AVL Focus - 75 Jahre Sonderausgabe

THE AVL MOBILITY TREND MAGAZINE - 2023

Leben und Werk von Prof. Helmut List in wenigen Worten zu

würdigen, ist schier unmöglich. Seit fast sechs Jahrzehnten

prägt er die AVL, und mit seinen vielen Leistungen verkörpert er

den Geist unseres Unternehmens.

Über das Leben und

die Erfolge von

Prof. Helmut List

Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Helmut List

das Gymnasium in der Lichtenfelsgasse in Graz. Bereits in

jungen Jahren zeigte er ein herausragendes Talent für Technik

und begann an Radiogeräten zu basteln, was ihn letztendlich

dazu führte, Maschinenbau und Elektrotechnik an der Techni-

schen Universität Graz zu studieren. Bereits während seiner

Ausbildung sammelte er Praxiserfahrung in Motorenwerken in

England, den USA, Frankreich und Deutschland.

1966 trat er in die AVL ein, wo er zunächst die Produktions-

abteilung für elektronische und feinmechanische Messgeräte

leitete. Zusätzlich übernahm er die Projektleitung für die

Entwicklung eines neuen medizinischen Blutgas-Analysators

nach einem Konzept von und in Zusammenarbeit mit Prof.

Dr. Karl Harnoncourt. Die Blutgasanalyse bildete den Kern der

späteren AVL Medizintechnik, die Helmut List als Geschäfts-

führer leitete und auch technisch begleitete – vom Beginn an

bis zum Verkauf an Roche Diagnostics im Jahr 2000.

Im Jahr 1970 wurde eine neue, jüngere Geschäftsführung bei

AVL eingesetzt, wobei Helmut List den Vorsitz für den Bereich

Messtechnik, Produktion und Vertrieb übernahm und somit die

Grundlage für ein konstant rasches Wachstum bildete. Zusätz-

lich begann er in dieser Zeit mit dem weltweiten Aufbau von

AVL Tochtergesellschaften.

Im Dezember 1975 heiratete Helmut List seine erste Ehefrau

­Dagmar Grill, und sie bekamen ihre Tochter Katharina im Jahr

1979. Während einer seiner Reisen lernte er seine aus Amerika

stammende zweite Ehefrau Kathryn kennen. Sie heirateten

1987 in Dearborn, USA. Im Jahr 1989 wurde ihr Sohn Hans

Gordon geboren, benannt nach den beiden Großvätern, und

1991 folgte die Geburt ihrer Tochter Olivia sowie 1996 ihrer

Tochter Clara Elizabeth.

1979 übernahm Helmut List den Vorsitz der Geschäfts­

führung für das Gesamtunternehmen. Die richtungsweisenden

­Erkenntnisse und Forschungen auf dem Gebiet der Diesel­

motorentechnologie wurden unter seiner Leitung ausgebaut.

Unter seiner Führung expandierte AVL zu einem globalen

Unternehmen mit einem weltweiten Netzwerk von Tech

Centern. In den vergangenen 20 Jahren engagierte er sich mit

hoher Priorität dafür, den Fokus vom Motor auf den gesamten

Antrieb auszuweiten und setzte viele Initiativen zu Akquisitio-

nen und Forschungsprogrammen, um die Elektrifizierung des

Antriebs voranzutreiben. Heute ist AVL mit 11 200 Mitarbeiten-

den an mehr als 90 Standorten und mit 45 Kompetenz- und

Entwicklungszentren eines der weltweit führenden Mobilitäts-

technologie-Unternehmen für Entwicklung, Simulation und

Testen in der Automobilindustrie und in anderen Branchen.

Einer der wichtigsten Schwerpunkte von Helmut List ist die

gezielte Anwendung von Forschung. Dies zeigt sich sowohl

im hohen F&E-Anteil in allen strategischen Geschäftsfeldern

als auch in einer Vielzahl von Kooperationen mit Universitäts­

instituten im In- und Ausland.

Durch seine Initiativen wurden zahlreiche F&E-Bereiche revo-

lutioniert: etwa die Digitalisierung in der AVL, die Helmut List

bereits in den 70ern mit der Einführung digitaler Prüfstands-

steuerungen initiierte; oder die Entwicklung vollkommen neuer,

unbekannter Materialien wie dem Gallium-Phosphat-Kristall

mit höchster Temperaturbeständigkeit für Druckmessungen.

Revolutionär war auch seine Idee, subjektive Bewertungen der

Fahrbarkeit eines Autos durch den Fahrer mit messbaren Grö-

ßen am Fahrzeug zu korrelieren und aus der Vielzahl solcher

Korrelationen einen objektiven, reproduzierbaren Maßstab zu

gewinnen. Damit initiierte er die AVL Drivability Technologie.

Bereits 1980 setzte er entscheidende Initiativen auf dem

Gebiet der mathematischen Modellierung von Strömungsvor-

gängen, welche zum späteren Aufbau der Sparte „Advanced

Simulation Technologies“ führte. Mit der „Integrated and Open

Development Platform“ vereinte er interaktiv mathematische

75 YEARS AND BEYOND

10 | 11