklung gehören wir zu den
renommiertesten Unternehmen weltweit. Neue Wege gehen
wir mit unserer Hochtemperatur-Elektrolyse-Anlage, die bei
der Produktion von Wasserstoff aus Strom einen Wirkungs-
grad von über 80 Prozent erzielt. Genauso innovativ sind wir
bei der Integration des Energieträgers zum Beispiel in Hybrid-
Fahrzeuge und in der Brennstoffzellentechnik. Aber auch
das „Software-defined Vehicle“ und automatisiertes Fahren
gehören zu unseren Schwerpunktbereichen. So gestalten wir
am Standort Graz, aber auch global den Wandel hin zu einer
klimaneutralen Mobilität.
Welche Rolle spielt Innovation für den Erfolg von AVL, und
wie hat das Unternehmen im Laufe seiner Geschichte eine
Innovationskultur gefördert?
Gemeinsam leben wir eine Kultur der Offenheit. Wir hören zu
und nehmen die Ratschläge unserer Expertinnen und Experten
ernst. Wir schaffen Freiräume, um das volle kreative Potenzial
auszuschöpfen. Wir haben keine Angst vor Rückschlägen und
versuchen stets aus Fehlern zu lernen. So entsteht Innovation.
75 YEARS AND BEYOND
Foto: FOLTIN Jindrich / WirtschaftsBlatt / picturedesk.com
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