VL Powertrain UK arbeitet an einer Reihe von Projekten
zur Dekarbonisierung und Emissionsreduzierung im
gesamten Automobilsektor. Eines dieser Projekte war
FCVGen1.0, eine Zusammenarbeit zwischen AVL und Ford
Großbritannien zur Entwicklung eines leichten Elektro-Nutz-
fahrzeugs mit Brennstoffzellenantrieb. Das Projekt wurde im
Rahmen des ARMD-Wettbewerbs (Advanced Route to Market
Demonstrator) durchgeführt und vom britischen Advanced
Propulsion Centre (APC) mitfinanziert – einer gemeinnützigen
Organisation, die den Übergang zu einer Netto-Null-Automobil-
industrie durch Finanzierung, Unterstützung und Erkenntnisse
beschleunigen hilft.
Die Idee hinter FCVGen1.0 war es, in weniger als zwölf
Monaten ein voll funktionsfähiges, brennstoffzellenbetrie-
benes leichtes Nutzfahrzeug des Modells Ford Transit zu
entwickeln, zusammen mit einem validierten Digitalen Zwilling
des Brennstoffzellensystems (FCS) und des Fahrzeugs. Ford
stellte den Prototypen eines Transit-BEV zur Verfügung, der
dann im AVL Engineering Centre in Basildon zu einem Brenn-
stoffzellen-Demonstrationsfahrzeug umgebaut wurde. Wäh-
rend AVL seine Erfahrung in der Entwicklung und Integration
von Wasserstoffantrieben und Brennstoffzellentechnologie
einbrachte, stellte Ford sein Wissen über Fahrzeugsteuerun-
gen sowie über die Entwicklung von Fahrzeugkalibrierungen
und Energiemanagement-Systemen bereit.
Bündelung von Fachwissen
Das Projektteam setzte sich aus verschiedenen Disziplinen
zusammen, darunter Komponenten- und Systemdesign,
Entwicklung von Steuerungssystemen und funktionaler
Sicherheit, Simulation und Systemintegration sowie Bau und
Inbetriebnahme. Gemeinsam entwarf, spezifizierte und inte-
grierte das Team die Brennstoffzellen-Balance-of-Plant (BoP)
und das Hochdruck-Wasserstoff-Speichersystem – inklusive
Auswahl der Lieferanten und Beschaffung der Komponenten.
Die Simulation von Kraftstoffsystem und Leistung wurde mit
AVL CRUISE™ M durchgeführt. Auch ein schneller Prototyp
des Brennstoffzellenstapels und der Wasserstofftank-Steue-
rungssysteme, einschließlich eines Infrarot-Kommunikations-
systems zum schnellen Nachfüllen, wurde entwickelt. Dank
der Schnellbetankung bietet das Fahrzeug eine vergleichbare
Betankungsleistung wie ein herkömmlicher Lieferwagen: Die
Wasserstofftanks lassen sich in etwa fünf Minuten füllen –
ähnlich wie bei einem typischen Fahrzeug mit Verbrennungs-
motor.
Mit AVL-Drive™ wurde die Fahrbarkeit des Fahrzeugs bewertet.
Außerdem entwickelte und installierte das Team eine Mensch-
Maschine-Schnittstelle (HMI) im Fahrzeug, sodass der Fahrer
den Status aller Systeme überwachen kann.
Ziele in Produkte verwandeln
Das Ergebnis: ein Fahrzeug, das die technische Machbarkeit
eines emissionsfreien Wasserstoff-Brennstoffzellenantriebs
für leichte Nutzfahrzeuge demonstriert – sowohl in Bezug auf
Leistung als auch auf Praxistauglichkeit.
„Dieses Gemeinschaftsprojekt zeigt, dass Brennstoffzellen-Elek-
trofahrzeuge (FCEV) ein integraler Bestandteil der Lösung für
eine Netto-Null-Zukunft sein können“, so Dr. Matthias Wellers,
Geschäftsführer von AVL Powertrain UK Limited. „Ich bin sehr
stolz darauf, Teil eines Teams gewesen zu sein, das in weniger
als zwölf Monaten einen herausragenden FCEV-Demonstrator
in einem leichten Nutzfahrzeug geliefert hat und zugleich ein
digitales Zwillingsmodell des Fahrzeugs und des Brennstoffzel-
lensystems. Durch die Zusammenarbeit von Ford Großbritan-
nien und AVL konnten die Lieferung und alle Projektziele optimal
erreicht werden. Es war ein großartiges Projekt, das von einem
außergewöhnlichen Team durchgeführt wurde.“
V.l.n.r.: Jon Caine, technischer Direktor, AVL Powertrain UK
Limited; Paul Havelock, Leiter der Kalibrierungsabteilung, AVL
Powertrain UK Limited; Bernadette Longridge, Leiterin des
Engineering-Centres, AVL Powertrain UK Limited; Matthias
Wellers, Geschäftsführer AVL Powertrain UK Limited
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